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Der schwarze Atem Gottes von Michael Siefener

Rezension von Christel Scheja

 

Michael Siefener wurde 1961 geboren, studierte und promovierte in den Rechtswissenschaften, entschied sich aber dann als Übersetzer zu arbeiten und phantastische Erzählungen und Romane zu verfassen. Sein aktuellstes Werk ist „Der schwarze Atem Gottes“.

 

Im Jahr 1599 steht Europa kurz vor einem neuen Jahrhundert und hat gerade erst eines hinter sich gebracht, in dem viel geschehen ist – die Erkundung und Eroberung der neuen Welt, die Renaissance mit all ihren technischen Neuerungen und die Rückbesinnung auf die Werte der Antike und die Reformation.

Allerdings haben die ganzen Veränderungen auch bewirkt, dass die gesellschaftlichen Strukturen und Glaubenswahrheiten auf die Probe gestellt und viele Menschen dadurch zu Zweiflern wurden. Nicht Adel und Volk lassen sich auf dunkle Praktiken ein, auch die Kirche ist verstärkt auf der Suche nach Hexen und ihren Meistern, Dämonenanbetern und monströsen Kreaturen.

Martin ist ein junger Mönch aus dem Kloster Ebersberg, der mit dem Hexenschnüffler Hilarius und anderen durch das Land reist, um in der Bevölkerung nach Teufelsanbeterinnen und Dämonenknechten zu suchen. Doch schon bald zeigt sich, dass die dunklen Kräfte ebenfalls zum Angriff rüsten. Graf Albert von Heilingen schart seine Getreuen um sich und benutzt sowohl die mittellose Diebin Maria oder den zwielichtigen Gaukler Felarius für seine Zwecke.

Schon bald müssen die Mönche einiges durchmachen – Überfälle und Folter bringen so manche unangenehme Wahrheit ans Licht, ein Succubus bringt ausgerechnet den naiven Martin dazu, seine Gelübte zu brechen.

Am Ende führt die dunkle Spur nach Prag, wo sich das Schicksal der Welt und Kaiser Rudolfs erfüllen könnte, wenn es dem skrupellosen Hexenmeister und seinem Zirkel gelingt ein Tor zur Dämonenwelt zu öffnen.

 

„Der schwarze Atem Gottes“ kann vor allem durch seine Atmosphäre punkten. Michael Siefener gelingt es ausgezeichnet, die düstere Atmosphäre des ausgehenden 16. Jahrhunderts in Szene zu setzen. Viele Menschen sind von Aberglauben beherrscht, die Unruhe und Angst äußert sich in brutaler Hexenverfolgung, die jeden in ihre Klauen bringen kann, selbst den unschuldigsten und naivsten Mönch, der bisher fern von den Gelüsten und Gefahren der Welt gelebt hat und nun um so grausamer Bekanntschaft damit machen muss.

Der Autor bedient sich bewusst der gängigen Klischees, zeigt, dass auch die scheinbar „Guten“ nicht unbedingt eine weiße Weste haben und schwelgt genüsslich in der Beschreibung von Folterszenen. Auch Sex kommt nicht zu kurz.

Bei den Figuren können vor allem der junge Martin und die Herumtreiberin Maria überzeugen. Sie sind die Sympathieträger des Buches, denen das Schicksal mehrfach übel mitspielt. Die anderen Charaktere bleiben eher blass, sind mehr oder weniger auf ihre Funktion reduziert.

Trotz allem fehlt es der Geschichte an Spannung. Es gibt kaum Wendungen, die wenigstens etwas überraschen können, Probleme und Schwierigkeiten werden meistens zu einfach gelöst, weil den Helden der Zufall zur Hilfe kommt und die Handlung selbst verläuft gerade in der ersten Hälfe viel zu schwerfällig.

 

Alles in allem bleibt ein zwiespältiger Eindruck. „Der schwarze Atem Gottes“ ist auf der einen Seite sehr atmosphärisch geschrieben und überzeugt durch den lebendigen Hintergrund, verliert aber bei der Spannung, weil die Geschichte einfach zu glatt und geradlinig verläuft und so gut wie immer die Klischees erfüllt, die man von Setting und Thema erwartet.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Der schwarze Atem Gottes

Autor: Michael Siefener

Atlantis Verlag, 09/2012

Titelbild: Timo Kümmel

 

ISBN-10: 3864020336

ISBN-13: 978-3864020339

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B009F12AVW

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 29.08.2013, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57