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Das Zeichen des Widders von Fred Vargas

Rezension von Christine Schlicht

 

In einem Sommer in Paris planen die Jugendlichen Vincent und Gregoire, einem alten Mann die Tasche zu rauben. Die beiden halbwüchsigen Kleinkriminellen beobachten den Mann und folgen ihm zu einer Wohnung. Sie können die Tasche an sich reißen und entkommen. Doch statt die Polizei zu informieren, verfolgt der alte Mann dank des Nummernschildes von Vincents Motorrad die Diebe auf eigene Faust.

 

Während Gregoire wie immer auf Inlinern zu seiner Familie zurückkehrt, untersucht Vincent die überraschende Beute: In der Tasche befinden sich neben okkulten Büchern auch Haarsträhnen, verschiedene Ausweise, Menschenzähne und ganz nebenbei auch ein Haufen Geld. Er informiert Gregoire, doch als dieser seinen Anteil abholen will, findet er Vincent ermordet auf. Er kennt das Versteck für die Beute, holt die Tasche und flieht, nachdem er die Polizei anonym auf den Mord hinweist.

 

Unter den Ermittlern ist auch der Kriminalist Adamsberg, der als Träumer gilt, doch er findet einen Hinweis, den alle anderen als Unwichtig übersehen: Der Mörder hat Vincent ein Zeichen auf den Oberschenkel geschnitten, das vage an das Symbol eines Widders erinnert, das ein Serienmörder einst seinen Opfern aufgemalt hatte. Die anderen Ermittler sind sich jedoch sicher, dass der Kriminelle einem Streit unter seinesgleichen zum Opfer fiel. Adamsberg erwischt unter den Schaulustigen Gregoire und verhört ihn, doch der Junge hält dicht. Er ist sich der Gefahr nicht bewusst, in der er schwebt, vertraut sich aber seinen Brüdern an, besonders dem Banker Guillaume, dem einzig seriösen Vertreter seiner Patchwork-Familie. Der Vater der Brüder baut derweil an einem Kunstwerk auch Blechdosen und Kronenkorken, für das ihm seine verträumte Familie das Material sammelt.

 

Der Alte hat derweil auch Gregoire gefunden und setzt das Mädchen auf ihn an, das ihn „Großvater“ nennt, obwohl er es nicht ist. Sie soll Gregoire von seiner fest zusammenhaltenden Familie weglocken. Sie verhilft ihm aber zur Flucht, als Gregoire sie überzeugen kann, dass ihr „Großvater“ ihn töten wird, sobald er die Tasche wieder hat. Mit dem Geld flüchtet er auf Inlinern und per Anhalter nach Orange, dem Ort, von dem ihm das Mädchen Estelle so begeistert erzählt hat. Estelle hilft jedoch auch Angst ihrem „Großvater“, um ihre „Fluchthilfe“ wieder gut zu machen. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit für Adamsberg mit den Brüdern Gregoires gegen den „Widder“...

 

 

Tja, was ist das nun eigentlich? Ein Comic? Dafür hat es zuviel Text. Ein illustrierter Roman? Dafür sind dann wieder zu viele Bilder darin und der Sprechblasen-Font passt dann auch nicht. Am besten ist das Buch noch als „Grafic Novel“ definiert, das wird diesem Werk noch am meisten gerecht.

 

Ein ungewöhnliches Buch. Eine fesselnde Kriminalgeschichte von der französischen Kriminalautorin (! Man darf sich von dem männlichen Vornamen „Fred“ nicht täuschen lassen) Fred Vargas, welche die Zustände und das Lebensgefühl der Jugendlichen in den Banlieus der französischen Städte mit aller Härte aber auch viel Verständnis zum Leser bringt.

 

Diese Wirkung wird durch die Panels von Baudoin verstärkt, die zwar insgesamt skizzenhaft erscheinen, unausgearbeitet, düster und teilweise sehr schwarz, aber dadurch auch die Situationen sehr eindringlich werden lässt. Das er lange für den Manga-Giganten Kodansha gearbeitet hat, findet keinen Widerhall im Stil der Bilder. Es ist ein eigener Stil, unverwechselbar.

 

Die Charaktere sind lebhaft dargestellt mit allen Stärken und Schwächen, man versteht ihre Handlungsmotive und kann sich in jeden hineinfühlen und mit ihnen mitfiebern. Trotz seiner gelegentlichen kriminellen Anwandlungen ist Gregoire ein liebenswerter Charakter und seine zum Teil ziemlich ausgeflippte Familie noch viel mehr.

 

Ein ungewöhnliches Buch. Aber eine Art Buch, an die man sich gewöhnen könnte und von der es hoffentlich noch einig mehr in Zukunft geben wird.

 

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Das Zeichen des Widders

Autor: Fred Vargas

Zeichnungen: Baudoin

Gebundene Ausgabe: 222 Seiten

Verlag: Aufbau-Verlag; Auflage: 1 (September 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3351032501

ISBN-13: 978-3351032500

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.10.2008, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57