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Das Voynich-Rätsel von Florian F. Marzin

Rezension von Christel Scheja

 

Noch nie zuvor sind unserer Vergangenheit so viele Rätsel angedichtet worden, wie in den letzten zehn Jahren. Archäologie-Mystery-Triller bringen immer mehr Verschwörungen und Geheimnisse früherer Kulturen ans Licht, dabei beschränkt man sich mittlerweile nicht mehr nur auf die katholische Kirche oder die Ägypter, sondern nimmt sich auch anderer Zeitepochen und Völker an.

 

Im Jahr 1965 halten sich fünf Archäologen im Auftrag der Universität Freiburg in der Wüste Lut im Iran auf. Sie folgen den Spuren eines Generals aus dem Stab von Alexander dem Großen. Ein bisher noch unbekanntes Ereignis hat dafür gesorgt, dass der erfolglose Krateros in den engeren Kreis des erfolgreichen Eroberers gelangte, obwohl er bei der Mission fast sein gesamtes Heer verlor.

Was hat er gefunden, das ihn im Rang aufsteigen ließ? Hängt es vielleicht mit einer rätselhaften Tempelanlage zusammen, die die Archäologen in der Wüste entdeckt haben?

 

Dr. Michael Gruhn ist davon überzeugt, dem Geheimnis auf der Spur zu sein, die meisten seiner Kollegen aber nicht. Vor allem der Grabungsleiter Professor Weigert tut seine Vermutungen und Thesen als Schwachsinn ab und ermahnt ihn, sich mehr auf die Fakten zu konzentrieren.

Nur die junge Sandra Neubert folgt seinen Ausführungen interessiert und begleitet ihn schließlich zu einem Teil der Tempelanlage, der mehr als rätselhaft ist. Dort finden sich in einem unzerstörten Raum Inschriften und Bilder an den Wänden, die sich keiner bekannten Kultur zuordnen lassen. Während die junge Frau zurück bleibt, dringt Gruhn tiefer in die Anlage ein und macht eine folgenschwere Entdeckung.

 

Doch er dem Geheimnis weiter auf den Grund gehen kann, wird die Grabung von einem grausamen Ritualmord am iranischen Führer erschüttert. Noch ehe die Archäologen sich entscheiden könne, was nun zu tun ist, erschießt der iranische Polizeischef Michael Gruhn und sorgt dafür, dass der Rest der Deutschen ausgewiesen wird.

Der Weigert legt den Misserfolg zu den Akten, nur für Sandra Neubert hat die kurze Affäre mit Dr. Gruhn noch ein böses Nachspiel, dass sie aus Furcht vor Nachteilen und Schande in die Vereinigten Staaten treibt.

 

Jahre später holt sie jedoch die Vergangenheit ein. An der Yale-Universität macht man sie auf die Aufzeichnungen des Gelehrten Voynitch aufmerksam, der zur Zeit Keplers und Rabbi Löws ebenfalls am Hofe des Habsburger Kaisers Rudolf in Prag aufhielt. Auf einem alten Manuskript finden sich ähnliche Zeichen und Bilder wie in der alten Tempelanlage. Viele Jahre versucht Sandra die Zeichen zu entschlüsseln, dann gibt sie es erst einmal auf, das Rätsel zu lösen, denn es scheint keine Antwort zu geben.

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In den 90ger Jahren aber treten zwei junge Menschen in ihr Leben: Peter, der inzwischen erwachsene Sohn Dr. Gruhns und ihre eigene Tochter Gabi, die sie vor vielen Jahren zur Adoption frei gab.

Beide haben alarmierende Neuigkeiten. Jemand ist daran interessiert, die bisherigen Erkenntnisse und die Personen, die sie kennen zu vernichten - vermutlich genau die gleichen geheimnisvollen Attentäter, die die Morde im Irak begangen...

 

Ganz so vielversprechend wie der Klappentext ist die Handlung des Roman dann doch nicht. Florian Marzin beschäftigt sich weniger mit den Geschehnissen der Vergangenheit als mit dem Lebenswegen seiner Helden.

In verschiedenen Zeitebenen erzählt er von demSchicksal von Sandra Neubert, die immer wieder in Berührung mit dem in der Wüste Lut gefundenen Geheimnis kommt, während sie selber nach dem Debakel im Iran und ihrer ungewollten Schwangerschaft in der Gesellschaft Fuß zu fassen und ihre Karriere fort zu führen sucht.

Weitere Kapitel gehören der normalen gutbürgerlichen Existenz von Peter Gruhn und der Frau seines besten Freundes, Gabi, in die immer mehr das Grauen einbricht, so dass beiden gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als den Spuren nachzugehen.

 

Der Autor enthüllt eigentlich nur sehr wenig von dem, was in den Tempelruinen lauert, erst zum Ende hin werden die Zusammenhänge etwas deutlicher. Vage Andeutungen und ein paar mysteriöse Geschehnisse genügen nicht um den Leser wirklich bei der Stange zu halten und dem Geheimnis der Ruinen eine Kontur zu geben, eben so wenig wie die paar ungeschickten Sex-Szenen.

Die wenigen wirklich wichtigen Hinweise sind unter einer dicken Schicht von Nebensächlichkeiten begraben - die Handlung gerät durch die kompliziert mit einander verwobenen Zeitebenen immer wieder ins Stocken, auch am Ende löst sich das Problem ohne sonderliche Überraschungen und mit einem unbefriedigenden Paukenschlag.

 

Sicher ist es schwierig bei der Schwemme an Mystery-Thrillern heute noch eine neue Variante zu bieten, Florian Marzin hätte sich aber mehr auf das Thema an sich konzentrieren sollen - zudem reagieren seine Figuren überwiegend auf das was ihnen geschieht, sie werden selber nicht von sich aus aktiv. Das führt zeitweise zu gepflegter Langeweile und Enttäuschung über die verschenkten Möglichkeiten und Ideen. Zumal auch Voynich, der Titelgeber des Romans nur an einer Stelle erwähnt wird und ansonsten keine Rolle spielt.

 

Es genügt nicht nur, Andeutungen zu machen, ein paar Gruseleffekte einzufügen oder hin und wieder etwas brutal zu werden - als Leser erwartet man doch ein wenig mehr Enthüllung und Erklärung der Hintergründe - wenn auch am Ende nicht alles verraten werden muss. So verliert "Das Voynich-Rätsel" durch seine Schwächen viel von seinem Reiz, wirkt blass und unausgereift. Schade eigentlich.

 

Hinweis:

Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH,

www.fanpro.com und www.f-shop.de

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Buch:

Das Voynich-Rätsel

Autor: Florian F. Marzin

Fantasy Productions, Erkrath

Originalausgabe 2005

Paperback Art.Nr.: 61002

ISBN: 3-8906-4541-0

Titelbild von: Times Books

Seiten: 528

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 03.12.2005, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57