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Das Haus der vergessenen Kinder von Christopher Ransom

Rezension von Björn Backes

 

Story:

Eine unverhoffte Finanzspritze ermöglicht dem draufgängerischen Conrad Harrison einen unverhofften Coup. Für einen stattlichen Betrag erwirbt über einen Makler ein viktorianisches Anwesen in Wisconsin, in der Hoffnung, durch den Tapetenwechsel die kriselnde Beziehung zu seiner Lebensgefährtin Joanna zu retten. Doch schon der Start ins neue Leben ist voller Hürden: Jo muss aus beruflichen Verpflichtungen länger verreisen, so dass Conrad in der neuen Heimat mit seinen Hunden auf sich alleine gestellt ist. Und dann geschehen mit einem Mal die merkwürdigsten Dinge: Conrad erblickt seine Frau auf einem alten Bild in der Wohnung, die Nächte werden durch das Geheule eines nicht existenten Babys zum unaufhörlichen Psychoterror, eine verstümmelte Holzpuppe treibt Conrad in den Wahnsinn, und obendrein erfährt er von seiner Frau, dass diese eine Kind empfangen wird, obschon Harrison sich sicher ist, zum betreffenden Zeitpunkt nicht mit ihr geschlafen zu haben. Langsam aber sicher schwant ihm die grausame Wahrheit: Conrad hat sein Vermögen in ein verfluchtes Haus investiert – und nun muss er mit den bitteren Konsequenzen leben…

 

 

Rezension:

Wie heftig die Diskrepanzen zwischen einem viel versprechenden Klappentext, einer nicht weniger ansprechenden Grundidee und der tatsächlichen Umsetzung sein können, zeigt sich in Christopher Ransoms neuestem Roman „Das Haus der vergessenen Kinder“. Die Geschichte scheint zwar nicht sonderlich originell, aber dennoch mit einem gehörigen Potenzial ausgestattet, die Möglichkeiten die sich wiederum aus einem solchen inhaltlichen Background ergeben, scheinen unerschöpflich, und gerade was auch den zwischenmenschlichen Bereich anbelangt – im Psychothriller ja nicht zwingend jener Part, der intensiver beleuchtet wird – hält sich der Autor alle Optionen offen. Aber entgegen aller Hoffnungen versemmelt Ransom alle guten Ansätze mit seinem ziemlich langweiligen Stil und einer allzu vorhersehbaren Abwicklung der Ereignisse.

Dabei stellt sich schon zu Beginn die Frage, inwieweit der Autor überhaupt die finsteren Elemente seines Plots benötigt, um für die nötige Spannung zu sorgen. Ob „Das Haus der vergessenen Kinder“ tatsächlich Inhalte eines Horror-Romans erfordert, steht schon sehr früh zur Diskussion, da Ransom das Hauptaugenmerk der Story in den ersten Kapiteln ganz klar auf der gescheiterten Beziehung der beiden vermeintlichen Hauptakteure legt. Wäre also dies alleine nicht schon ausreichend genug gewesen, einen emotionalen Thriller zu konzipieren? Im Hinblick auf die Dramaturgie, in die Ransom das Verhältnis von Jo und Conrad packt, wäre hier jedenfalls schon einiges drin gewesen. Statt die vorhandenen Qualitäten jedoch zu nutzen, gleitet der Autor immer deutlicher in nutzlose Banalitäten und haltlose Klischees ab. Das sprichwörtliche Geisterhaus kennt man aus unzähligen Romanen, die darin befindlichen unnatürlichen Inkarnationen ebenso. Was also sollte „Das Haus der vergessenen Kinder“ als außergewöhnlichen Output im Horror/Thriller-Segment auszeichnen? Nun, auf diese Frage gibt es ebenfalls keine befriedigenden Antworten, zumal viele Fragmente der Story immer stärker in eine Alibiposition gedrängt werden, aus der es scheinbar kein Entkommen mehr gibt. Ransom stopft die Geschichte ferner zusehends mit neuen Elementen voll, wahrscheinlich in der vagen Hoffnung, dass die finsteren Gestalten und Ereignisse irgendwann auch für die Inszenierung einer ebenso schaurigen Atmosphäre bürgen. Doch genau hier sollte sich jeder qualitätsbewusste Leser quer stellen, da die wiedergekäuten Versatzstücke einfach ausgelutscht wirken und jeden Spielraum für Individualität killen. Spätestens bei der Forcierung des größeren Horror-Aufkommens gerät die Geschichte endgültig ins Abseits.

Fairerweise muss man Ransom aber zugestehen, dass die Sache am Ende doch noch irgendwie in Form gerät und sozusagen rund wird. Die einzelnen Sub-Plots wachsen kontinuierlich zusammen und finden im Finale zu einer übergeordneten Logik wieder, dessen Begeisterungsfähigkeit man sich weitaus häufiger gewünscht hätte. Letzten Endes ist es aber nur der Tropfen auf den heißen Stein, nicht aber die Rettung eines im weitesten Sinne gescheiterten Buchprojekts.

 

 

Fazit:

Im Hinblick auf die Inhaltsangabe durfte man von „Das Haus der vergessenen Kinder“ sicherlich eine Menge erwarten. Die Realität spiegelt aber leider das gegenteilige Bild wider: Schwacher Plot, schwache Charaktere, dürftiges Setting –oder mit anderen Worten: wenig originelle Massenware mit einer Vielzahl von Elementen, die von der Stange gerissen werden. Ergo: Kaum empfehlenswert!

 

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MEDIUM:

Das Haus der vergessenen Kinder

Autor: Christopher Ransom

Broschiert: 432 Seiten

Verlag: Ullstein Tb (1. Juni 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3548280420

ISBN-13: 978-3548280424

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.10.2009, zuletzt aktualisiert: 22.10.2019 14:35