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Der Täter von John Katzenbach

Rezension von Eileen Weinreich

 

Der pensionierte Detective Simon Winter hat gerade vor, seinem Leben ein Ende zu setzen, als seine Nachbarin Sophie Millstein vollkommen aufgelöst bei ihm klingelt. Sophie erzählt Simon, sie habe den Schattenmann gesehen, einen ehemaligen Greifer aus Berlin, der während des zweiten Weltkrieges Jagd auf Juden gemacht und sie den Nazis ausgeliefert hat. Sophie fühlt sich bedroht und glaubt, dass der Schattenmann sie nun umbringen will. Simon schenkt den Erzählungen der alten Dame nicht allzu viel Glauben, da die Vorfälle immerhin schon fünfzig Jahre her sind und es sich auch schlicht um eine Verwechslung handeln könne. Dennoch verspricht Simon ihr, zu recherchieren. Kurz darauf allerdings wird Sophie erdrosselt in ihrer Wohnung gefunden. Simons Zweifel hinsichtlich des Schattenmanns beginnen zu bröckeln und er beginnt mit seinen Nachforschungen.

 

Detective Walter Robinson wird derweil offiziell mit den Ermittlungen rund um den Mordfall betraut. Für ihn sieht alles nach einem Raubüberfall aus, bei dem die alte Dame mehr rein zufällig umgebracht wurde. Als allerdings ein weiterer der überlebenden Berliner Juden, die inzwischen in Miami wohnen, spurlos verschwindet, drängt sich auch Robinson der Verdacht auf, dass der Schattenmann mehr als ein Hirngespinst sein muss…

 

Kritik

 

John Katzenbach steht innerhalb des Thrillergenres für Romane, deren Plots fernab liegen vom typischen Serienkillermainstream. Dass der Autor sein Handwerk nahezu meisterhaft beherrscht, zeigt er auch mit „Der Täter“ wieder. Katzenbach schafft es wie nur wenige andere, die bekannte Seriemörderhatz vor einen Hintergrund zu bringen, wie er außergewöhnlicher kaum sein könnte. Dabei ist es besonders interessant, wie er historische Fakten in seinen Plot verwebt, sodass der Roman mehr ist als nur ein weiterer Thriller im Genre. Ohne auf die Mitleidsdrüse zu drücken, lässt er seine Figuren schonungslos die Schrecken des zweiten Weltkrieges schildern. Die Schilderungen wirken dabei sehr authentisch, was vermutlich nicht zuletzt an der guten Recherchearbeit des Autors liegt, die er im Nachwort ausführlich dokumentiert. Die Tatsache, dass in „Der Täter“ Fiktion mit einer sehr großen Portion Realität verwoben wird, macht den Roman zu einem besonderen Lesestoff. Viel wichtiger allerdings ist, dass dies den Roman glaubwürdig erscheinen lässt. Dies erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre, bei der man gespannt und geschockt gleichermaßen ist.

 

Katzenbachs Schreibstil ist gewohnt ausufernd, dabei aber niemals langweilig oder übertrieben detailliert. Er beschreibt soviel wie nötig, um sich Figuren, ihre Hintergründe sowie profanere Dinge wie Umgebungen vorstellen zu können. Gut gelungen sind ihm aber besonders die Passagen, in denen aus nach wie vor auktorialer Sichtweise die Gedankengänge der Hauptfiguren beleuchtet werden. Erscheint dies meist nur aus der Ich – Perspektive wirklich glaubhaft und überzeugend, schafft Katzenbach es hier auch aus der etwas unpersönlicheren Perspektive. Zu überzeugen weiß auch, wie Katzenbach dem Leser den Handlungsort, Miami, nahebringt. Man selbst dürfte wohl einen recht verklärten Eindruck der Strandstadt haben. Dass Miami nur aufgrund der vielen Sonne und der malerischen Strände dennoch kein Synonym für das Paradies auf Erden ist, zeigt der Autor hier sehr deutlich. Dies mag zwar zunächst befremdlich wirken, hält man sich aber vor Augen, dass der Autor in Miami lebte und arbeitete, wirkt es plötzlich sehr authentisch und realistisch gleichermaßen.

 

Die Figuren in „Der Täter“ sind von ihrem Naturell her zwar hinreichend bekannt, dennoch passen sie hier aber und wirken nicht aufgesetzt. Dies trifft natürlich in ganz besonderem Maße auf die jüdischen Flüchtlinge zu. Innerhalb der Protagonisten trifft man immer wieder auf Stereotypen, was man dem Autor allerdings kein bisschen übel nimmt. Denn sowohl der pensionierte Detective, als auch die aufstrebende Staatsanwältin und der junge ermittelnde Polizist der Mordkommission passen hier einfach ins Setting. Hätte man hier vollkommen überdrehte oder unkonventionelle Charaktere gewählt, wäre ein großes Stück Überzeugung verloren gegangen. So kann man sich also in alle agierenden Figuren hinein versetzen.

 

Unterm Strich betrachtet ist „Der Täter“ mit allem, was dem Leser von Katzenbach geboten wird, also alles andere als der typische Serienkillerthriller. Dieser Roman setzt nicht auf bergeweise Leichen und verstümmelte Opfer, um Spannung zu erzeugen. Spannung wird hier vielmehr über die Atmosphäre, die authentischen Berichte der fiktiven jüdischen Flüchtlinge und die allgegenwärtige Bedrohung durch den Schattenmann erreicht. Allein dies weiß zu gefallen und den Leser an den Roman zu fesseln.

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Thriller:

Der Täter

Autor: John Katzenbach

Broschiert: 592 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (11. Januar 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426505347

ISBN-13: 978-3426505342

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.02.2010, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57