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Leseprobe: Das schwarze Buch (Der vergessene Mond Band 2) von Bernd Tannenbaum


Mit zusammengekniffenen Augen sah Fürst Fa-Sal in die südliche Wüste. Die brennend heiße Sonne stand bereits tief am Horizont, in wenigen Minuten schon würde sie hinter den weiten Dünen des Westens verschwinden und dem Anbruch der Nacht Platz machen. Das unruhige Wiehern und Stampfen von Tausenden Pferden war das einzige Geräusch, das die Stille der Wüste durchbrach, selbst sein eigenes Schlachtross Kiman, ein schwarzer Gelding aus edelstem Geblüt, wippte unruhig mit dem Kopf hin und her.

 

»Als ob sie es spüren können.« Ein Blick zu den Seiten zeigte ihm die lange Reihe seiner Stammeskrieger, jeder Einzelne von ihnen ein schneller Reiter, ausgerüstet mit Speer, Scimitar, Schild und einem Reiterbogen. Sie alle würden im Krieg ihr Leben für den Stamm und ihren Fürsten geben, doch hier handelte es sich nicht um eine Stammesfehde. Sie waren nicht so weit in den Süden geritten, um sich mit einem anderen Stamm oder Fremdländern zu messen. Sie waren hier auf Geheiß des Orakels, um gegen die dunkle Garde zu kämpfen und so beruhigte Fa-Sal der Blick auf die drei Männer in roten Roben zu seiner Linken mehr wie der Blick auf seine Krieger.

 

Die Erzmagierin des roten Turms hatte ihm drei ihrer Magier geschickt, ein klares Zeichen für ihn, dass sie die Bedrohung ernst nahm. »Aber wie kann das sein, wie können Legenden zur Wirklichkeit werden?« Fa-Sal war noch ein Kind gewesen, als er zum ersten Mal Geschichten über die dunkle Garde gehört hatte. Riesenhafte Monster mit Rabenköpfen, die am Tag unter dem Sand schliefen und bei Nacht auf ihm rannten, mit dem einzigen Ziel alles Leben zu vernichten. In den überlieferten Legenden waren sie vom alten Kaiser besiegt und in die südlichste Wüste gejagt worden, doch wer sollte es nun tun, wenn sie wirklich zurückgekehrt waren?

 

Haschekk ritt an seine Seite und griff sein Pferd hart am Zügel, ungewohnt für den Anführer der Reiterelite. Anders wie die anderen Stammeskrieger trugen Haschekk und seine Reiter eine Rüstung und verzichteten zugunsten eines großen halbmondförmigen Schildes aus bestem Stahl auf den Reiterbogen. Er und seine Männer waren der Wüstenwind, die gefürchtetste Kavallerie in ganz Alterra.

 

»Sind wir am richtigen Ort, mein Fürst?« Die Frage des stolzen Reiterführers bedurfte keiner Antwort, sie wussten dass sie am richtigen Platz waren. Südlich von ihnen lag die Oase Gumurhei, einst Stammsitz der Fedak, des südlichsten Stammes in Alterra. Jetzt war die Oase zerstört, das Wasser vergiftet von den Tausenden Leichen, die in ihm schwammen und nur der Geruch des Todes zeugte von der einstigen Existenz des zurückgezogenen Stammes. Es gab keinen Zweifel, die dunkle Garde war hier, so wie es das Orakel vorausgesagt hatte.

 

Mit einem kurzen Blick zu Haschekk nickte Fa-Sal seinem Hauptmann zu. »Alle wissen Bescheid und sind vorbereitet. Wenn sie kommen, dann hier, und hier werden wir sie stellen.« Stumm sah er zu, wie die Sonne immer weiter in den Horizont eintauchte, dann wurde es Nacht. Beinahe schlagartig kam die Dunkelheit und der kalte Griff der Angst legte sich über Fa-Sal und seine Männer, die nun nur noch das Licht der Sterne und der drei Monde auf ihrer Seite hatten. Fa-Sal hätte es vorgezogen, bei vollem roten Mond zu kämpfen, wenn seine verbündeten Magier am stärksten waren, doch die Angaben des Orakels waren eindeutig gewesen. Die dunkle Garde würde ihrem eigenen Mond folgen, was auch immer das bedeuten mochte. Wichtig war nur, dass das Orakel ihnen den Zeitpunkt und den Ort genannt hatte, wenn sich die Monster wieder erheben würden. »Beinahe fünftausend Krieger und drei Magier, wird das reichen um gegen Legenden zu kämpfen?«

 

Haschekk sah sie als erster, seinem Handzeichen folgend erspähte auch Fa-Sal die Bewegungen im Sand, nur wenige Hundert Meter entfernt. Wie kleine Trichter begann der Sand sich an unzähligen Stellen kreisförmig zu drehen, dann brachen die Monster aus dem Boden. Beinahe drei Meter groß hätte man sie für riesenhafte Menschen halten können, würden sich nicht Rabenköpfe auf ihren Schultern befinden. Ohne zu zögern hob der Fürst seinen Speer in die Luft und gab das Signal zum Angriff.

 

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Erstellt: 27.12.2012, zuletzt aktualisiert: 19.02.2015 01:42