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Das gestrandete Imperium von Michael M. Thurner

Reihe: Perry Rhodan - Der Posbi-Krieg Bd.1

Rezension von Martin Weber

 

Perry Rhodan besucht im Jahr 1343 Neuer Galaktischer Zeitrechnung einen Planeten der Posbis. Die Posbis sind alte Verbündete der Menschheit; sie sind Roboter mit einer biologischen Komponente, die sie dazu befähigt, Gefühle zu empfinden. Der erste Kontakt zwischen Terranern und den Maschinenwesen in den Frühzeiten des Solaren Imperiums verlief allerdings blutig, da die Posbis damals unter dem Kommando der so genannten Hass-Schaltung standen und ihr oberstes Ziel war, jegliches organische Leben zu vernichten, das nicht „wahres Leben“ war (siehe die Heftromane 100 bis 149, erstmals 1963/64 erschienen bzw. die Silberbände 13 bis 17). Doch seitdem die Hass-Schaltung beseitigt werden konnte, zählen diese merkwürdigen Geschöpfe zu den treuesten Verbündeten der Menschheit und niemand geht davon aus, dass es zu neuen Auseinandersetzungen kommen kann. Doch genau das geschieht, wenn auch nicht in der heimatlichen Milchstraße, sondern in der fernen Galaxis Ambriador, wo sowohl terranische Siedler als auch Posbis gestrandet sind. Lange gab es zwischen den beiden Gruppierungen keine gröberen Probleme, erst seit 36 Jahren ist ein brutaler Krieg entbrannt, da die Maschinenwesen anscheinend erneut der Programmierung einer Hass-Schaltung folgen.

 

Das alles erfährt Rhodan von Lotho Keraete, dem Boten der abwesenden Superintelligenz ES. Keraete gibt dem terranischen Residenten die Chance, helfend einzugreifen, allerdings sind seine technischen Möglichkeiten eingeschränkt, weshalb er nur eine kleine Einsatzgruppe nach Ambriador befördern kann. So bricht Rhodan in der Begleitung von Liga-Agentin Mondra Diamond, Teleporter Startac Schroeder sowie zwei Posbis und eines Matten-Willys auf, um den bedrohten Siedlern (die sich selbst Alteraner nennen) zur Seite zu stehen. Doch die wissen vorerst nicht so recht, was sie von den Neuankömmlingen halten sollen, da zwei der verhassten Feinde sie begleiten – handelt es sich etwa um die Vorboten einer Invasion? Der ehemalige Großadministrator ist bei den Nachkommen der Gestrandeten zwar eine glorifizierte und legendäre Heldengestalt, allerdings nimmt ihm bei seiner Ankunft niemand ab, dass er der ist, der er zu sein vorgibt: warum sollte denn auch plötzlich ein Retter vom Himmel fallen, wenn man ihn am dringendsten braucht? Rhodan muss also zunächst seine Identität und seine guten Absichten unter Beweis stellen, bevor er aktiv in die Auseinandersetzung eingreifen kann. Dabei steht er zwischen den Fronten der Gemäßigten und der Falken, wobei letztere vor keiner Grausamkeit zurückschrecken, um das Überleben ihres Volkes zu sichern. Auch muss er gegen den eigenen Mythos ankämpfen, da er – wie gesagt – bei den Alteranern nahezu göttergleichen Status genießt und man von ihm Übermenschliches erwartet. Doch selbst ein Perry Rhodan vermag eine übermächtige Bedrohung nicht mit einem Fingerschnipsen zu beseitigen (dafür benötigt er schon einige Fingerschnipser, über die in sechs Bänden berichtet wird).

