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Der Judas-Schrein von Andreas Gruber

Rezension von Markus K. Korb

 

Einer der bekanntesten Vertreter der unheimlichen Phantastik im 20ten Jahrhundert ist unbestritten Howard Philipps Lovecraft. Nachdem ihn Kalju Kirde für die deutschsprachige Leserschaft entdeckte und seine inzwischen legendäre Insel-Ausgabe von „Cthulhu – Geistergeschichten“ edierte, wuchs sein Ruf zu wahrer Legendengröße an.

Im Laufe der Zeit entdeckten ihn Chaosium, die amerikanischen Hersteller von Rollenspielen, und schufen mit „Cthulhu“ ein meisterhaftes Horror-Rollenspiel, das hierzulande von Pegasus hervorragend betreut wird. So wird er heutzutage in einem Atemzug mit anderen Größen der unheimlichen Literatur genannt, als da wären Edgar Allan Poe, Arthur Machen, M.R. James und viele andere mehr. Aber nur einer der genannten Autoren, namentlich Edgar Allan Poe, darf auf eine wahre Schar von Bewunderern blicken, und eben Howard Philipps Lovecraft. Bei Lovecraft geht die Bewunderung so weit, dass andere Autoren sich bemühen, Romane und Kurzgeschichten in seinem Universum anzusiedeln. Dazu gehört Ramsey Campbell ebenso wie August Derleth.

Der Festa Verlag bietet Lovecraft-Enthusiasten inzwischen eine Fülle an Lesematerial mit seiner Reihe „H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“. In die Reihe gesellt sich nun der österreichische Autor Andreas Gruber, der durch seine originellen Kurzgeschichten und SF-Romane längst über die Grenzen des Fandoms hinaus bekannt geworden ist. Mit „Der Judas-Schrein“ legt er seinen ersten Roman vor, der in der Tradition von Lovecraft anzusiedeln ist.

 

Klappentext:

In dem abgeschiedenen Dorf Grein am Gebirge wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt. Als der Ermittler Alexander Körner und sein Team mehrere Exhumierungen anordnen, nimmt der Fall eine ungeahnte Wendung.

Die Lage spitzt sich zu, als durch den anhaltenden Regen der Fluss über die Ufer tritt. Vom Hochwasser umgeben und von der Außenwelt abgeschnitten, kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht, und das Morden geht weiter...

 

Kritik:

Andreas Grubers Roman „Der Judas-Schrein“ beginnt als ein Kriminal-Roman. Knapp die Hälfte des Buches nimmt diese Spurensuche ein. Doch nach und nach entpuppt sich die Kulisse des fiktiven Dorfes Grein am Gebirge als wahrer Höllenpfuhl, durch den sich der Schrecken nach oben emporarbeitet.

Gruber versteht sein Handwerk meisterhaft. Der Leser wird mittels eines ausgeklügelten Systems an Handlungssträngen, namentlich gedoppelte Rückblenden, in den Bann geschlagen und kann das Buch erst wieder aus der Hand legen, sobald die letzte Seite gelesen wurde.

Im ersten Teil gibt es aber noch Längen, die sich aus der Kriminalhandlung ergeben. Doch spätestens mit dem Auftauchen cthuloiden Gedankenguts in einem alten Tagebuch schlägt die Stimmung um. Aus dem regendurchweichten Kriminalteil wird ein schleimigklebriger Horror. Gerade die letzten 150 Seiten sind hervorragend gelungen. Hier zeigt sich Andreas Gruber wieder als handwerklich versierter Autor von Phantastik. Der lange Showdown gehört mit zum Besten, was man in der von Lovecraft inspirierten Literatur lesen kann. Weder Basil Copper noch Brian Lumely können hier mithalten, denn sie versuchen Stil und Atmosphäre von Lovecraft zu kopieren.

Diesen Fehler begeht Andreas Gruber nicht. Zwar ist sein Schrecken in „Der Judas-Schrein“ durchaus im Cthulhu-Universum angesiedelt, aber Gruber zeigt, dass man dennoch die Versatzstücke originell arrangieren kann, um Eigenständigkeit zu erlangen.

Der Showdown entschädigt den Horror-Leser für den Kriminalteil und ist von einem hohen Action-Anteil gekrönt. Alle Teile des Puzzles fügen sich zusammen, jedes Detail hat eine Bedeutung und sogar der Schluss endet nicht ganz so, wie man ihn von anderen modernen Mainstream-Horrorromanen her kennt.

 

Fazit:

Andreas Gruber hat mit „Der Judas-Schrein“ einen Hybriden aus Mainstream-Horrorroman und Krimi geschrieben, dessen Faszination besonders am Ende gewaltig ist. Wenn alle Lovecraft-Bewunderer derart eigenständige Werke produzieren würden, könnte man sich freuen. Beide Daumen hoch für diesen tollen Roman!

 

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Der Judas-Schrein

Autor: Andreas Gruber

Festa Verlag

ISBN 3-935822-83-9

Ca. 460 Seiten

Juli 2005

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 02.08.2005, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18