Der Hobbit Gobbo (Autor: Andreas Fischer)
 
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Der Hobbit Gobbo

Autor: Andreas Fischer

 

Es gibt viele Geschichten, die sind erlogen oder erfunden. Es gibt aber auch Geschichten, von denen denkt man, sie seien erlogen oder erfunden, sind es aber nicht. Die Geschichte, die Euch hier erz├Ąhlen will hat sich wirklich zugetragen, selbst wenn ihr es nicht glauben wollt oder k├Ânnt.

 

Der kleine Hobbit Gobbo hatte ein Problem. Man kann sogar sagen, er hatte ein gro├čes Problem: seinen Namen!

Es soll ja Leute geben, die nun verwundert aufblicken und sagen "Wieso? Gobbo ist ein genauso gew├Âhnlicher Name wie Hinz und Kunz." Dem ist aber nicht so, Gobbos sind dunkelgr├╝nh├Ąutige Kobolde oder Goblins, dar├╝ber streiten sich bis heute die Gem├╝ter. Mit Sicherheit kann man nur sagen, dass dort wo Gobbos auftreten nichts mehr seinen normalen Gang geht. Doch zur├╝ck zu diesem Hobbit und seinem Problem mit dem Namen.

 

Gobbo hatte den ganzen Tag in seinem Bett verbracht. Er war nicht m├╝de sondern einfach nur frustriert. Am liebsten w├╝rde er es allen heimzahlen, die ihn jeden Tag aufs neue verspotteten, nur wie?

Wenn er ein Riese w├Ąre, dann h├Ątten alle Angst vor ihm und w├╝rden nicht mehr ├╝ber ihn spotten. Man w├╝rde ihm aus dem Weg gehen und nur noch leise ├╝ber ihn reden und nicht mehr lauthals. Ach ja, dachte er, ein Riese m├╝sste er sein.

Mit diesen Gedanken schlief er schlie├člich ein. Sein Atem ging ruhig und gelassen und er begann zu tr├Ąumen.

Er befand sich in seinem Haus. Obwohl er die T├╝r stets verschlossen hielt, war jemand zur T├╝r hereingekommen. Ein kleines unscheinbares M├Ąnnchen nicht gr├Â├čer als ein Hobbit. Es hatte lichtes schneewei├čes Haar und war d├╝nn. "Ihr wollt also endlich ernst genommen werden?" meinte der wei├čhaarige Gnom zu Gobbo.

"Ja!" erwiderte Gobbo und schaute den Gnom erstaunt an. "Woher wisst ihr das?"

"Wir Gnome sind sehr erfinderisch. Durch meine Traumanalysemaschine habe ich mich in euren Traum versetzt, das wollte ich aber gar nicht! Ich bin selbst verwundert, dass ich hier ausgekommen bin. Aber das spielt auch keine Rolle. Dankt dem Zufall, denn ich kann Euch helfen!"

"Ihr k├Ânnt mir helfen?" Gobbo schaute den wei├čhaarigen Knirps fragend an. "Ihr seid ein echter Gnom!"

"Nat├╝rlich! Wenn Ihr nachher aufwacht, dann erinnert Euch gef├Ąlligst an die Zutaten, die Euch jetzt nenne."

"Sicher" erwiderte Gobbo und h├Ârte aufmerksam zu.

 

Am n├Ąchsten Morgen erwachte Gobbo besonders fr├╝h. Er eilte zu seinem Schreibpult und notierte die Zutaten, die der Gnom ihm genannt hatte. Echsenaugen (6 St├╝ck, von verschiedenen Echsen), zwei Mandrakewurzeln, f├╝nf Gramm Spinnenseide, vier Bl├Ątter vom Nachtschatten und drei schwarze Perlen.

Eilig zog sich Gobbo seine Sachen ├╝ber und verlie├č das Hobbitdorf. Der Gnom hatte ihm auch den Ort genannt, wo er die Sachen kaufen konnte. Es war das Haus einer Druidin, dass nur einen halben Tagesmarsch vom Hobbitdorf entfernt lag.

Tief in der Nacht kehrte Gobbo mit den Zutaten wieder zu seiner Behausung zur├╝ck, er schl├╝pfte rasch in sein Bett und schlief schnell wieder ein.

