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Das Erbe des Inquisitors von Juan Ramón Biedma

Rezension von Martin Hammerschmidt

 

Viele Autoren schwimmen immer noch auf der Welle der Weltbestseller „Illuminati“ und „Sakrileg“ von Dan Brown. Seit diesen Erfolgen erscheinen immer mehr Bücher mit drei simplen Schlüsselwörtern: „Geheimbund“, „Kirche“ und „uralte Geheimnisse“. Grund dafür ist nun mal die Neugier der Menschen, die Geheimbünde oftmals in die Schublade fürs Böse stecken. In seinem Debütroman, „Das Erbe des Inquisitors“, schreibt der spanische Autor Juan Ramón Biedma auch über einen solchen Geheimbund, der sich die „Heilige Allianz“ nennt und das Ziel verfolgt, die Inquisition legitim zu machen und die alten Werte der Kirche wieder herzustellen.

 

 

Der verstorbene Kardinal Hesperio Tertulli hat seinem Neffen Alvaro eine äußerst schwierige Aufgabe hinterlassen. Er soll das geheimnisvolle „Manuskript Gottes“ ausfindig machen, eine Schrift, die den Schlüssel zu Kontrolle und Macht enthält. Einer Macht, wie sie schon zur Zeit der Inquisition bestand. Dieses Dokument ist auf fünf Koffer verteilt, die von Priestern der katholischen Kirche gehütet werden. Doch jetzt ist es an der Zeit, dass sie dem neuen Hüter übergeben werden sollen. Der Pater Alvaro sucht daher zuerst Efrén, den Oberaufseher der Hüter, in Sevilla auf, der Alvaro eine Datei mit allen Kontaktinformationen überreicht. Alvaro scheint sich jedoch der Gefährlichkeit dieser wichtigen Aufgabe keineswegs ganz bewusst zu sein. Erst als ihm vor seiner eigenen Haustür einige dunkle Gestalten auflauern, die nur durch Hilfe des zufällig anwesenden Bettlers Riven außer Gefecht gesetzt werden können, erkennt er schließlich den Ernst der Lage. Denn Alvaro ist nicht mehr der Einzige, der auf der Suche nach der mächtigen und geheimnisvollen Schrift ist. Der Geheimbund der Heiligen Allianz trachtet schon seit Jahren danach, die fünf Koffer mit den darin enthaltenen Teilen des „Manuskript Gottes“ in seinen eigenen Besitz zu bringen. Dabei schreckt sie auch vor brutalem Mord und Todschlag nicht zurück und ist zu allem bereit. Zudem scheint sie Alvaro immer einen Schritt voraus zu sein. Dabei ist dieser fest entschlossen, die Mission seines verstorbenen Onkels zu erfüllen.

Mit Hilfe seines Retters Riven macht er sich auf die Suche nach dem Hüter des ersten Koffers. Doch als sie das Haus betreten, bietet sich den beiden ein schrecklicher Anblick. Vor ihnen auf dem Boden liegt eine vollkommen verstümmelte Leiche, die die letzten Stunden ihres Lebens mit qualvollen Schmerzen zugebracht haben muss. Als Alvaro und Riven das Haus durchsuchen, bemerken sie, dass nichts gestohlen oder irgendwie entfernt wurde.

Bis auf eines: Der erste Koffer.

Spätestens jetzt rennt dem Pater und seinem Begleiter die Zeit davon, denn wenn alle fünf Koffer in die Hände der Heiligen Allianz fallen würde, hätte das unausweichliche Folgen für die Gesellschaft.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt!

 

 

Der Klapptext hört sich nach einem weiteren interessanten und spannenden Thriller an.

Eine Allianz, welche die alte und brutale Kirche mit ihrer Inquisition in der heutigen Zeit wieder auferstehen lassen will und alles bereit ist, dafür zu geben.

Dem entgegen, stehen lediglich zwei Alltagshelden, denn selbst die Polizei ist von der Heiligen Allianz untergraben und kann nicht als Hilfe in Anspruch genommen werden.

Der Beginn des Buches liest sich gut und flüssig. Recht schnell wird klar, worauf beide Parteien hinaus wollen, sodass der Leser sich schon recht zeitig auf einen wahren Wettkampf einstellen kann.

Das „Manuskript Gottes“ bleibt aber lange Zeit ein Rätsel und selbst zum Ende hin, weiß man nicht so recht, wie es die alten Werte der Kirche wieder in der heutigen Zeit etablieren kann. Ein Schriftstück, welches das Wissen der alten, jetzigen und zukünftigen Zeit aufbewahrt. Meiner Meinung nach etwas schwer vorzustellen.

Ebenso wird relativ schnell klar, dass Riven ein unschlagbarer Held ist.

Egal ob er sich vier oder fünf Gegner gegenüber sieht.. Er schafft es nicht nur seine eigene Haut zu retten, sondern zieht dabei immer wieder Alvaro mit aus der Klemme. Der Leser macht sich also eigentlich keine großen Sorgen um Alvaro, solange Riven in seiner Nähe ist.

Wenn man diesen Aspekt mal außer Acht lässt, findet sich ein guter Spannungsbogen, der zwischendurch immer wieder mit gut beschriebener Action gefüttert wird, sodass der Leser doch gerne die nächste Seite umblättert.

Der Charakter Alvaro ist gut, aber nicht perfekt ausgearbeitet. Er ist zwar nur ein Pater, aber die Mission, die er zu erfüllen hat, ist äußerst wichtig. Klar, Alvaro will unbedingt die fünf Koffer finden, aber der Leser hat das Gefühl, dass ihm die richtige Entschlossenheit fehlt, um wirklich für diese Mission geeignet zu sein. Da macht Riven schon einen ganz anderen Eindruck.

Das Ende hingegen ist etwas mau und enttäuschend. Es fehlt so ein richtiger Showdown, der noch einmal einen großen Knall in der Handlung erscheinen lassen soll.

 

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass hier nur ein ganz gewöhnlicher Thriller vorliegt, der noch einige Schwächen aufweißt. Er ist zwar nicht schlecht und die Idee ist sicherlich gut, hätte aber noch etwas an Ausarbeitung benötigt.

Die Spannung ist jedoch gut und macht den Thriller zu einem Durchschnittsroman.

Für die Nominierung als bestes Krimidebüt für den Dashiell Hammett Preis hat er meiner Meinung nach zu wenig Potential.

 

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Das Erbe des Inquisitors

Autor: Juan Ramón Biedma

Broschiert: 374 Seiten

Verlag: Goldmann TB (April 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442465141

ISBN-13: 978-3442465149

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.07.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18