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Der Spiegel der Königin von Nina Blazon

Rezension von Christel Scheja

 

Nina Blazon debütierte mit ihrem Fantasy-Roman "Im Bann des Fluchträgers" 2003 gleich mit dem Gewinn des "Wolfgang Hohlbein"-Preises. Nach vier weiteren Fantasy-Romanen präsentiert sie nun mit "Der Spiegel der Königin" ihren ersten historischen Roman.

Sie beschäftigt sich darin mit dem Leben der bekannten schwedischen Königin Kristina zwischen den Jahren 1647 und 1650.

 

Das Mädchen Elin arbeitet als Magd in der Küche des Bischofs von Uppsala. Mehr kann die Waise von zweifelhafter Herkunft nicht vom Leben erwarten. Doch gerade durch ihre rebellische Art erregt sie die Aufmerksamkeit der jungen Regentin Kristina, die gerade in der Stadt weilt. Kurzerhand nimmt sie das Mädchen mit sich in ihr Schloss bei Stockholm.

Elin braucht etwas Zeit, um sich an die plötzliche Veränderung in ihrem Leben zu gewöhnen, denn nun verlangt man von ihr, sich wie eine Dame zu benehmen, zu reiten und schließlich auch Lesen und Schreiben zu lernen, um sich weitere Bildung anzueignen.

Vor allem die Hofdame Lovisa kümmert sich um sie und versucht ihr abzugewöhnen offen zu sagen, was sie denkt. Doch genau das ist es, was Kristina so an dem jungen Mädchen schätzt und weiterhin erwartet.

Als Elin ihr dann auch noch auf einer Jagd das Leben rettet, da sie die Aufmerksamkeit von Attentätern auf sich zieht, möchte die kommende Königin sie gar nicht mehr missen. So kommt das ehemalige Küchenmädchen in den Genuss, Kristina von Schweden besser kennen zu lernen.

Die Tochter Gustav Adolfs freut sich über den Westfälischen Frieden von 1648, der ihr die Gelegenheit gibt, sich nun nicht mehr auf den Krieg im fernen Deutschland, sondern auf Reformen in ihrem Land zu konzentrieren. Elin erlebt mit, wie sehr die Regentin gegen die Widerstände der konservativen ankämpft, um ihre Ideen durchzusetzen, und wie wenig sie letztendlich von ihren Reformen umsetzen kann. Denn anders als viele Angehörige der Regierung ist sie dem Katholizismus gegenüber tolerant und wünscht ein Miteinander der Glaubensrichtungen. Zudem drängt man Kristina immer wieder ihren Cousin zu heiraten, um den Land endlich einen Thronfolger zu schenken und die Linie zu sichern. Und sie lernt auch den großen Philosophen René Descartes kennen, der die kurz vor ihrer Krönung stehende Königin sehr beeindruckt hat.

Elin wird im Schatten der Macht erwachsen, aber sie bleibt sich treu. Immer mehr fühlt sie sich aber auch von Kristina erdrückt, denn diese will sie nicht gehen lassen, als das Mädchen eigene Interessen entwickelt: Zum einen möchte sie heraus finden, wer ihre Mutter war, zum anderen kann sie den jungen französischen Adligen Henri de Valoncourt nicht mehr vergessen, der nach anfänglichen Spott um sie wirbt.

 

Der Titel des Buches kann auch anders gedeutet werden als man zunächst denken mag: Elin das Küchenmädchen und Kristina die Königin sind sich sehr ähnlich, auch wenn sie aus zwei unterschiedlichen Schichten kommen. sie wissen was sie wollen, und versuchen ihre Ziele zu erreichen. Sie kämpfen für ihre Ideale und lassen sich nicht gerne in gesellschaftliche Korsetts zwängen. Zunächst bewundert Elin die charakterstarke Königin, doch mit den Jahren gewinnt auch sie an Kraft. Das Buch lebt von den Konflikten und dem Wechselspiel zwischen den beiden starken Frauen, die sich nichts schenken, aber für eine Weile doch mehr als jeden anderen Menschen brauchen.

Nina Blazon schildert nachvollziehbar die Entwicklung ihrer Heldin, die mit jedem Stück Bildung das sie sich aneignet selbstbewusster und selbstständiger wird. Sie vergisst darüber hinaus aber auch nicht die anderen Figuren - seien es nun Adlige oder einfaches Volk - mit Leben zu erfüllen.

Anschaulich erweckt sie die Lebensumstände am Hofe und auf dem Land zum Leben, schildert die Glaubenskonflikte, die auch in Schweden noch ihre Auswirkungen zeigen und klammert die politische Situation nicht aus. Jugendgerecht endet das Buch zwar mit einer positiven Wendung - aber es ist mehr als nur eine einfache Liebes- und Abenteuer-Geschichte.

 

Nina Blazon hat sehr viel Liebe und Recherchearbeit in ihr neustes Werk gesteckt, das merkt man auch ihren Nachwort an. Und es hat sich gelohnt:"Der Spiegel der Königin" ist ein rundum spannendes und lebendiges Buch, in dem sich vor allem viele junge Frauen wiederfinden werden. Auch erfahrene Leser werden von der Tiefe und Spannung der Handlung nicht enttäuscht.

 

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Buch:

Der Spiegel der Königin

Autor: Nina Blazon

Titelbild: Henriette Sauvant

Gebundene Ausgabe - 345 Seiten - Ravensburger Buchverlag

Erscheinungsdatum: Februar 2006

ISBN: 3473352578

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.03.2006, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53