Es dauerte nicht lange, da begann er wieder zu tr├Ąumen. Der Gnom erwartete ihn schon und hatte bereits alles vorbereitet. Er zeigte dem Hobbit ganz langsam und in aller Ruhe, wie der Trank gebraut wurde. Viermal wiederholte er den Vorgang, nur um sicher zu sein, dass Gobbo es auch wirklich nicht verga├č.

Ein kr├Ąhender Hahn weckte den Hobbit Gobbo am n├Ąchsten Tag. Er machte sich nicht die M├╝he sich anzuziehen. In seinem Schlafzeug wiederholte er die Schritte aus seinem Traum. Er machte ein gro├čes Feuer. "Mindestens f├╝nf Scheite hoch!" wiederholte der Hobbit die Befehle der letzten Nacht. Anschlie├čend h├Ąngte er seinen kleinsten Topf, bis zum Rand mit Wasser gef├╝llt, ├╝ber das Feuer. Er zerstie├č die Perlen mit seinem Briefbeschwerer (der Gnom hatte in der Nacht einen M├Ârser benutzt), legte die vier Bl├Ątter Nachtschatten aus und teilte die Zutaten auf die Bl├Ątter auf. Nur nicht die Spinnenseide, die brauchte er noch zum Schluss. Er wickelte jedes Blatt zusammen und umwickelte die Rollen mit der Spinnenseide. Diese B├╝ndel lie├č er dann den ganzen Vormittag ├╝ber kochen.

Gegen Mittag war es dann soweit. Die P├Ąckchen lagen ausgebreitet vor ihm. Er griff sich eines der P├Ąckchen und konzentrierte sich auf den Gedanken "Niemand soll mich mehr Gobbo nennen!". Mutig schob er sich das erste P├Ąckchen in den Mund und begann es zu zerkauen. Ein bitterer, ├ťbelkeit erregender Geschmack entfaltete sich, doch er schaffte es sich nicht zu ├╝bergeben und schluckte es hinunter.

Freiwillig w├╝rde er diese Prozedur nicht nochmals machen! Ob es denn auch wirken w├╝rde? M├Âglicherweise war das ganze doch nur ein Traum gewesen oder der Gnom hatte sich einen Scherz mit ihm erlaubt. Er musste es wissen, sofort!

Mutig trat er vor der T├╝r und wurde sofort wieder zum Gesp├Âtt des Dorfes.

"Schaut nur! Jetzt geht unser Gobbo sogar schon im Nachtgewand vor die T├╝r!" drang es noch gerade an seine Ohren, dann drehte sich die Welt vor ihm mehrmals. Was er dann sah freute den Hobbit ungemein, er durfte mit ansehen, wie seine ihn h├Ąnselnden Nachbarn schreiend davonliefen. Nur sein Nachbar Frido nicht, der stand mit aufgerissenen Augen wie erstarrt da und blickte ihn entsetzt an.

"Du wirst mich nie wieder Gobbo nennen!" Diese Stimme erschrak sogar Gobbo, sie geh├Ârte nicht zu ihm und schien doch aus seinem Mund zu kommen.

Die folgende Szene brachte Gobbo fast um den Verstand. Er musste mit ansehen, wie sein verhasster Nachbar Frido von zwei gelbgr├╝nen, schlecht vernarbten, spitzen Krallenh├Ąnden gepackt und regelrecht zerrissen wurde. Er hatte Frido nie sonderlich gemocht, aber ihn umzubringen ging das nicht doch zu weit?

Wieder drehte sich alles vor seinen Augen. Als die Welt wieder zum Stillstand gekommen war, lagen auf der Wiese immer noch die sterblichen ├ťberreste von Frido. Eilig lief Gobbo zu seinem Heim zur├╝ck und schloss sich hektisch ein. Was hatte er nur getan? Er war zum M├Ârder geworden! Er wollte doch nur akzeptiert werden und nun... nun klebte Blut an seiner Weste. "Der Gnom, der Gnom muss mir helfen! Ich kann doch nicht alle umbringen, die mich Gobbo nennen! Das ist doch mein Name!"

Eilig stieg er ins Bett und w├Ąlzte sich stundenlang hin und her, bis er endlich vom Schlaf ├╝bermannt wurde.

Der Gnom schien auf ihn gewartet zu haben. Er sa├č mit einer Pfeife im Mund auf einem Stuhl und sah ihn erwartungsvoll an. "Und?"

"Ich habe meinen Nachbarn ermordet!" Gobbos Stimme war kaum h├Ârbar.

