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Der Grabhügel von Robert E. Howard

Reihe: Gruselkabinett 60

 

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Der Farmer Steve Brill macht sich große Sorgen – seit er mit seinem Sohn Tommy nach dem Tod seiner Frau nach Texas zog, läuft es nicht gut: Es steht zu befürchten, dass er dieses Jahr so gut wie gar nichts erntet. Während die beiden die ruinierten Felder betrachten, versucht Tommy seinem Vater Mut zuzusprechen. Unterdessen kommt ihr Nachbar, der mexikanischstämmige Juan Lopez, vorüber. Tommy macht Steve darauf aufmerksam, dass Juan stets einen großen Bogen um einen nahegelegenen Hügel macht. Steve kommt ein Verdacht. Er läuft mit Tommy zu Juan und fragt ihn nach der Ursache – Steve vermutet, dass der Hügel ein Indianergrab beherbergt, und Juan abergläubisch ist und Indianerspuk fürchtet. Juan bittet die Brills, den Hügel in Ruhe zu lassen, doch Steve spottet nur: Er habe schon ein Indianergrab ausgegraben und kein Fluch habe ihn getroffen. Da widerspricht Juan – es gehe nicht um Indianer, seine Vorfahren hätten in dem Hügel etwas sehr Gefährliches gefangen, das man keinesfalls stören dürfe. Um was genau es gehe, könne er nicht sagen, habe er geschworen, doch er könne es ihnen aufschreiben. Sobald Juan verschwunden ist, um seinen Bericht zu verfassen, spricht Steve seinen neuen Verdacht aus: Juan will die Brills von einem spanischen Schatz fernhalten – doch so ein Goldschatz käme ihnen jetzt gerade recht!

 

Der Grabhügel ist die Hörspieladaption von Robert E. Howards 1932 erschienenen Kurzgeschichte The Horror from the Mound. Es ist im Wesentlichen eine recht typische „Kontakt mit einem Monster“-Geschichte, die „das Verbotene Wissen“ als Aufhänger benutzt: Wie es Adam und Eva verboten ist, vom Baum der Erkenntnis zu essen, so ist es Steve Brill verboten, das Geheimnis des Grabhügels zu lüften. Howards Vorlage ist eine nette, aber wenig originelle Kurzgeschichte.

Wer sie kennt, wird sich allerdings fragen, wie wohl die Adaption aussehen mag – denn in der Vorlage gibt es nur einen Dialog – den Anfangsdialog zwischen Steve und Juan – und ansonsten ist es eine Solo-Action-Geschichte: Steve läuft herum und tut Dinge. Eigentlich eignet sich die Vorlage viel eher für eine inszenierte Lesung. Um die Unmenge an beschreibender Erzählerrede aufzubrechen, wird die Figur des Tommy eingeführt; so kann manche Beschreibung in den Dialog einfließen. Leider gelingen die Dialoge oftmals nicht, sie klingen hölzern, eben so, als beschreibe jemand einem Zuhörer via Funk, was er sehe; auch interner Monolog wird – leider ebenso hölzern – externalisiert. Zudem klingt Tommys Figurenrede zu modern.

Außerdem reichte der Stoff der Vorlage anscheinend nicht, um die Spielzeit einer CD zu füllen, denn für das Skript werden einige Details hinzuerfunden, die leider den Stoff nur strecken und keineswegs verbessern – sie sind zu klischeehaft und z. T. sogar mit logischen Schwierigkeiten behaftet – der Zuhörer möge die Szene mit dem Auto einmal genau durchdenken.

Kurzum: Dieses Mal hat Marc Gruppe danebengegriffen – eines der schwächsten Skripte der Reihe.

 

Die Größe der Sprecherriege (das Booklet zählt insgesamt acht Sprechrollen auf) kann bei oberflächlicher Betrachtung darüber hinwegtäuschen, dass es sich im Wesentlichen um einen Dialog zwischen Steve und Tommy handelt. Dieser wird von einem Erzähler, Juan sowie einer Rückblende mit den restlichen vier Sprechern aufgebrochen.

