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Dawn Song von Michael Marano

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1964 geborene Autor Michael Marano wurde in Buffalo, New York, geboren, lebt aber heute in Charleston, South Carolina. Er ist ein Experte in Sachen Kabbala, Alchemie und mittelalterlicher Geschichte. Sein Debüt-Roman „Dawn Song“ gewann auf Anhieb die beiden wichtigsten Preise des Horror Genres in den USA wie z. B. den Bram Stoker Award. Nun ist es endlich auch auf Deutsch erschienen.

 

Boston im strengen Winter des Jahres 1990: Etwas scheint anders zu sein in der Stadt, die Atmosphäre noch frostiger und unheimlicher, aber die wenigsten nehmen sie wirklich wahr. Auch Lawrence, der in einem kleinen, heruntergekommenen Antiquariat arbeitet, hat ganz andere Dinge im Kopf. Er leidet noch immer unter der Trennung von seinem Partner Jacob, die nicht gerade sehr schön verlaufen ist und fragt sich, ob er jemals wieder lieben können wird. Der einzige Lichtblick in seinem Leben ist seine muntere Kollegin Vicky, die sich durch nichts unterkriegen lässt.

So bekommt er auch nur am Rande mit, das jemand in die Wohnung über ihm eingezogen ist . eine seltsame junge Frau, die kaum anwesend zu sein scheint.

Weder er noch andere Männer und Frauen, die sich auf ihre Weise durch den frostigen Winter zu bringen versuchen, ahnen, dass ein unheimlicher Kampf auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Denn zwei Mächte der Hölle kämpfen in der Stadt um die Oberhand. Da ist einmal Belial, der mit der Succuba Jeannette eine engelhafte Sendbotin auf die Erde geschickt hat, die zwar Menschen tötet, aber auch auf der Suche nach der Liebe ist, und zum anderen Leviathan, der Besitz von einem Psychopathen ergreift, der für die Verworfenheit der Menschen steht.

Beide hinterlassen eine Spur aus Leichen. Während die nebelhafte Frau manchen wie dem Obdachlosen Dutch wie ein Engel erscheint, der seine Schmerzen lindert und ihn zeitweise heilt, und die meisten Männer doch eher durch die Liebe zum Tode bringt, ermordet der Mann seine Opfer auf bestialische Weise und lebt damit den Drang aus, alles seinem Bild von Konventionen, Recht und Ordnung anzupassen, in das keine Farbigen, Hippies und Huren gehören. Beide bewegen sich jedoch in den Schatten, die die Abgründe und Verworfenheit der Menschen verbergen.

Und zwischen beiden steht am Ende der noch immer unschuldige Lawrence...

 

„Dawn Song“ ist kein typischer Horror-Roman. Zwar gibt es auch in ihm düstere Rituale und grausame Morde, dazwischen gibt es aber auch Szenen von poetischer Schönheit, Bilder, die das genaue Gegenteil sind. Wenn man ihn einer Sparte der Phantastik zuordnen sollte – dann ist es wohl dem Goth in seiner reinsten Form. Nicht das, was heute viele Teenager leben, sondern das morbid-melancholische Lebensgefühl, dem sich Jugendliche in den 1980ern hingegeben haben.

Der Roman ist zweifellos sehr düster und taucht in die Abgründe menschlichen Daseins ein, aber er verleugnet auch die kleinen Momente der Schönheit und des Glücks nicht, auch wenn diese eher selten sind.

Der Autor spielt mit den Metaphern des Goth, der Schönheit und Anmut in der Verkommenheit, der schwülstig, theatralischen Dunkelheit, die als Gegenpol zur konservativen Ordnung steht. Auch die Charaktere, so menschlich sie geschildert werden mögen – wie zum Beispiel Lawrence und die Opfer der Succuba sind doch nur Schachfiguren im geheimnisvollen Spiel der Mächte.

Alles in allem verläuft die Handlung des Romans sehr episodenhaft und meistens ruhig, nur hin und wieder gibt es Ausbrüche von Gewalt und Grausamkeit. Beides aber fügt sich ohne zum Selbstzweck zu verkommen in das Gesamtbild ein.

 

Alles in allem bietet Michael Marano mit „Dawn Song“ einen etwas anderen Horror-Roman. Er steht in der Tradition der klassischen Phantasten, die auch sehr viel mit Bildern und Metaphern arbeiten, benutzt aber eine sehr moderne Darstellungs- und Erzählweise, die vor allem jenen gefallen dürften, die mit dem „Goth“ vertraut sind.

 

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Buch:

Dawn Song

Autor: Michael Marano

broschiert, 572 Seiten

Suhrkamp, Berlin erschienen Januar 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Eva Bauche Eppers

Titelbild von Christopher Tauber

ISBN-10: 3518461397

ISBN-13: 978-3518461396

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.06.2010, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18