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Der Attentäter von Andrew Britton

Rezension von Christel Scheja

 

Der 11. September 2001 hat deutliche Spuren in der amerikanischen Seele hinterlassen. Nicht nur die Politiker, das Militär und die Geheimdienste sind aufgeschreckt, auch die Medien schlachten die Angst der Öffentlichkeit gründlich aus. Auf die ein oder andere Art und Weise beschäftigen sich alle mit den Auswirkungen und Spuren des Terrorismus, und inzwischen wird dies auch schon wieder zur Unterhaltung ausgeschlachtet.

Waren es früher Agenten aus den Ländern des Ostblocks, die Sabotage durchführten und Informationen außer Landes schmuggeln wollten, so hat sich das Bild der Gegenspieler in den Thrillern gründlich gewandelt.

Sie stammen nun aus den Ländern des Nahen Ostens, handeln aufgrund fanatischer Verblendung, leidenschaftlichen Rachegelüsten oder aus kalten kalkül. Einige wenige sind auch zynische Auftragskiller, die im Töten die einzige Befriedigung in ihrem Leben finden. Und die Agenten und Sicherheitsbeamten, die das Schlimmste zu verhindern suchen müssen sich - ob sie es wollen oder nicht - anpassen. Dass sie dafür einen hohen Preis zahlen, zeigt sich immer wieder.

 

Genau solche Figuren finden sich auch in den Romanen von Andrew Britton. In „Der Amerikaner“ verlor der CIA-Agent Ryan Kealey seine Frau und seine Tochter durch den weltweit gesuchten südafrikanischen Terroristen Vanderveen. Zwar gelang es ihm, diesen auszuschalten, aber an seinen Schuld- und Verlust-Gefühlen hat sich nichts geändert.

Kealy stürzt sich um so mehr in seine Arbeit, um den Schmerz zu vergessen. Deshalb ist er inzwischen einer der Top-Leute, was die internationale Terrorismus-Szene angeht, auch wenn nicht alle in der Führungsspitze der CIA mit seinen Methoden einverstanden sind.

Kealey ist immer vor Ort, wenn eine vermeintliche Terroristenzelle ausgehoben wird, aber nicht immer hört man auf ihn.

Auch nicht, als er die Information erhält, dass ein Anschlag auf die Vereinten Nationen in New York geplant sei. Fieberhaft versucht er mehr heraus zu bekommen, um seine Chefs zu überzeugen und reist mehrfach zwischen Mitteleuropa und Amerika hin und her.

Dabei kommt er nach und nach hinter das Komplott und muss schwer an sich halten, um nicht ganz durchzudrehen. Denn William Vanderveen, den er eigentlich tot geglaubt hat ist noch am Leben und auf den Auftrag angesetzt.

Nun hat Kealey zwei Gründe, um den Anschlag zu verhindern. Doch wird man das zulassen? Denn die Verschwörung, der er auf der Spur ist, besitzt größere Ausmaße als er bisher vermutet hat.

 

Auch wenn sich Andrew Britton bemüht, den Roman auf eigenen Füßen stehen zu lassen so merkt man doch, das er die Fortsetzung eines anderes Buches ist. Er erklärt nicht alles ausreichend genug - vor allem der Hass Kealey auf Vanderveen bleibt letztendlich recht unmotiviert, da nicht einmal eine ausführliche Rückblende die Gründe dafür einprägsamer und plausibler macht.

Ansonsten versteht der Autor sein Handwerk als Thriller-Schriftsteller. Auch wenn er sehr viele Worte macht, so baut er die Handlung doch geschickt auf und garniert sie mit Action, so dass man beim Lesen nicht durch Langeweile ins Stocken gerät. Soverän greift er danach den roten Faden wieder auf und führt die Verschwörung zu einem sehr interessanten und mutigen Ende. Zwar ist der Roman an überraschenden Wendungen insgesamt eher arm, aber es passiert genug, um den Leser bei Laune zu halten.

Man hat oft genug das Gefühl selbst in den Geheimdienstbüros zu stehen und den Männern und Frauen bei der Koordination der Einsätze zuzusehen.

Die Figuren selbst bleiben bis auf Kealey und Vanderveen eher blass. Und selbst die beiden sind nur bis zu einem gewissen Grade charakterisiert. Diese Oberflächlichkeit bezieht sich auch auf die Frauen, die beiden zur Seite stehen. Sie wirken in weiten Teilen des Buches wie eher schmückendes Beiwerk, sind brave Zuhörerinnen oder auch interessant für Liebesabenteuer, doch nur eine davon entwickelt am Ende noch überraschende Qualitäten.

 

Damit ist „Der Attentäter“ solide verfasstes Actionkino für den Kopf. Britton findet genau die richtige Mischung an Dialog, Abenteuerhandlung und Beschreibung, so dass man von Anfang bis Ende des Romans gut unterhalten wird.

Eure Meinung:


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Der Attentäter

Autor: Andrew Britton

broschiert, 672 Seiten

Heyne, München, erschienen Dezember 2007

ISBN 978-3-453-81079-2

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Bernhard Liesen

Titelbild von Sanford/Agiolo/Corbis

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.12.2007, zuletzt aktualisiert: 22.10.2019 14:35