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Das Judasgift von Scott McBain

Rezension von Christine Schlicht

 

Kardinal Benelli hat sein Amt aufgegeben, nachdem er ein erstes Mal mit den verloren geglaubten Silberlingen des Judas in Berührung gekommen war. Nun verbringt er seine Zeit in einem Kloster vor den Toren Roms, abgeschieden von der Welt und hoffend, dass er dort seine Ruhe findet, doch das soll eine Hoffnung bleiben.

 

Alldieweil wird Dr. Emiliani, ein Kardiologe im Ärzteteam, das auch den Papst Höchstselbst betreut, in den Vatikan gerufen. Dort kann er nur noch feststellen, dass der Papst nach einem Herzanfall scheinbar aus heiterem Himmel im Koma liegt und bald schon sterben wird. Doch so einfach wie die Sache scheint, ist es nicht. Der heilige Vater brach in seiner Bibliothek zusammen, ohne jedes Vorzeichen und noch im Koma klammert er sich an sein Leben. Dazu kommt, dass Emiliani das Wort „Benelli“ aus dem Mund des Sterbenden gehört haben will.

 

Kardinal Hewson, der Nachfolger in den Ämtern Benellis, übernimmt sofort ein strenges Regiment, das sogar Vatikankennern seltsam erscheint und auch Emiliani schleichende Furcht einimpft. Der junge Mönch Gregorius gibt ihm Hinweise auf eine entsetzliche Intrige, nur unter schwierigsten Bedingungen kann er Emiliani eine Botschaft zukommen lassen, die diesen in Schrecken versetzt: Der Papst wurde offensichtlich vergiftet, mit einem Medikament, das nur die Mafia verwendet. Dazu bittet Gregorius Emiliani, Benelli zum Papst zu holen und gibt einen Hinweis auf die Silberlinge des Judas.

 

Emiliani sucht nach Benelli und findet ihn in dem Kloster vor. Der Hinweis auf die Silberlinge entsetzt den alten Mann und er bricht umgehend nach Rom auf, um den Papst zu besuchen. Emiliani kann Gergorius ein Medikament zustecken, das den Papst aus dem Koma holen wird, bevor er stirbt. Der Papst kann Benelli noch warnen, das ein weiterer Silberling in die Welt gekommen ist und sein böses Werk, die Vernichtung der Christenheit weiterführt und einen Namen zuflüstern: Lucerito.

 

Die Mafia ist derweil nicht untätig, besonders ihr Boss Rino Galfalcone. Ein größenwahnsinniger Mann, der sich gern in die Zeit des alten Roms versetzt und davon träumt, so mächtig wie Nero zu werden. Mädchenhandel ist einer seiner lukrativsten Geschäftszweige, die Damen aus Osteuropa werden natürlich von ihm getestet. Ihm missfällt die Einmischung Emilianis und vor allem Eines: Das Benelli wieder im Rennen ist...

 

 

 

Mystery ja, aber Thriller ist ein bisschen hoch gegriffen. Ein Thriller soll den Leser atemlos in den Sessel fesseln, aber „Das Judasgift“ ist langatmig und zäh, da kribbeln bestenfalls die eingeschlafenen Füße. Da helfen auch ein paar brutale Mafiamorde am Rande nicht weiter. Freunde christlicher Mystik werden aber reichlich bedient.

 

Die Protagonisten ergehen sich zur Seitenschinderei in endlosen Selbstgesprächen, imaginären Zeitreisen und metaphysischen Betrachtungen, die wenig mit der Handlung zu tun haben. Als Charakterisierung sind sie durchaus wichtig und brauchbar, aber sie wiederholen sich auch zu oft, um noch weiter in die Details zu gehen. Dadurch entstehen fast zwangsläufig kleiner Widersprüche wie zum Beispiel beim Alter der Personen (der Abt hat zehn Mönche im Alter um die 60 und dann ist einer davon dann doch gerade mal 29?).

 

Als Bremsklötze im Lesefluss betätigen sich auch die beständigen Wechsel in der Perspektive der Betrachter. Das geschieht meist unangekündigt, so dass der Leser erst mal überlegen muss, aus welcher Sicht denn nun geschrieben wird. Die Storyline wirkt dadurch eher wie eine Mitschrift aus einem Rollenspiel.

 

Das es im Vatikan Intrigen gibt und dass die Kardinäle und anderen Kirchenfürsten nicht gerade die tugendhaftesten Menschen dieser Welt sind – das weiß der Leser spätestens seit „Der Name der Rose“, egal ob als Film oder als Buch. Doch wenn McBain Kirchenkritik üben wollte, dann hat er das Ziel verfehlt. Er macht sich über die Kirche lustig und verballhornt sie nach Kräften, aber das ist weder amüsant, noch spannend.

 

Wer schon immer mal einen intensiven Blick hinter die Kulissen des Vatikans werfen wollte, der findet hier reichlich Stoff, wie gut der in die Realität passt, ist die andere Frage. Der Hintergrund der Silberlinge des Judas gibt auf jeden Fall Raum für Spekulationen aller Art. Der ewige Kampf des Guten gegen das Böse... auch wenn nicht ganz klar deutlich wird, auf welcher Seite welcher Verein steht.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

Mike
Donnerstag, 10. Januar 2008 22:56 Uhr
Nicht ganz neu, der Stoff. Aber zutreffend rezensiert. Allerdings fehlen in der deutschen Übersetzung einige Absätze, die mit den sexuellen Obsessionen der heiligen Herrschaften zu tun haben.
Tipp: Wer kann, liest das Original.

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Das Judasgift

Autor: Scott McBain

Broschiert: 688 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (1. November 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426637472

ISBN-13: 978-3426637470

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.12.2007, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57