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Der Teufelspakt von Michael Siefener

Rezension von Ellen Norten

 

Diese Rezension erschien zuerst in Kultura-Extra.

 

Unheimlich!

 

Wie könnte ein Serienmörder »ticken«. Was veranlasst einen völlig zurückgezogenen, weltfremden Mann dazu andere Menschen zu zersägen, im Blutrausch deren Schmuck und Geld zu stehlen, um es einer fragwürdigen Geliebten zu schenken. Michael Siefener hat sich die Antwort nicht leicht gemacht. Alles beginnt mit einem geheimnisvollen Manuskript, das in der Zeit der Hexenverfolgungen spielt.

 

Obwohl die Personen darin zu Beginn der Neuzeit leben gibt es fatale Parallelen zum hier und jetzt. Da ist die reizvolle Renata, Frau des Schultheißen, die in Susanne eine moderne Doppelgängerin findet, beide verkörpern blonde Engel, so unschuldig wie begehrenswert.

 

»Wie eine leuchtende Lilie in der Nacht sah sie aus in ihrem weißen, schlichten und züchtigen Kleid, unter dem sich jedoch unbändig die großen Brüste bei jedem Atemzug hoben und senkten. Die weiße Haube auf ihren Haaren ließ sie noch begehrlicher wirken. Dem armen Johannes benahm ihr Anblick beinahe den Atem.«

S. 48

 

Im schwarz gebundenen Manuskript raubt Renata dem brünftigen Priester Johannes den Verstand. Halb Hure halb Heilige mutiert sie zur obszönen Satansbraut und bringt den Mann Gottes dazu einen Pakt mit dem Teufel zu unterschreiben, der ihn in die ewige Verdammnis führt.

 

Jan Droom, der erfolglose Schriftsteller gerät an Susanne, die ihn jungfräulich-keusch auf Abstand hält. Damit gelingt es ihr die Lust in den Lenden des verklemmten Protagonisten anzuheizen. Auf einer Party am Stadtrand von Köln kippt die Szenerie und eskaliert. Die coolen Gäste sind zur Orgie bereit und Jan kann tatsächlich seine Susanne besitzen.

 

»›Komm schon, du wolltest es doch immer. Besorg mir’s jetzt‹, stöhnte sie in heißer Erwartung. Jan war immer noch erregt, wie in einem unmöglichen Traum. Er packte sie um die Hüften, stieß brutal zu und rammte sie mit rasender Geschwindigkeit. Ihr schien es zu gefallen, ihre Säfte flossen, ihre Stimme überschlug sich, sie machte wilde Gegenstöße, sie kam. Kam immer wieder. Auch Jan fand erneut zum Höhepunkt, brüllte durch die zusammengebissenen Zähne, machte weiter, stieß sich die Seele aus dem Leib. Alle Schreie vermischten sich zu einer Hymne der Raserei.«

S. 265

 

Der Preis, den Jan bezahlen muss ist hoch. Gastgeber Bernd Winter fungiert als Satan und auch Jan muss den Teufelspakt eingehen. Dies ist der Anfang vom Ende, die grausame Mordserie im Köln der neunziger Jahre nimmt ihren Lauf.

 

Große Teile des Romans sind in Tagebuchform verfasst, wechseln ab mit Beschreibungen aus Sicht des Protagonisten und Textpassagen des alten Manuskripts. Die Grenzen werden fließend, das Werk teilt seine Kapitel einzelnen Tagen zu und folgt damit dem Aufbau eines Tagebuchs. Die düstere, aber edle Gestaltung des Romans unterstützt das Unheimliche, Köln der Handlungsort erscheint in seinen dunkelsten Farben.

 

Die fesselnden Ereignisse, sowie die bizarren Charaktere beschreibt Michael Siefener in einer ausgefeilten Sprache, die uns tief in die spektakulären Handlungen reißt. Sind es nur die Fantasien des Protagonisten oder hat er die schrecklichen Bluttaten wirklich verübt? Schauen wir in das Hirn eines Schizophrenen oder ist hier der Teufel am Werk? Viele Erklärungen sind möglich, die das Unheimliche greifbar machen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Der Teufelspakt

Autor: Michael Siefener

Gebunden, 347 Seiten

Atlantis Verlag, 25. September 2020

Cover und Illustrationen: Timo Kümmel

 

ISBN-10: 3864026806

ISBN-13: 978-3864026805

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0872J6YJR

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.12.2020, zuletzt aktualisiert: 06.01.2021 16:26