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Deadline von Simon Kernick

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Nach einem harten Arbeitstag ereilt Andrea Devern ein heftiger Schock: Weder ihr Ehegatte, noch ihre Tochter sind im gemeinsamen Haus anzutreffen, obschon ihr Zahnarztbesuch schon vor etlichen Stunden terminiert war. Nur wenige Minuten später erhält Andrea Gewissheit: Die Tochter der Konzernbesitzerin wurde entführt, und sollte Devern nicht binnen 48 Stunden ein Lösegeld von 500.000 Pfund auftreiben, wird ihr Mädchen brutal hingerichtet. Verzweifelt wendet sich Andrea an ihren einstigen Liebhaber Jimmy Galante, der sich auf einen Deal einlässt und versucht, die Lösegeldübergabe zu manipulieren. Aber der Plan scheitert und Galante wird noch vor der nächsten Nachricht von Andrea an einem Fleischerhaken baumelnd aufgefunden.

In einem Akt der Verzweiflung vertraut sich die junge Mutter der Polizei an und trifft dort auf einen weiteren ehemaligen Liebhaber: Mike Bolt leitet die Ermittlungen und erfährt alsbald, dass Emma nicht nur Andreas, sondern auch seine Tochter sein soll. Beeindruckt und verwirrt von diesen Erkenntnissen kämpft der Chef einer Polizei-Sondereinheit um das Leben seiner vermeintlichen Nachkommin und stürzt sich zum wiederholten Male in ein einziges Chaos, dem er mitsamt seinem Hitzkopf nicht mehr gewachsen scheint. Bolt droht zu versagen, obschon er die einzelnen Puzzlestücke längst zusammengelegt hat…

 

 

Rezension:

Mit „Deadline“ lässt Simon Kernick seinem recht positiven Thriller-Debüt „Gnadenlos“ eine nicht weniger intensive und beeindruckende Story folgen, die inhaltlich und konzeptionell durchaus auch Beachtung in den Bestsellerlisten finden sollte. Die Geschichte ist ordentlich, die Charaktere sehr gut in den Plot integriert, die Hintergründe nachvollziehbar und logisch – und die Entwicklungen innerhalb der Romans… ach ja, da war ja noch etwas. Doch beginnen wir von vorne:

Kernick lässt seinem Publikum von der ersten Seite an kaum Ruhe und stürzt seine Protagonisten ohne lange Vorbereitungszeit direkt ins Drama. Die Tochter der Kämpfernatur Andrea Devern, einer Frau, die sich langsam aber sicher aus dem Sumpf des Mittelstands in die renommierteren Ebenen hochgearbeitet hat, ist spurlos verschwunden und wird kurze Zeit später von einem unbekannten Anrufer als entführt gemeldet. Das Lösegeld soll schon in 48 Stunden überreicht werden, was für Andrea insofern unproblematisch ist, da sie als reiche Geschäftsfrau noch über gewisse Reserven verfügt. Blitzschnell geht die Sache über die Bühne, doch der Deal platzt, da sich Devern nicht an die Spielregeln gehalten hat – und schon beginnt die Sache wirklich spannend zu werden.

Richtig in Fahrt kommt die Handlung aber dennoch erst in der zweiten Hälfte, was besonders damit zusammenhängt, dass sich Kernick sehr viel Zeit lässt, die eigenartigen Beziehungsgeflechte um Mike Bolt, seine Kollegen und die Mutter des Opfers zu stricken, dabei aber leider viel zu viel dem Zufall überlässt. Viele vermeintlich überraschende Wendungen sind eher erzwungen als spontan und zielstrebig ausgearbeitet, und da selbst die hier und dort eingestreuten Lügen der weiblichen Hauptdarstellerin von Anfang an durchschaubar sind, ist es mit der Unberechenbarkeit von „Deadline“ auch nicht mehr weit her.

Ferner sind die Emotionen auch nicht sonderlich spektakulär dargestellt. Eine hier und dort mal weinende Mutter mag zwar gewissermaßen authentisch sein, doch dass Andrea Devern in ihrer extremen Situation trotzdem ständig einen klaren Kopf bewahrt und sich fast schon souverän in ihrer Opferrolle gibt, wirkt alles in allem überhaupt nicht glaubhaft. Glaubwürdigkeit ist ergo auch eines der größten Probleme in der gesamten Story, einerseits was die Motive nahezu aller Handelnden betrifft, andererseits aber auch in den besagten Story-Twists, die sich zu gegebenem Zeitpunkt etwas künstlich erheben. Dass viele wichtige Details dazu noch unter den Tisch gekehrt werden, um später als große Überraschung wieder in die Story zurückzukehren, ist da schon fast das geringere Übel, wobei die Kritik hier wirklich nicht so verschärft angebracht ist, denn Kernick macht das Ganze am Ende dennoch rund – und schafft es irgendwie doch noch, eine überzeugende Thriller-Handlung zu stricken, zur Überraschung aller!

Denn, und das darf man bei allen Fehlleistungen des Autors auch nicht übersehen: Die Ideen, die Kernick einbringt, sind topp, die Fortschritte in der Geschichte prima, und mache Szene jagt einem wirklich einen kalten Schauer über den Rücken, so zum Beispiel als bei einer Verfolgungsjagd der Vater eines jungen Fans einfach so erstochen wird, dies aber nur als Randnotiz angefügt wird. Die stille Dramaturgie beherrscht Kernick perfekt, und das nutzt er auch für die Konzeption seines zweiten Romans, der immer noch einen guten Unterhaltungswert aufbietet, wenngleich er nicht ganz so bewegend konzipiert ist wie der direkte Vorgänger. Doch grundsätzlich gilt: Wer „Gnadenlos“ und den Stil des Autors in diesem Debüt mochte, wird auch mit „Deadline“ gut bedient.

 

 

Fazit:

Simon Kernick rechtfertigt seine Ambitionen als neuer Stern am literarischen Thriller-Himmel mit „Deadline“ zwar nur bedingt, kann den guten Ruf, den er mit seinem ersten Roman ergattert hat, aber auch in seinem zweiten Buch weitestgehend verteidigen. „Deadline“ ist spannend, knallhart und eiskalt!

 

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Deadline

Autor: Simon Kernick

Broschiert: 420 Seiten

Verlag: Heyne Verlag (1. Mai 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453433831

ISBN-13: 978-3453433830

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.05.2009, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27