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Der kleine Rolk

Autor: Claudia-Charlotte Hartmann

 

Eine Kindergeschichte, geeignet bis 6 Jahre

 

Der kleine Rolk

 

Das alles habe ich genau so erlebt und fabuliert. Wer etwas anderes beweisen kann, den lade ich auf püriertes Vollkornmehl mit gesiebten Flundern ein.

 

Lautlos! Ohne murren. Ohne knurren.

 

Ich wohne in einem Haus, dessen Dach aus Marmor besteht. Die Dachrinne ist Nussbraun und der Oleander schief. Die Wände sind von wildem Wein verdeckt und es ranken sich zarte Gedanken daran. Die Fenster haben Lider zum blinzeln und ein Sonnenverdeck. Im Winter ist es warm und im Sommer höre ich das Meer rauschen, wenn es an mir vorbeifließt. Manchmal kommt es auf ein Glas Nieswurz herein und ich trockne ihm dann die Füße ab. Die Kinder des Hauses sind in Muscheln versteckt und wenn ich ganz ruhig bin, höre ich sie lachen. Über dem Haus wächst munter eine kleine Panflöte heran die – immer wenn der Wind sie berührt – kleine Wolken aus Himbeerseide an die Fenster spuckt.

 

RaaDauhGasse Nummer 12:

 

Flordor sang den Zangenrank, während Gwelwen kleine Cumuluswolken in Gläser füllte.

 

Es pochte an der Tür.

 

„Der Rolk ist da“, sangen die Winde von nah und fern. „Der Rolk ist da“.

 

„Napayen Ta“, flüsterte Gwelwen. „Der gestreifte Rolk ist da und will gekämmt werden“.

Zaghaft und leise öffnete sich eine kleine violette Muschel die ich – wenn ich mir eine Hand über die Augen legte und durch einen kleinen Schlitz zwischen den Fingern sah – erkennen konnte.

 

Napayen Ta erwachte und steckte ihre laugrünen Locken aus der Muschel.

Flordor und Gwelwen fanden die Muschel in einem Meer unweit des Glockenpfades der Stadt von Mangdang Deshef.

Vor 7 Jahren verfiel Gwelwen in einen Mummelschlaf. Mummelschläfer träumen von den Gezeiten, von den Winden und fliegen durch die Täler, sammeln Traubenweiden ein und finden ihre Kinder in Muscheln.

 

Ich schupste bubberblaue Honigblasen von meinem Teller und zog aus meinen Haaren kleine Schmetterlinge, als Napayen Ta aus der Muschel kroch. Die Muschel gähnte genügsam und Napayen Ta lächelte mich an.

 

„Wo ist der Bolk?“. Napayen Ta zog gerade ihre schattenroten Schuhe an.

 

„Schschschschschsch“, flirrte ich mit den Augen klimpernd. „Der Bolk heisst Rolk. Verärgere ihn nicht.“, sprach ich lautlos.

 

Ich hörte Gesänge!

Von irgendwoher drangen süße, orangefarbenen Lieder an mein Ohr, die die Ankunft des Rolks vorantrieben.

 

Lauschend!

 

„…was du erzählst, klingt alles gut,

doch was am Ende zählt, ist was du tust….“

 

Ich öffnete die Tür zu der Waschkammer und sah – ich traute meinen Augen kaum – den Rolk aus dem Wasserhahn tropfen.

 

„Rolk!“, ich wedelte mit den Ohren. „Rolk,

was machst du da?“.

 

„Ich habe an die Tür geklopft und niemand öffnete. Da habe ich mir überlegt, ich schlüpfe durch den Wasserhahn.“

 

„Argh“, stöhnte der Hahn. „Zu so früher Stunde einen so dicken Rolk“

 

„Napahhhhhyeeeeen Tahhhhhh“, sang ich. „Der Rolk ist da. Er muss unbedingt gekämmt werden, sonst wird der Wasserhahn zum Isegrim und bleibt wie frischgewurzelt stehen.“

 

—————————————————–

 

Epilog: „Du meinst, ich soll die Geschichte einfach einfrieren? Oder lautlos und still im Wind stehen lassen?“ Du meinst, sie denken, ich lüge?“

 

 

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Erstellt: 21.11.2009, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58