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Der Fall von Akkon von Rainer M. Schröder

Reihe: Die Bruderschaft vom Heiligen Gral Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Der Heilige Gral, Gegenstand von Mythen, Sagen und Legenden – und unzähligen Büchern, die sowohl im populärwissenschaftlichen, als auch im belletristischen Bereich angesiedelt sind. Auch der gemeine Fantasy-Leser dürfte im Laufe seiner »Karriere« schon einiges zum Thema konsumiert haben, tummeln sich Parzival, die Templer oder der Gral doch in vielen historisch angelehnten Fantasy-Schmökern. Rainer M. Schröder reiht sich mit seiner Trilogie, deren erster Band kürzlich hier um die Ecke beim Würzburger Arena-Verlag erschienen ist und deren zweiter Band in wenigen Wochen ebenfalls dort erscheinen wird, anstandslos in die Reihe jener Autoren ein, die sich in irgendeiner Weise an einem Stück der Saga um den Heiligen Gral versucht haben und ihre Leserschaft durch ihre ureigene Interpretation zu begeistern versuchten ...

 

Die Mittelmeerstadt Akkon ist dem Untergang geweiht. Wir schreiben das Jahr 1291. Akkon, die letzte Bastion der gescheiterten Kreuzfahrer im Heiligen Land, wird von den Orden der Templer, der Deutschritter und der Johanniter tapfer gegen eine gewaltige Übermacht des Feindes verteidigt. Den wackren Verteidigern Akkons ist jedoch von vorne herein klar: Sie können nicht gegen das riesige Heer unter dem Banner des Sichelmonds bestehen. Auch der geheimnisvolle Templer Abbé Villard sieht die Stunde des Untergangs gekommen – und damit eine Gefahr für den Heiligen Gral, dessen letzter Hüter er mittlerweile ist und der hier in Akkon vor den Jüngern des Teufels versteckt gehalten wird. Der alte Templer wählt aus den vielen mutigen Rittern innerhalb der Mauern Akkons vier gottesfürchtige Männer aus, die seine Nachfolge antreten und den Kelch Gottes, aus dem Jesus beim letzten Abendmahl getrunken hat, ungesehen aus Stadt und Land bringen und ihn ferner nach Frankreich schaffen sollen. Seine Wahl fällt dabei auf den unerschrockenen Deutschen Gerolt von Weißenfels, den vorlauten Franzosen Maurice von Montfontaine, den hartgesottenen Schotten McIvor von Conneleagh und den eloquenten Beduinen-Nachkommen Tarik el-Kharim, allesamt Ritter vom altehrwürdigen Orden der Templer. Diese vier, bereits zuvor von Gottes Macht und den Launen der Schlacht zusammengebracht und in ewiger Freundschaft vereint, obliegt es bald schon, den Gral mit ihrem Leben zu verteidigen und sicher zu seiner neuen Stätte zu geleiten – was sich spätestens ab dem Zeitpunkt, da die Gralshüter zwar dem brennenden Trümmerfeld Akkons entkommen, jedoch kurz darauf trotzdem in die Gefangenschaft des Feindes geraten, als ein schwieriges Unterfangen zu gestalten scheint. Nur ihre Freundschaft, ihr Schwur, ihr Glaube und die individuellen Kräfte, die der Gral ihnen bei Antritt ihres neuen Amtes geschenkt hat, können sie und das Symbol der Christenheit nun noch retten ...

 

Mystik, Religion und natürlich Geschichte treffen in diesem ersten Band der Trilogie um die Bruderschaft vom Heiligen Gral zusammen und ergeben durch die Bank dieses 500-Seiten-Schmökers ein stimmiges Gesamtbild. Wären die phantastischen Komponenten und erzählerischen Freiheiten nicht, so könnte man dank der vielen historischen Details sogar freiheraus von einem echten und vor allem informativen Zeitzeugnis sprechen, das dennoch ganz leger und unaufdringlich des Weges daher kommt. Doch auch so macht die Story einiges her, was vor allem daran liegt, dass Schröder hie und da zwar deutlich aus dem gängigen Setting des Historischen Romans ausbricht, indem er ein paar phantastische Elemente einbaut, dabei aber trotzdem irgendwie auf Kurs bleibt und sich nicht in Effektschlachten voll bunter Zauberkugeln verliert. Sein Zauber hat mehr mit Mystik und Glauben denn mit Elixieren und magischer Energie zu tun – und das ist in Anbetracht des Kontextes mehr als nur sinnig.

