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Das Science Fiction Jahr 2008 von Sascha Mamczak u. Wolfgang Jeschke (Hrsg.)

Rezension von Carina Schöning

 

Mit etwas Verspätung erscheint auch dieses Jahr wieder „Das Science Fiction Jahr 2008“ aus dem Heyne Verlag. Das dicke Taschenbuch bietet auf knapp 1500 Seiten einen umfassenden Überblick über internationale und nationale Autoren und Bücher der Science Fiction Szene als auch interessante Essays und Interviews über aktuelle Themen und Entwicklungen. Während letztes Jahr das potenzielle Ende der Science Fiction das große Thema war, sind es nun Utopien und Dystopien in der Phantastik.

 

Nach einem kurzen Vorwort der beiden Herausgeber Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke geht es gleich los mit dem Schwerpunkt „Utopia mon amour“. In verschiedenen Essays und Artikeln werden die Unterschiede zwischen Utopie und Dystopie besprochen, Herkunft und Entwicklung in Literatur und Film und auch politische und philosophische Hintergründe und Aspekte. Dabei werden nicht nur die beliebten Werke wie „Utopia“, „1984“,„Fahrenheit 451“ oder auch „Schöne neue Welt“ besprochen, sondern auch eher unbekannten Romanen vorgestellt. Wer sich früher in der Schule beim Lesen einer der oben genannten Klassiker gelangweilt hat, wird ihn hier vielleicht wieder neu entdecken?

 

Weiter geht es im Abschnitt „Bücher und Autoren“ mit einem interessanten Essay zu dem amerikanischen Autor Robert A. Heinlein (1907-1988), der besonders durch seine militärisch geprägten Space Operas wie „Starship Troopers“ bekannt geworden ist. Die ausführliche Biografie ist mit interessanten Fotos und Abbildungen ausgestattet und gibt einen guten Überblick über den missverstanden Autor.

In weiteren Artikeln werden die Anfänge der Science Fiction Szene in Deutschland dargestellt, die Dummheit der Massen in Literatur und Film kritisiert und die schönsten Weltuntergänge in der Science Fiction besprochen. Auch das Tunguska-Ereignis in Sibirien hat viele Phantastik-Autoren zu den verschiedensten Werken inspiriert.

 

2007/2008 sind leider auch viele bekannte Autoren verstorben. In der Rubrik „Todesfälle“ gibt es kurze Biografien zu u.a. Arthur C. Clarke („2001 Odyssee im Weltall“, „Die letzte Generation“), Kurt Vonnegut („Schlachthof 5“, Mann ohne Land“), Robert Anton Wilson („Illuminatus“-Trilogie, „Schrödingers Katze“), Fred Saberhagen („Reich des Ostens“, „Geständnisse des Grafen Dracula“), Leigh Eddings (Ehefrau und Co-Autorin von David Eddings, „Polgara die Zauberin“, „Belgarath der Zauberer), Jürgen Grasmück (der unter seinem Pseudonym Dan Shocker Romanheft-Serien wie „Larry Brent“ und „Macrabos“ schrieb) als auch Robert Jordan („Das Rad der Zeit“).

 

Es folgt dann ein ausführliches Interview mit der amerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin, die erstmals Feminismus in die männlich dominierte Science Fiction brachte und vor allem durch ihre Dystopie „Planet der Habenichts“/“Die Enteigneten“ und ihren Fantasy-Zyklus „Erdsee“ berühmt geworden ist. Hier äußert sie sich über das politische System in Amerika und die Entwicklungen ihrer verschiedenen Romanen. Im nächsten Interview spricht der Engländer Charles Stross über die Hintergründe zu seinem bekannten Roman „Singularität“ und wie ihn seine Arbeit in der stressigen Computerbranche dazu inspiriert hat. Dann folgt ein Interview mit Andreas Brandhorst, der neben seinen Romanen (u.a. „Diamant“, „Der Zeitkrieg“) besonders auch als Übersetzer großen Bekanntheitswert erlangt hat.

