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Das Nostradamus-Rätsel von Theresa Breslin

Rezension von Christel Scheja

 

Die schottische Autorin Theresa Breslin hat eigentlich als Bibliothekarin gearbeitet, ehe sie dazu kam, Jugendbücher zu schreiben. Ganz offensichtlich findet sie dabei Gefallen interessante historische Ereignisse aus der Sicht von Jugendlichen zu beschreiben, die ohne ihr Zutun in die Intrigen und Ränke der Adligen und Geistlichen mit hinein gezogen werden. Zudem scheint sie Gefallen an den Medici gefunden zu haben. Denn auch in ihrem neusten Roman spielt diese berühmte Renaissance-Familie zumindest indirekt eine besondere Rolle.

 

Katharina von Medici ist nach dem Tod ihres Mannes zur Regentin für ihren noch nicht volljährigen Sohn König Charles geworden und führt das Land durch ihn mit strenger Hand. Besonders misstrauisch beäugt sie die protestantischen Hugenotten, die ihr nicht nur aus religiöser Sicht missfallen. Geschürt wird dieses Denken auch noch durch einflussreiche Adlige, die in der Abneigung der Königin ihre Chance sehen, noch mehr Macht zu gewinnen als sie schon haben. Zu ihnen gehört der Comte de Ferignay, der sich auch in anderer Hinsicht die Vorrechte seines Standes nimmt. Noch weiß niemand, dass dies alles 1572 in einem blutigen Massaker eskalieren wird.

Nur einer ahnt es – ein von der Königin hoch geschätzter Seher. Melisande, die dreizehnjährige Tochter des königlichen Troubadours lernt den alten Mann bei einer Audienz kennen und fühlt sich von seinen Weissagungen seltsam angesprochen. Als sie kurze Zeit später ihre Familie durch eine hinterhältige Intrige des Comte de Ferignay verliert, sucht sie bei ihm Zuflucht und muss erfahren, dass er auch dies voraus geahnt hat.

Denn das junge Mädchen ist dazu ausersehen, in nur wenigen Jahren einen großen König auf ihre ganz besondere Weise zu retten. Noch kurz vor seinem Tod vertraut er ihr kostbare Weissagungen an.

Wieder ist das Mädchen danach auf der Flucht. Sie weiß, dass bis zur Erfüllung der geheimnisvollen Prophezeiung noch ein paar Jahre vergehen werden – doch wie soll sie diese überstehen? Da erweisen sich Menschen, die sie eigentlich für Feinde gehalten hat, als Freunde und Beschützer in der Not, andere aber, denen sie vertraut hat, sind eigentlich Verräter.

 

Eingebettet in eine für Frankreich ebenfalls nicht gerade friedliche Zeit, erzählt Theresa Breslin die spannende Geschichte um Intrigen, Rätsel sowie das Zusammenspiel von Glaube und Politik. Aus der Sicht eines jungen Mädchens zeigen sie auf, wie gefährlich die Ränke auch für Unschuldige sein können, und das gerade am ende der Renaissance Verrat und Gift die wichtigsten Waffen in den Ränken der hohen Herren und Damen sind. Zugleich erfahren die Leser auch noch etwas über das Leben der einfacheren Leute im 16. Jahrhundert und lernen historische Figuren als ganz normale Menschen kennen. Die vielen kleinen Details geben der Geschichte eine ganz eigentümliche aber auch durchaus glaubwürdige Atmosphäre, die man auch als erfahrenerer Leser abnimmt.

Dabei erweist sich die Hauptfigur nicht unbedingt als typisches Mädchen. Sie ist weitaus aktiver als es ihr möglich ist und verkleidet sich auch sehr lange als Junge. Auf die Probleme, die sie mit zunehmenden Alter haben dürfte, um ihr Geschlecht zu verbergen geht sie allerdings nur wenig ein, genau so, wie sie direkte Gewalt nur andeutet und nicht weiter ausführt. Sie konzentriert sich auf die Intrigen und Ränke, die zwischenmenschlichen Beziehungen und lockert das ganze immer wieder mit der ein oder anderen Action auf, damit auch ein wenig Fahrt in die Handlung kommt. Liebesbeziehungen spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle, was der Geschichte eine Menge Kitsch und Klischees erspart.

Am Ende führt die Autorin die Handlungsfäden jedenfalls gelungen zusammen und löst das Rätsel geschickt und stimmungsvoll auf.

 

Das macht „Das Nostradamus-Rätsel“ zu einem spannenden und unterhaltsamen historischen Roman für ältere Jugendliche aber auch Erwachsene, die Geschichte einmal nicht als schmalzigen Liebesroman präsentiert bekommen wollen.

 

Eure Meinung:


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Das Nostradamus-Rätsel

Autorin: Theresa Breslin

gebunden, 444 Seiten

cbj, erschienen Januar 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Petra Koop-Pawis

Titelbild von Hildendesign

ISBN-10: 3570136531

ISBN-13: 978-3570136539

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.02.2009, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53