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Das silberne Pferd von Kate Thompson

Rezension von Tanja Thome

 

Im November 2008 wurde Kate Thompsons Jugendbuch „Das silberne Pferd“ als Taschenbuch in deutscher Sprache bei cbt veröffentlicht.

 

Den Mittelpunkt in Michaels Leben bilden Pferde, auch wenn sein Verhältnis zu ihnen mittlerweile ein eher ambivalentes ist. Er ist inmitten von Pferden aufgewachsen, immer umgeben von anstehenden Arbeiten auf dem Hof und erzogen von Eltern, die einerseits sehr lässig mit ihren Kindern umgehen, auf der anderen Seite jedoch auch viel von ihnen in Hinblick auf die Arbeiten auf dem Hof von ihnen verlangen und wenig Sinn für Zwischenmenschliches haben. Besonders zeigt sich diese Art, als Michaels Schwester durch ein Pferd zu Tode kommt und nach kurzer Zeit alles wieder seinen gewohnten Ablauf hat. Für Trauer hat die Familie schlichtweg keine rechte Zeit.

 

Das familiäre Umfeld wirkt sich auch auf Michaels Schulleistungen und seine Persönlichkeit insgesamt aus. Selten geht er überhaupt zur Schule, er hat keine Freunde, und eigentlich weiß nicht einmal Michael selbst, was er besonders gut kann oder ob er irgendwelche Vorzüge und Persönlichkeit besitzt. Er hat auch noch nie darüber nachgedacht – bis er Annie kennen lernt.

Annie ist ebenfalls eigenbrötlerisch und lebt in unklaren familiären Verhältnissen. Ihre Mutter ist an den Rollstuhl gebunden, ihr Vater sitzt im Gefängnis. Annie selbst ist verschlossen. Nur durch den Kontakt zu Pferden blüht sie derart auf, dass ein Freund von Annies Mutter Michael bald bittet, Annie Reitstunden zu geben.

 

Michael und Annie freunden sich an und werden sich mit der Zeit immer sympathischer. Sie ergänzen sich, sind sich ähnlich und zugleich sehr verschieden.

 

Eines Tages wird jedoch Annies Vater aus dem Gefängnis entlassen und Annie ist wild entschlossen, abzuhauen. Michael muss sich entscheiden, ob er mit ihr ins Ungewisse flieht oder in seinem Alltag verharrt und Annie damit aufgibt.

 

Im Fokus der Geschichte stehen die füreinander aufkeimenden Gefühle von Michael und Annie. Diese Entwicklung ist im Roman sehr schön zu verfolgen, zumal die Autorin all die weiteren Aspekte, die einen Jugendlichen sehr beschäftigen, erschwerend mit in diesen Teil der Geschichte eingebunden hat. Die Frage, wohin man gehört und wohin man gehen will, beschäftigt jeden Jugendlichen, und bei Annie und vor allem Michael ist diese Frage durch die äußeren Umstände noch einmal verdichtet und auf die Spitze getrieben.

 

Diese Emotionen sind jedoch das stärkste Element, das sich im Roman überhaupt finden lässt. An Motiven mangelt es ein wenig, auch an der Glaubhaftigkeit des Ganzen. Vieles erscheint beim Leben etwas weit hergeholt und unwahrscheinlich, manches ist eindeutig zu dick aufgetragen.

 

Kate Thompson hatte schon mit „Zwischen den Zeiten“ gezeigt, dass sie sich besonders gut darauf versteht, Mystisches in Geschichten einzuweben und ihren Geschichten dadurch ein ganz besonderes Flair zu verleihen. Dieses Talent versuchte sie auch in „Das silberne Pferd“ einzubringen, indem Michael immer wieder ein altes Lied in den Sinn kommt, das einen direkten Bezug zu ihm selbst und Annie zu haben scheint. Letztlich bleibt es jedoch bei mysteriösen Andeutungen, die weder aufgelöst werden noch einen tieferen Sinn im Verlauf der Geschichte bekommen. Sie sind damit überflüssig, so wie beispielsweise auch Annies Familiengeschichte, bei der am Ende noch immer offen ist, welche Geheimnisse und Erfahrungen Annie in sich birgt.

 

Dieser Roman hätte sicherlich Potenzial zu einem tollen Schmöker, doch dazu wurde leider zu wenig zu Ende gedacht und geführt. Zu viel Ballast schleppt die an sich schon eher kurze Geschichte mit sich herum, manches wird angefangen und geht unterwegs verloren, während an anderen Stellen völlig sinnlos aufgebauscht wurde. Selbst das Titel gebende silberne Pferd hat im Grunde keine besonders hervorzuhebende Funktion in der Geschichte und ist, wie so vieles andere auch, austauschbar – wobei allerdings anzumerken ist, dass der Originaltitel, „Annan Water“ immerhin passender gewesen wäre. Aus diesem Grund leider keine Leseempfehlung für diesen Roman von Kate Thompson.

 

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Das silberne Pferd

Autor: Kate Thompson

Originaltitel: Annan Water

Übersetzung: Kattrin Stier

Broschiert: 215 Seiten

Verlag: Cbt (3. November 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3570304477

ISBN-13: 978-3570304471

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.03.2009, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53