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Das Herz der Nacht von Ulrike Schweikert

Rezension von Christel Scheja

 

Ulrike Schweikert kennen die meisten vermutlich als Autorin von historischen und Fantasy-Romanen. Mit der Reihe um ihren Vampir-Ermittler Peter Borgo, hat sie sich allerdings auch dem Mystery-Genre zugewandt. Und nun verbindet sie alles in „Das Herz der Nacht“, in dem die Vorgeschichte ihres unsterblichen Privatdetektivs erzählt wird.

 

Die Geschichte beginnt im winterlichen Wien um das Jahr 1840. Zu dieser Zeit ist die Welt noch in Ordnung, die napoleonische Ära liegt gut eine Generation zurück, und auch bürgerliche Revolutionen scheinen noch in weiter Ferne zu sein. Allein die Tatsache, dass der regierende Kaiser nicht sonderlich entscheidungsfreudig ist, macht einigen Politikern Sorge.

Trotzdem kann der Adel das Leben auf rauschenden Hofbällen und Empfängen genießen und sich die Zeit mit allerlei Unterhaltung vertreiben.

In diese Welt kommt ein junger Mann aus Siebenbürgen – der stattliche Graf András Petru Báthory – und verdreht so manch einer Frau den Kopf, unter anderem auch der Fürstin Kinski, die in ihrer Ehe nicht gerade glücklich ist, da ihr unberechenbarer Ehemann entweder dazu neigt, sie völlig zu ignorieren oder im Jähzorn über sie her zu fallen.

Der Graf erwidert ihre Gefühle, schätzt aber auch die Nähe von Karoline Walberg, von der er sich im Klavierspiel unterrichten lässt, und ihrer klugen Tochter Sophie, die ein wenig mehr als andere wahrzunehmen scheint. Das Kind erkennt schnell das Geheimnis des Gönners, schweigt sich aber aus. Auch sonst scheint er geistreiche Unterhaltungen körperlichen Freuden vorzuziehen und ist daher ein gern gesehener Gast bei der gebildeten Gräfin Traunstein.

Allerdings hat András Petru Báthory einiges vor der Welt zu verbergen. Er ist nämlich ein Vampir.

Und so bekommt er auch als einer der ersten mit, dass die Mordserie, die unvermittelt einsetzt und ganz Wien erschüttert nicht unbedingt von Menschenhand ausgeführt wird. Es trifft ihn besonders als die Gräfin Traunstein stirbt.

Es kommt allerdings noch schlimmer, denn jemand scheint den Verdacht ganz gezielt auf ihn zu lenken. Graf Báthory wird schon bald von der Polizei aufs Korn genommen und weiß, dass er schnell handeln muss, um den wahren Täter und/oder seine Drahtzieher zu finden, sonst ist er verloren.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und führt ihn schon bald auf eine gefährliche Spur, die in seine eigene Vergangenheit zurück reicht.

 

Man merkt, dass Ulrike Schweikert sich ihre Sporen im historischen Roman verdient hat, denn sie nimmt sich sehr viel Zeit das Leben der gehobenen Klasse in Wien, Mitte des 19. Jahrhunderts vorzustellen.

Viele Details und Alltäglichkeiten erwecken die Szenerie zum Leben und machen sie gut vorstellbar, auch das Denken und Fühlen der Menschen, die sich auf dem Weg in die Moderne befinden wird glaubwürdig dargestellt. So glaubt man zunächst ein historisches Sittengemälde vor sich zu haben.

Der Eindruck ändert sich allerdings schon bald, als sie deutlich macht, dass ihr Held kein normaler Mensch ist. Düster und actionreich bieten die Verfolgungsjagden durch das nächtliche Wien, die Konflikte mit der Polizei, die Morde und die Kämpfe einen angenehmen Gegensatz zu den gesellschaftlichen Querelen und Intrigen.

Allerdings sollte man sich auch bewusst sein, dass die Handlung dadurch ein wenig in die Länge gezogen wird. Die Geschichte entwickelt sich gemächlich, gerade im Mittelteil bleibt sie etwas behäbig und weist sogar Längen auf.

Dafür bringt die Autorin dem Leser die Figuren sehr nahe ohne dabei all zu sehr in Klischees zu verfallen. Angenehm ist auch, dass sie die Romanzen eher in den Hintergrund stellt und nicht die Erzählung dominieren lässt.

 

„Das Herz der Nacht“ ist eine lebendige Sittengeschichte des 19. Jahrhundert zur Zeit der habsburgischen K&K-Monarchie, in das eine spannende phantastische Vampirgeschichte verwoben ist. Vor allem Fans der „Peter von Borgo“-Romane werden ihre Freude an der Vorgeschichte dieses Helden haben.

 

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Das Herz der Nacht

Autorin: Ulrike Schweikert

gebunden, 479 Seiten

Lyx, erschienen Oktober 2009

Titelbildgestaltung von Hildendesign, Motiv von shutterstock

ISBN-10: 3802582233

ISBN-13: 978-3802582233

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.12.2009, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18