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Denn das Blut ist Leben von Frank Festa (Hrsg.)

Rezension von Christel Scheja

 

Viel ist in den letzten Jahren über Vampire gesagt und geschrieben worden und das Bild des Blutsaugers hat sich durch die unterschiedlichsten Einflüsse in der Unterhaltungsliteratur stark gewandelt. Wir haben nicht länger die mordgierige Bestie von uns, die Menschen nur als Nahrung ansieht, sondern das fühlende und denkende Wesen, dass zwar unsterblich ist, und sich ernähren muss, aber unter Umständen unter seinem Zustand leidet und nicht mehr als die große, unsterbliche und vor allem leidenschaftliche Liebe sucht.

Viele Genrefans wenden sich mit Grauen von diesem stark verwässerten und romantisierten Bild das eigentlich eher aus dem Liebesroman-Genre stammt, ab. Sie müssen schon verzweifelt suchen, um Geschichten zu finden, die dem Namen Horror noch eher gerecht werden.

 

Anthologien wie „Denn das Blut ist Leben“ erinnern daran, dass der Vampir einst mehr war als nur ein besonders guter Liebhaber im Bett. Frank Festa präsentiert in der Sammlung zweiundzwanzig Geschichten, unter denen sich Klassiker wie Bram Stokers „Draculas Gast“, in denen Jonathan Harker erstmals in Berührung mit den Untoten kommt oder Edgar Allan Poes „Ligeia“, befinden, aber auch recht moderne Geschichten wie Simon Clarks „Hotel Midnight“, in dem ein tausend Jahre altes Vampirmädchen die moderne Technik entdeckt hat und auf einer Website, die solche Geschichten sammelt, einfach einmal ein wenig aus ihrem Leben plaudert

Nicht alle Vampire trinken Blut. Einige rauben auch nur die Lebenskraft und –freude der Menschen, die sich in ihrer Nähe aufhalten wie das unheimliche Wesen, dass bei H. P. Lovecraft „Das gemiedene Haus“ als Versteck nutzt und schon vielen Bewohnern den Tod gebracht hat.

Aber nicht in allen Erzählungen sind die Vampire die überlegenen Sieger. Graham Masterton macht deutlich, dass „Verkehrstote“ nicht unbedingt auf der Straße liegen müssen, sondern auch darunter ruhen können – nur weil ein überheblicher Vampir die Post vom Staat nicht gelesen hat. So muss er mit den Konsequenzen leben, dass sein Haus enteignet, und die neue Schnellstraße genau über seinem Keller gebaut wird.

Andere Geschichte wenden sich den Gefühlen zu, die die Toten auch nach ihrem Ableben noch für ihre Liebsten hegen und deshalb aus dem Grab zurück kommen sei es „Die verliebte Tote“ von Théophile Gautier oder Hugh B. Caves: „Stragella“. Ihre Verbindung zu den Mächten des Bösen wird deutlich in „Das Aderlassmännchen“ von Karl Hans Strobl, während Clark Ashton Smiths „Ilalothas Tod“ in ein fernes und archaisches Königreich entführt.

 

Dies sind nur einige der insgesamt zweiundzwanzig Erzählungen aus dem letzten ein einhalb Jahrhunderten. Die Sammlung bietet eine überraschend bunte Mischung aus sehr abwechslungsreichen Geschichten, in denen die Vampire mal Helden, mal Schurken sind, dann wieder blutgierige Bestien oder tragische Opfer eines Fluches oder eines tiefen Gefühls. Sie werden jedoch niemals romantisiert oder verwässert, wie in den heute so beliebten Bestsellern, sondern bleiben den Gesetzen des Genres treu, so dass es auch schon einmal sehr makaber oder auch brutal und blutig werden kann.

 

Das macht „Denn das Blut ist Leben“ zu einer lohnenswerten Anschaffung für alle Horror-und Dark Fantasy – Fans, solange sie einen Einstieg in die Materie suchen und die entsprechenden Geschichtensammlungen der einzelnen Autoren nicht ohnehin schon lange besitzen.

 

Eure Meinung:


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Denn das Blut ist Leben

Herausgeber: Frank Festa

Broschiert, 416 Seiten

Festa Verlag, erschienen November 2007

Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Diesel, Alexander Amberg und anderen

Titelbild von Markus Mayer

ISBN-10: 3865520642

ISBN-13: 978-3865520647

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.09.2008, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57