 

 

KOMMENTAR

 

„Der Posbi-Krieg“ – dessen Handlungsgerüst von Robert Feldhoff stammt - ist mittlerweile der fünfte von Heyne publizierte Zyklus mit neuen Abenteuern aus dem Perry Rhodan-Universum. Nachdem die ursprüngliche Taschenbuchreihe mit Nummer 415 das Zeitliche gesegnet hatte, wurde durch die Zusammenarbeit zwischen Moewig und Heyne die Publikationsform Taschenbuch für die größte deutsche SF-Serie gerettet und auf anscheinend finanziell ertragreiche Beine gestellt. Die aktuellste Veröffentlichung wartet mit der gewohnten Aufmachung auf: es gibt ein atmosphärisches Cover mit Prägedruck, geziert mit dem üblichen Weltall/Raumschiffmotiv (obwohl es diesmal nicht wie sonst von Oliver Scholl, sondern von James Clyne stammt). Der Romantext hat einen Umfang von 360 Seiten; ein ergänzender Anhang von 20 Seiten beinhaltet dann noch einen Report über ein Roboter-Museum in Terrania. Für ein Taschenbuch ist der Preis von 6,95 € am unteren Ende der Skala angesiedelt.

 

Nun zum Inhaltlichen. Rhodan erledigt also wieder mal seinen beruflichen Auftrag als universeller/universaler Feuerwehrmann, wobei seine Aufgabe diesmal „lediglich“ darin besteht, 30 Milliarden Terraner-Abkömmlinge vor zerstörungswütigen Posbis zu retten und nicht gleich den Bestand des gesamten Universums zu sichern. Es ist eine vertraute Konstellation, mit der die Leser konfrontiert werden: die kleine Gruppe, die sich in der Ferne mit minimalen technischen Hilfsmitteln durchschlagen und gegen einen scheinbar unüberwindbaren Gegner bestehen muss. Dieses bekannte Szenario peppt Autor Michael Marcus Thurner dadurch auf, dass er flott (und gelegentlich flapsig) schreibt. Sein Perry Rhodan ist teilweise ungewohnt charakterisiert, da er gelegentlich erstaunlich genervt, ungeduldig und wenig diplomatisch auftritt. Zudem ist die Idee interessant, ihn mit der eigenen Vergangenheit in Form eines Staatsgebildes zu konfrontieren, das sich am Gefüge des Solaren Imperiums orientiert; denn die alteranische Gesellschaft ist militaristisch und auf Konfrontation ausgerichtet, mit starren Hierarchien und Führerglauben. Der „neue Rhodan“, wie er seit der humanistischen Voltz-Ära dargestellt wird, kommt damit nicht wirklich zurande, da er von viel zu vielen Skrupeln geplagt wird, als dass er rücksichtsloses Vorgehen gegen einen Feind gutheißen könnte.

Gelungen umgesetzt ist außerdem ebenso die Idee, die Entwicklung einer gestrandeten Siedlergesellschaft schlaglichtartig zu beleuchten. Wirkt die stakkatoartige Darstellungsweise anfänglich verwirrend, ergibt sich am Ende zwar kein vollständiges Gesamtbild, aber doch ein hinreichendes Verständnis für die Verhältnisse im „gestrandeten Imperium“.

 

Was ich persönlich nicht gebraucht hätte, ist der für humorige Einlagen zuständige Posbi mit seinem nervigen Gequassel. Bleibt zu hoffen, dass man ihm in den nachfolgenden Romanen (wie hier) nicht allzu viel Platz einräumt bzw. sein Nervfaktor heruntergefahren wird.

Verstörte den PR-Kenner im ersten Band von „Phan-Thau-Ra“ vor allem die extreme Überzeichnung der oxtornischen Gesellschaft, sind es diesmal nur einige Kleinigkeiten, die verwundern, wie z.B. die Information, dass Posbis zu tausenden auf den LFT-Schiffen Dienst tun - wenn dem so ist, warum wird das in der Heftserie nie erwähnt?

 

FAZIT

Michael Marcus Thurner liefert einen flotten Einstiegsroman in den neuen Zyklus ab, der genau die richtige Mischung aus Einführungsinformationen, offenen Rätseln und Action bietet. Die Messlatte für die nachfolgenden Bände ist damit hoch gelegt.

 

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Das gestrandete Imperium

Reihe: Perry Rhodan - Der Posbi-Krieg Bd.1

Autor: Michael M. Thurner

Broschiert: 380 Seiten

Verlag: Heyne; Auflage: 1 (November 2006)

ISBN: 3453532627

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Zur Serie:

Perry Rhodan


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Erstellt: 20.11.2006, zuletzt aktualisiert: 18.06.2021 18:00