Der Part des Erzählers wird von Thomas Piper übernommen; der Hörer kann ihn aus Hörspielen wie Alf, Die drei ??? Kids oder Taran – Das Buch der Drei kennen. Er trägt seine Texte mit einem US-amerikanisch klingenden Sprachduktus vor, was etwas seltsam wirkt, da die anderen Sprecher nicht US-amerikanisch klingen; es hört sich so an, als erzähle ein Yankee, was er in Europa erlebt habe. Patrick Schröder spricht Steve Brill ein; Schröder ist ein Synchronsprecher, der mir unbekannt ist; Erfahrung als Hörspielsprecher hat er meines Wissens nach nicht. Seinem Sohn Tommy verleiht der Synchronsprecher Maximilian BelleChihiros Reise ins Zauberland, die Bis(s)-Reihe und andere gehören zu seinem Oeuvre. Für meinen Geschmack klingt Belle etwas zu jung für die Rolle. Als letzte größere Rolle will ich den ‚Mexikaner‘ Juan Lopez nennen. Reinhard Glemnitz spricht die Figur mit einem unaufdringlichen Akzent; auch er ist Synchronsprecher und zwar ein sehr produktiver – ich habe über 50 Filme mit einem Beitrag von ihm gesehen (darunter Filme wie: Die Nacht der lebenden Toten, Die Brücke von Arnheim oder Der Herr der Ringe).

Insgesamt stehe ich der Performanz der Sprecherriege ambivalent gegenüber; für sich genommen ist alles in Ordnung, doch im Kontext der Geschichte klingt manches schräg.

 

Die Inszenierung ist wie immer gemäßigt modern, enthält dieses Mal aber einige altmodische Momente. So gibt es einen Erzähler und die Figurenrede ist oftmals beschreibend – an einer Stelle werden sogar die Geräusche kommentiert. Meistenteils werden die Geräusche allerdings szenisch verwendet, ein oder zwei Mal sogar dramaturgisch. Die Geräusche sind meistens recht treffend, das Zirpen der Grillen, das beinahe beständig im Freien zu hören ist, könnte aber etwas gezielter eingesetzt werden. Die Musik wird überwiegend zur Untermalung der Situation verwendet; es werden meistens drohende, dumpfe Stücke mit Streichern verwendet, zum Höhepunkt hin kommen noch Schlagzeug (viel Pauke, etwas Becken, selten wohl ein Xylofon) und Bläsern (wohl Hörner) hinzu. In den ruhigeren Momenten gibt es etwas lockeres Klavierspiel. Es gibt zumeist zwei bis drei Tonschichten (Figurenrede und Geräuschkulisse oder Musik).

Insgesamt ist die Inszenierung leicht zugänglich, gelegentlich aber etwas artifiziell; für meinen Geschmack recht durchwachsen – gute Musik, meistens ordentliche Geräuschkulisse und ein ebensolcher Einsatz der Erzähler- bzw. Figurenrede.

 

Fazit:

Der Farmer Steve Brill und sein Sohn stehen kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin und greifen nach einem Strohhalm: Sie vermuten spanisches Gold in einem alten Grabhügel. Der Grabhügel ist eine Mischung aus "Greifen nach der verbotenen Frucht" und "Begegnung mit dem Monster" und meines Erachtens eine der schwächsten Folgen der Reihe: Die Vorlage eignet sich nicht gut als Hörspiel und wurde nur unzureichend adaptiert, die Performanz der Sprecher ist für sich genommen ordentlich bis gut, im Kontext aber bisweilen schräg, die Inszenierung weitgehend ordentlich, doch gelegentlich zu gekünstelt. Folge 60 ist jedoch trotz der Schwachpunkte immer noch hörbar.

 

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Eure Meinung:

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Hörspiel:

Der Grabhügel

Reihe: Gruselkabinett 60

Vorlage: Robert E. Howard

Buch: Marc Gruppe

Regie: Stephan Bosenius & Marc Gruppe

Label: Titania Medien

Erschienen: März 2012

Umfang: 1 CD

Laufzeit: ca. 57 Minuten

 

ASIN: 3785745303

 

Erhältlich bei: Amazon

Sprecher:

  • Tommi Piper
  • Patrick Schröder
  • Maximilian Belle
  • Reinhard Glemnitz
  • Alexander Turrek
  • Patrick Roche

Serienguide:

Alles zur Reihe Gruselkabinett

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.05.2012, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03