"Oh..." entfuhr es dem Gnom, seine Pfeife rutschte ├╝ber den Mundwinkel hinab zu Boden und zerbrach dort. "Worauf habt Ihr Euch denn konzentriert?"

"Niemand soll mich mehr Gobbo nennen!" erwidere Gobbo.

"Mmm, ich f├╝rchte ihr m├╝sst die Prozedur nochmals wiederholen. Ihr wisst ja, das n├Ąchste P├Ąckchen neutralisiert Euren Gedanken wieder und erst das ├╝bern├Ąchste wird Euren Gedanken wieder freisetzen k├Ânnen."

"Und worauf soll ich mich dann konzentrieren?"

"Lasst mich mal ├╝berlegen..."

 

Schwei├čgebadet erwachte Gobbo am Morgen. Er eilte zu den drei verbliebenen P├Ąckchen und schlang das n├Ąchste herunter. In seiner Hektik ignorierte er den widerw├Ąrtigen Geschmack und konzentrierte sich bereits auf den Gedanken, den ihm der Gnom vorgeschlagen hatte.

"Wenn mich jemand sp├Âttisch Gobbo nennt, dann werde ich ihn f├╝rchterlich erschrecken!" Er schob das n├Ąchste P├Ąckchen in den Mund.

Ununterbrochen wiederholte er seinen Gedanken: "Wenn mich jemand sp├Âttisch Gobbo nennt, dann werde ich ihn f├╝rchterlich erschrecken!" Immer wieder. "Wenn mich jemand Gobbo nennt, dann werde ich ihn f├╝rchterlich erschrecken!"

 

In der Hoffnung, nun endlich das Richtige gedacht zu haben, zog sich Gobbo an, dann ging er vor die T├╝r. Niemand war zu sehen, also lief er ein gutes St├╝ck die Dorfstrasse hinab.

Die alte Hobbitdame Eleaine, die als einzige immer freundlich zu ihm gewesen war, kreuzte als erste seinen Weg.

"Guten Morgen, Gobbo. Euch habe ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen, wie geht es..."

Und wieder drehte sich die Welt um Gobbo.

Die erw├╝rdige Hobbitfrau sprach keinen Ton weiter. Ihre Augen weiteten sich unnat├╝rlich und sie schaute Gobbo entr├╝ckt an. Und vor Gobbo drehte sich wieder alles. Als sich die Welt wieder beruhigt hatte, lag Eleaine wie tot auf dem Weg.

Hektisch st├╝rzte er zu hier hin und konnte nur noch ihren Tod feststellen. Er musste sie wohl zu Tode erschreckt haben. "Verdammt, was habe ich nur falsch gemacht? Egal, ich werde das letzte Paket schlucken, dann ist er Spuk vorbei." Er hetzte zu seiner Behausung zur├╝ck und blieb wie erstarrt stehen. Das gesamte Hobbitdorf war vor ihm da gewesen und hatte seine Heimat v├Âllig vernichtet.

Mit gesenktem Haupt betrat Gobbo die Ruinen und suchte nach dem letzten P├Ąckchen, es war unauffindbar. Er packte noch ein paar Sachen zusammen und verlie├č das Dorf noch am gleichen Tag. Er versuchte sich an die Rezeptur zu erinnern, doch auch dieser Zettel war verschwunden. Jetzt konnte nur noch der Gnom ihm helfen.

Die Nacht verbrachte er im Wald. Er hatte auch einen Traum, nur der Gnom erschien nicht mehr...

Hatte diese Traumanalysemaschine vielleicht doch eine ├Ârtliche Begrenzung. War er zu weit von dieser Maschine weg. Er musste den Gnom finden, unbedingt!

Seitdem irrt dieser Hobbit Gobbo durch Tromothan, st├Ąndig auf der Suche nach diesem einen Gnom.

Wenn ihr ein schwaches Herz habt, dann solltet ihr das Wort Gobbo nie erw├Ąhnen, wenn Hobbits in der N├Ąhe sind. M├Âglicherweise ist auch Gobbo unter ihnen!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230608075304e099f87f
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Die Charaktere dieser Geschichte, sowie alle Handlungen sind geistiges Eigentum des Autors. Alle ├ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Handlungen sind rein zuf├Ąllig und nicht beabsichtigt. Der Autor verfolgt kein kommerzielles Interesse an der Ver├Âffentlichung dieser Geschichte.

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Erstellt: 24.07.2005, zuletzt aktualisiert: 26.07.2019 10:10