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Der lange Weg nach Hause von Brian Keene

Rezension von Christian Endres

 

Sintflutartige Regenfälle, viel zu kluge Zombies, Meeresgötter der Marke Lovecraft oder schleimige Riesenwürmer – Brian Keene hat schon diverse Mittel und Wege gefunden, die Welt zum Teufel zu jagen und ein saftiges literarisches Untergangs-Szenario zu kreieren. Diesmal bekommen es die Protagonisten seiner kurzen Novelle jedoch mit einem sprichwörtlich biblischen Endzeit-Terror zu tun, als Menschen urplötzlich verschwinden und eine Stadtautobahn zur Hölle auf Erden wird ...

 

»Die Geschichte selbst basiert primär auf der evangelischen Interpretation der Schriften der Bibel, insbesondere der Entrückung und ihres Zusammenhangs mit der Wiederkunft Christi«, schreibt Brian Keene in seinem Nachwort zu »Der lange Weg nach Hause«. Spätestens mit dieser Aussage wird klar, dass Zombies und Riesenwürmer diesmal wirklich fehl am Platz gewesen wären und wieso Keene sich für einen eher menschlichen, vermeintlich »zivilisierten« Schrecken entschieden hat – der keineswegs hinter wandelnden Toten und anderen pulpigen Reitern der Apokalypse zurückstecken muss. Letztlich ist Keenes Novelle McCarthys pulitzerprämiertem »Die Straße« näher als den gängigen Genre-Varianten des Weltuntergangs, und das tut der kurzen Geschichte ohne Frage gut und macht sie zu etwas Besonderem.

 

Religiöse Betrachtungen sowie tiefschürfende Analysen des Glaubens sind immer eine Gratwanderung, und sie schmecken gerne mal moralinsauer oder wirken hölzern. Keene und seinem langen Weg nach Hause kommt allerdings zu Gute, dass der Amerikaner ein toller Erzähler ist – natürlich, ungekünstelt und direkt betrachtet und schildert Keene die religiöse Einstellung diverser Menschen in einer Extremsituation, pikant gewürzt durch den Faktor, dass er seine Protagonisten eben durch die biblische Entrückung auf dem Freeway jagt, der zu einem Ort des Schreckens und der menschlichen Abgründe verkommt. Wer hält an seinem Glauben fest, wer findet zum Glauben und wer versucht einfach nur durch, zurück zu seiner Frau oder nach Hause zu kommen? Keenes philosophisch-theologische Studien im Schatten der Apokalypse mindern den Spannungsbogen allerdings zu keinem Zeitpunkt – im Gegenteil. Beeindruckend auch, wie Keene auf wenigen Seiten Charakterbeziehungen aufbaut und Charakter-Typen schafft.

 

Das Preis/Leistungs-Verhältnis des Taschenbuchs stimmt dennoch nicht ganz – wer nach Keenes bisherigen Auftritten jedoch Blut geleckt hat, greift wahrscheinlich besser trotzdem zu. Denn auch wenn die »konventionelle« Horror-Note diesmal etwas zurückgedreht ist, entpuppt sich Brian Keenes knackige Novelle einmal mehr als ein äußerst intensiv und authentisch geschildertes Apokalypsen-Szenario des neuen Sterns am Himmel – bzw. in der Hölle - der Horror-Literatur.

 

 

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Buch:

Der lange Weg nach Hause

Autor: Brian Keene

Otherworld Verlag, März 2008

Taschenbuch, 159 Seiten

ISBN: 3902607017

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.08.2008, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57