 

Wie schon erwähnt glänzt »Der Fall von Akkon« durch eine wahre Flut an Details und historischen Fakten, die sich spätestens durch den Anhang am Ende, in dem die [literarischen] Recherchequellen des Autors sauber aufgelistet werden, beinahe von selbst erklärt (und fast schon ein bisschen protzig wirkt, wenngleich ich an dieser Stelle einfach einmal eine Lanze brechen und in stiller Bewunderung von Sorgfalt, ja Akribie sprechen möchte). So ist es dann auch kein Wunder, wenn die Belagerung Akkons, die Gesetze und Pflichten der Ritterschaft und das eigentliche Bild der belagerten Stadt im 13. Jahrhundert plastisch aus den Buchseiten hervorstechen und jede Seite vor einer äußerst gelungenen Atmosphäre, ja dem Geruch von Geschichte und dem Hauch von Authentizität durchdrungen ist: Belagerungsmaschinen, Waffen, Kleidung, Architektur – jede Feinheit und Nuance ist mit wenigen Worten gut aufbereitet und bettet sich zumeist nahtlos in die Handlung ein, während durch eben diese Details ein noch schärferes Bild vor den Augen des Leser entsteht. Den Rest erledigen dann manchmal recht ausführliche, aber nie störende und stets willkommene Fußnoten mit Informationen, beispielsweise zur Währung der damaligen Zeit oder den Bräuchen und dem Tageslablauf innerhalb der Ritterorden.

 

Die Aufmachung des recht großen, dicken Hardcovers steht klar unter dem Grundsatz Gut ist, was anders ist! Und keine Frage: Das Gewand des Auftakts von Rainer M. Schröders Grals-Trilogie ist in jedem Fall anders, wobei außergewöhnlich die Sache wohl am besten trifft. Lesebänden und Karten gehörigen zwar zur Standardausstattung eines Romans dieser Preisklasse, doch lässt der raffiniert gestaltete (und ebenso geschickt weiterverarbeitete) Schutzumschlag, der mit Prägedruck, Stanzungen und silberner Sonderfarbe aufwarten kann und gemeinsam mit dem robusten Buchdeckel zu einer Einheit aus Hintergrundbild und silbern glänzendem Templerschwertheft verschmilzt, wahrlich keine Wünsche offen und erfreut zusammen mit dem ebenfalls sehr ansehnlich gestalteten Buchrücken das bibliophile Sammlerherz. So und nicht anders müssen Bücher aussehen, auch wenn diese verspielten Schutzumschläge sanft und pfleglich behandelt werden wollen, damit man auch lange seine Freude an ihnen hat ...

 

Fazit: Rainer M. Schröder legt mit »Der Fall von Akkon« einen sehr gelungenen Auftaktband hin, der definitiv Lust auf mehr macht. Dennoch ereilt auch den ersten Teil das Schicksal vieler Trilogien: Der Leser bleibt, nachdem der Roman in den letzten Seiten dann auch noch ein wenig von seiner Atmosphäre verliert, da die liebgewonnene Heldengruppe vorerst auseinandergrerissen wird, zunächst zu allem Überfluss auch noch unbefriedigt zurück, nachdem der Autor auf den letzten fünfzig bis einhundert Seiten bereits den Grundstein für die Fortsetzung (bzw. Fortsetzungen) gelegt hat (bzw. logischerweise hat legen müssen). In diesem Fall nun, da der zweite Band der Trilogie bereits für den Sommer angekündigt ist und im Juni erscheinen soll, kann man dies zwar halbwegs verkraften, doch fiebert man andererseits natürlich die ersten äußerst spannenden 500 Seiten des Buches mit seinen vier Helden mit und lässt sie nun bis Erscheinen der Fortsetzung nur ungern alleine. Das alles ist jedoch auch ein Zeichen dafür, dass Charaktere, Schauplätze und das gesamte Konstrukt bzw. historische Setting der Handlung mehr als nur stimmig aufgebaut worden sind – andernfalls hätte man nicht solche Schwierigkeiten mit den halbwegs offenen Ende und der Wartezeit auf die Fortsetzung.

 

»Der Fall von Akkon« ist für jeden, der sich für historische Romane mit einer wohl dosierten Priese Phantastik begeistern kann, eine sichere Investition und ideales, außerdem äußerst schön aufgemachtes Lesefutter für die warmen Abendstunden auf Terrasse oder Balkon.

 

 

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Der Fall von Akkon

Reihe: Die Bruderschaft vom Heiligen Gral Bd. 1

Autor: Rainer M. Schröder

Gebundene Ausgabe - 487 Seiten - Arena

Erscheinungsdatum: Januar 2006

ISBN: 3401058789

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.05.2006, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49