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Das Gift des Zweifels von Thomas H. Cook

Rezension von Christel Scheja

 

Thomas H. Cook erhielt für seine Romane schon mehrere renommierte amerikanische Krimipreise gewonnen und zählt zu den beliebtesten Spannungsautoren des englischsprachigen Raums. So wird es wohl Zeit, das nach und nach seine Werke auch auf Deutsch erscheinen so wie nun „Das Gift des Zweifels“.

 

Eric Moore führt mit seiner Frau Meredith und seinem Sohn Keith ein beschauliches Leben in einer typisch gutbürgerlichen amerikanischen Vorstadt. Zwar hat er seine großen und hochtrabenden Berufspläne an den Nagel hängen müssen und führt nur das Fotogeschäft der Familie weiter, aber er hat sich mit dem Alltag arrangiert und scheint äußerlich zufrieden zu sein mit allem, auch wenn er manchmal den vertanen Chancen nachtrauert.

Doch vor manchem verschließt er auch seine Augen Keith ist nicht ganz so, wie man es von einem gesunden männlichen Teenager in seinem Alter erwartet. Er ist blass, ängstlich und zurückhaltend, ein Einzelgänger, wie er im Buche steht. Aber da er von angenehmen und höflichen Wesen ist, sehen viele Erwachsene dieses Verhalten eher als Tugend an.

Das ändert sich, als ein Mädchen verschwindet, auf das Keith erst in der Nacht aufgepasst hat. Auch wenn die Polizei keine konkreten Hinweise findet, dass der junge die Tat begangen hat, so schreckt doch ein anonymer Anruf Polizei und Nachbarschaft auf. Der Junge und seine Familie kommen ins Gerede: Ist Keith vielleicht einer dieser jugendlichen Kinderschänder?

Selbst Eric lässt sich von den Gerüchten mitreißen und sieht sein Kind nun mit anderen Augen. Könnte es nicht sein, dass sein Sohn wirklich schuldig ist?

 

Man kann schnell verstehen, warum Thomas H. Cook so große Erfolge hat. Er versteht es, den Leser mitzureißen und ihn wirklich das glauben zu lassen, was er will. Auch wenn man lange seine Zweifel an der Schuld des Jungen hat - die Beweise werden immer erdrückender und lassen einen selbst daran glauben. Und in dem Moment kommt eine überraschende Kehrtwendung, die alles wieder in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das ist sogar nicht das einzige Mal.

Eingebettet ist das alles in eine typisch-amerikanische Vorstadtidylle. Aber wie so oft beginnt die Fassade zu bröckeln. Durch den Ich-Erzähler erlebt man zudem noch eine sehr gefilterte Wahrnehmung der Ereignisse, was die ganze Sache noch spannender macht. Vor allem das Ende weiß zu überzeugen, auch wenn man es irgendwann voraus ahnt. Aber genau das macht es um so bitterer.

Die Figuren wirken wie aus dem Leben gegriffen, mit allen Schwächen, Fehlern und auch dunklen und selbstsüchtigen Seiten.

 

Das macht „Das Gift des Zweifels" zu einem beklemmenden, realistischen Thriller, der auch am Ende noch seine Spuren hinterlässt. Die Spannung kommt bei all dem nicht zu kurz, so dass man mehr als gut unterhalten wird.

 

Eure Meinung:


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Das Gift des Zweifels

Autor: Thomas H. Cook

Broschiert, 318 Seiten

Knaur, erschienen Dezember 2007

ISBN: 978-3-426-63291-8

Übersetzung aus dem Englischen von Reinhard Tiffert

Titelbild von Reggi Casagrande

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.02.2008, zuletzt aktualisiert: 20.08.2019 17:14