 

Nun kommen auch endlich naturwissenschaftlich-interessierte und Physik-Fans zum Zug. In der Rubik „Science and Speculation“ wird ausführlich der kontroverse Klimawandel hinterfragt und die Wahrscheinlichkeit von Wurmlöchern diskutiert. Hinzu kommt ein interessanter Dialog zu dem Beginn des Maschinenzeitalters und 111 lesenwerte Neuerscheinungen im Bereich Wissenschaft und Philosophie werden kurz vorgestellt.

 

Weiter geht’s mit der beliebten Rubik „Film“. Gerade hier ist das Thema Utopie/ Dystopie so aktuell wie nie. Moderne Klassiker wie „Matrix“ greifen gerne auf „alte“ Ideen und Themen der Science Fiction zurück und verarbeiten sie mal schlecht, mal recht. Ein weiterer Schwerpunkt sind hier die immer beliebter werdenden Remakes alter Filme. Hollywood fällt nicht viel Neues ein und so werden einfach bekannte Filme mit jungen und angesagten Schauspielern neu gedreht. Viel Technik, mehr Gewalt und Blut oder auch eine hypermoderne Optik sind aber keine Garanten für den Erfolg an den Kinokassen. Zusätzlich zu dem Überblick über Tops und Flops 2007/08 gibt es kurze Essays zu den verstorbenen Filmemachern Michelangelo Antonioni (1912-2007), Freddie Francis (1917-2007) und Curtis Harrington (1926-2007).

 

Desweiteren gibt es Artikel zu der „Space Art“ der beiden „Perry Rhoden“-Illustratoren Gerd Otto und Johnny Bruck, Michael Moorcock und seine Mitarbeit in der Band „Hawkwind“ und die Malerin Gabriele L. Berndt und ihre „Space People“. Dazu kommen viele Rezensionen aus den Bereichen Hörspiel/Hörbuch, Comics, Computerspiele, Science Fiction Romane und Anthologien.

 

In der Rubrik „Comic“ gibt es dann ein aufschlussreiches Interview mit dem umstrittenen Titanic-Karikaturist und Maler Nic Schulz sowie zwei Artikel über Don Lawrence berühmt-berüchtigte Comic-Serie „Storm“ und Hansrudi Wäschers Raumfahrer „Nick“.

 

Zu guter Letzt und zur Freude aller bibliophilien Leser werden in der Rubrik „Markberichte“ nicht nur die Highlights und must-haves der einzelnen Phantastik-Verlage in Deutschland vorgestellt, sondern es gibt auch einen interessanten Überblick der deutschen, amerikanischen und britischen Phantastik-Szene. Nicht fehlen dürfen dann auch die vielen nationalen und internationalen Auszeichnungen und Awards der Autoren. Zusätzlich dazu gibt es noch eine gesonderte Übersicht aller aktuellen Erscheinungen des Heyne Verlags.

 

Insgesamt bietet „Das Science Fiction Jahr 2008“ auf knapp 1500 Seiten wieder einen tollen Überblick der aktuellen Phantastik-Szene. Der stolze Preis mutet anfangs zwar recht happig an, ist aber bei der Fülle an Informationen und der liebevollen Aufmachung mit diversen Fotos, Zeichnungen, Schaubildern etc. wirklich voll gerechtfertig. Etwas störend wird für einige Leser vielleicht die teilweise recht anspruchsvolle und komplizierte Sprache sein, ansonsten ist bei der Vielzahl der Themen wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

 

Fazit: uneingeschränkt empfehlenswert für jeden Science Fiction Leser, der sich näher mit dem Thema Utopie/ Dystopie befassen möchte oder auch einfach nur zum Schmökern oder Anregungen holen

 

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Das Science Fiction Jahr 2008

Herausgeber: Sascha Mamczak u. Wolfgang Jeschke

Originalausgabe 2008

Titelbild Stephane Martinière

Heyne Verlag

Taschenbuch, 1493 Seiten

ISBN 978-3-453-52436-1

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.08.2008, zuletzt aktualisiert: 19.02.2019 10:19