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Der große Verrat von Vince Flynn

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Wenige Tage vor den offiziellen Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten rangieren Demokraten und Republikaner auf gleicher Höhe – bis ein brutales Attentat auf die Kandidaten der demokratischen Partei den Wahlkampf völlig durcheinander bringt. Die Ehefrau des Präsidentschaftsfavoriten sowie 18 weitere Menschen kommen bei einem Bombenattentat ums Leben und hinterlassen die Nation im Chaos.

Zwei Monate später haben die Ermittler der CIA endlich eine heiße Spur. Der für seine kompromisslosen Methoden bekannte Agent Mitch Rapp entdeckt bei einem verdeckten Ausflug nach Zypern den vermeintlichen Attentäter und überführt ihn in die Staaten. Noch auf dem Heimflug erzwingt er ein Geständnis und steht damit vor dem größten Coup seiner Karriere. Doch schon kurze Zeit später wird dem angeschlagenen CIA ein weiterer Strich durch die Rechnung gemacht. Der bosnische Attentäter besteht einen Lügendetektortest und scheint auch nicht, wie in Insider-Kreisen vermutet, einer moslemischen Terror-Organisation anzugehören. Der Agency steht schon ein neuer Medienskandal bevor, als Rapp sich ein Herz nimmt und die Sache auf eigene Faust angeht – und dabei herausfindet, dass das Attentat in den höchsten Regierungskreisen geplant wurde…

 

 

Rezension:

Die Veröffentlichungspolitik des Heyne-Verlags ist im Bezug auf den Polit-Thriller-Autoren Vince Flynn nicht immer nachzuvollziehen. Bereits mehrere Romane des Bestseller-Schreibers wurden innerhalb kürzester Zeit doppelt im Taschenbuch-Format herausgegeben, was angesichts der Klasse seiner Bücher zwar erfreulich ist, aber in dieser Form vielleicht nicht gerade zwingend notwendig ist. Im Falle von „Der große Verrat“ ist die Dopplung sogar ein wenig verwirrend, weil das Buch vor einigen Monaten bereits unter dem Titel „Der Verrat“ veröffentlicht wurde und die Erweiterung im Titel möglicherweise sogar zu einem Fehlkauf führen könnten – auch wenn man meinen könnte, dass Anhänger von Flynn und dessen Galionsfigur Mitch Rapp über den an- und ausstehenden Katalog ihres Favoriten vorab informieren.

Wie auch immer, inhaltlich bleibt das Buch natürlich weiterhin ein richtig starker Thriller, dessen politische Tragweite gerade aus aktuellem Anlass kaum brisanter sein könnte. Im Fokus stehen die Präsidentschaftswahlen, die auf grausame Weise manipuliert werden, und das aus den Reihen einiger Regierungsmitglieder und deren Helfershelfern. Flynn wagt sich auf dem ihm vertrauten Feld heuer ziemlich weit hinaus, glänzt aber von der ersten Seite an mit einem erstaunlichen Fachwissen, mit dem er selbst die riskantesten Ausritte auf das Terrain der amerikanischen Innenpolitik makellos besteht. Der Autor zeigt Kenntnisse über den Verwaltungsapparat im Allgemeinen und dessen gesonderte Gremien im Speziellen, was sich vor allem in der Darstellung der CIA-Arbeit positiv auswirkt. Zwar hat er mit der – für ihre Position – schon fast viel zu menschlichen CIA-Chefin Irene Kennedy und deren unberechenbarem Sidekick zwei herausragende Figuren kreiert, die den Part der unscheinbaren Superhelden relativ lebendig ausfüllen und alleine dadurch auch immer wieder vom faktischen politischen Problem ablenken, aber wenn es darum geht, die Charaktere in deren Rollen zu integrieren und dies bis hin zur höchsten politischen Ebene, dann kann der Autor ganz deutlich von seinem eigenen Background zehren.

 

Dies wäre jedoch nur die halbe Miete, wäre die Geschichte haltlos oder in irgendeiner Form angreifbar – doch das ist in „Der große Verrat“, dem mi8ttlerweile bereits siebten Roman um Mitch Rapp, definitiv nicht der Fall. Die Spannungskurve zeigt auf Anhieb steil nach oben, was unter anderem dadurch noch angeheizt wird, dass die Intrigen und vor allem die Suche nach den Schuldigen schon relativ schnell aufgedeckt bzw. beendet sind. Man weiß um die Hintergründe, kann die Motive der Beteiligten einschätzen, kann aber dennoch nicht erahnen, mit welcher Raffinesse die Ermittler an die Sache herangehen und einen Fall von solcher Brisanz anpacken. Natürlich haben diese Entwicklungen zur Folge, dass gewisse Aspekte der Handlung ein Stückweit vorhersehbar sind, jedoch leidet der Spannungsaufbau darunter nur marginal, gerade eben weil Flynn es immer wieder versteht, den Plot in raschen Schüben umzustricken und die Ausgangsposition geschickt zu verändern.

Als schließlich auf der letzten Seite der Vorhang fällt und die Geschichte so abrupt endet, wie sie gestartet ist, hat man wieder die Gewissheit, dass Tom Clancys derzeit wohl schärfster Konkurrent seine Sache sehr gut gemacht hat. Die Charaktere sind in ihren Zeichnungen gewohnt souverän, der Background ist enorm interessant und auch der Verlauf der Story vermag einen an dieses Buch zu fesseln. Genau so muss ein anständig recherchierter, fiktiver Polit-Thriller aussehen.

 

 

Fazit:

Vince Flynn und seine Romanfigur Mitch Rapp eilen von einem Erfolg zum nächsten. Auch wenn die Veröffentlichung unter neuem Titel ein wenig suspekt erscheint und „Der große Verrat“ kein gänzlich neues Werk ist, so sollte man sich den aktuellsten Roman des Thriller-Autors sofort in die Sammlung holen, wenn man auf politisch motivierte Skripte steht.

 

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Der große Verrat

Autor: Vince Flynn

Broschiert: 520 Seiten

Verlag: Heyne Verlag (November 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453434447

ISBN-13: 978-3453434448

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.02.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57