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Der Todesstoß von Wolfgang Hohlbein

Reihe: Die Chronik der Unsterblichen Bd.3

Rezension von Christoph Fischer

 

Klappentext:

Osteuropa im 15. Jahrhundert

Als der Schwertkämpfer Andrej eine junge Zigeunerin vor dem Scheiterhaufen rettet, ahnt er nicht, dass diese Begegnung sein Leben verändern wird. Alessa ist eine Unsterbliche wie er, doch leidet sie an einer mysteriösen Krankheit. Fassungslos muss Andrej wenig später ihren Tod beklagen, nahm er doch bislang an, Wesen seiner Art könnten nur durch eine Gewalttat sterben.

Die Suche nach der Puuri Dan, der weisen Frau aus Alessas Sippe, von der Andrej mehr über die Herkunft des Mädchens - und damit auch seine eigene - zu erfahren hofft, führt ihn und den ehemaligen Piratenkapitän Abu Dun bis nach Bayern.

Ihre Reise nach Bayern, wo sie mehr über die Herkunft der Unsterblichen Alessa zu erfahren hoffen, führt Andrej und Abu Dun in das kleine Dorf Trentklamm. Hier begegnet man ihnen mit äußerstem Misstrauen. Fremde scheinen hier nicht willkommen zu sein. In diesem kleinen Ort stoßen sie auf schreckliche, nur entfernt menschenähnliche Geschöpfe.

Einzig Birger bietet den beiden Reisenden seine Gastfreundschaft an und offenbart die Gründe für die Zurückhaltung: Anhänger eines alten Teufelskultes, die ein abgelegenes Bergdorf bewohnen, überfielen das ruhige Trentklamm einige Zeit zuvor und raubten Frauen und Kinder. Auch die Tochter Birgers gehört zu den Verschleppten.

Bei dem Versuch, das Mädchen zu befreien, geraten Andrej und Abu Dun in die Fänge eines dämonischen Geschöpfes, einer Bestie. Nach einem erbitterten Kampf, den Andrej mit knapper Not überlebt, büßt er nach und nach seine übermenschlichen Kräfte ein.

Mit Hilfe des jungen Paters Thobias muss er schließlich fast zu spät entdecken, wie eng seine eigene Herkunft und die der Ungeheuer miteinander verknüpft sind.

Enger als ihm lieb ist...

 

Beurteilung:

Der Roman „Der Todesstoss“ ist nach „Am Abgrund“ und „Der Vampyr“ der dritte Band in der „Chronik der Unsterblichen“ von Wolfgang Hohlbein. 1953 in Weimar geboren, zählt Wolfgang Hohlbein heute zu Deutschlands erfolgreichsten Autoren fantastischer Unterhaltung. Sein 1993 veröffentlichter Roman „Das Druidentor“ rangierte fast ein Jahr lang auf den Bestsellerlisten.

Die „Chronik der Unsterblichen“ erzählt die Geschichte des Schwertkämpfers Andrej und seines besten Freundes, des ehemaligen Piratenkapitäns Abu Dun. Bei ihrer ersten Begegnung gegen Ende des Romans „Am Abgrund“ waren sie Feinde. Aber nach einem heimtückischen Angriff seitens Dritter, in der Abu Dun sein Schiff samt Besatzung und Andrej seine Verwandten auf grausame Weise verloren, rauften sie sich zusammen, um gemeinsam Rache an den Schuldigen zu nehmen. Nun sind sie schon mehr als 10 Jahre zusammen und schlagen sich durch das kriegsgebeutelte Europa des 15. Jahrhunderts. Das besondere dabei ist, dass Andrej ein Unsterblicher, ein Vampyr, ist. Andrej ist auf der Suche nach anderen seiner Art, immer vorangetrieben von der Frage: „Was bin ich?“

 

Der Roman ist gebunden und die Schrift sehr gut lesbar. Das Seitenlayout ist, wie bereits bei den erschienenen Bänden, meiner Meinung nach etwas zu großzügig ausgefallen: an den Seitenrändern wurde viel Platz gelassen, wodurch die Seitenanzahl künstlich erhöht wird.

Auf der Vorderseite zeigt das schlichte Cover einen Treppenaufgang aus der Barock- Zeit. Damit erweckt es beim Leser, der die „Chronik der Unsterblichen“ noch nicht kennt, einen falschen Eindruck über die zeitliche Einordnung der Handlung. Die Geschichte um Andrej spielt in Osteuropa im 15. Jahrhundert. Über diesen Umstand klärt aber der Klappentext auf der Rückseite des Buches auf. Dieser ist endlich mal von jemandem verfasst worden, der das Buch zu kennen scheint. Die Beschreibung deckt sich mit dem tatsächlichen Inhalt des Buches.

 

Im dritten Band der Chronik fällt gerade die Wortwahl von Hohlbein auf. Satzfloskeln wie z.B. „… mehr aufgewühlt, als er gerade zugeben wollte, …“ wiederholen sich in allen bisher erschienenen Bänden. Auch beglückt Hohlbein den aufmerksamen Leser zum zweiten Mal mit dem Wissen, dass das Wort Zigeuner von „ziehende Gauner“ kommt. Allein Andrej erinnert sich dieses Umstandes nicht, obwohl ihm genau die gleiche Erklärung bereits Vlad in „Der Vampyr“ gab.

Inhaltlich geht es wieder einmal um eine Intrige. Diesmal aber um eine große, die sich durch das ganze Buch zieht. Vom Thema Unsterbliche über Vampire verarbeitet Hohlbein nun Werwölfe als Antagonisten. Wie bei den vorangegangenen Büchern wird der Leser am Ende enttäuscht feststellen, dass sich auf eine beantwortete Frage gleich zwei neue ergeben. So kommt nun zu den Vampyren der Mythos „Werwolf“ hinzu, und es stellt sich die Frage: „Was sind Vampyre und Werwölfe wirklich?“. Eine Krankheit, eine Ausgeburt des Teufels oder nur ein interessanter Beweis dafür, dass die Evolution nicht mit dem Homo sapiens aufgehört hat?

Bedauerlich finde ich, dass im ganzen Buch kein Wort mehr über Frederic fällt, der kleine Junge aus den vorherigen Romanen, so als hätte es ihn nie gegeben. Es ist schade, dass ein Charakter der ersten Stunde so einfach von einem Band zum nächsten verschwindet. Gerade weil er ein Unsterblicher ist und zudem gegen Ende des zweiten Bandes eine sehr „gruselige“ Verwandlung durchmacht. Es wird sicher nicht nur mich interessieren, was aus ihm geworden ist.

 

Fazit:

Beim Lesen des Romans hatte ich das Gefühl, dass nicht wirklich viel passiert. Das Buch hat zumindest mit 405 Seiten mehr Papier als die beiden vorherigen, doch die beiden Hauptcharaktere erleben im Verhältnis nicht viel. Eigentlich befreien sie nur die Zigeunerin Alessa, reisen nach Deutschland in ein Bergdorf und stoßen dort auf unheimliche Vorgänge, denen sie auf den Grund gehen wollen. Dabei werden sie zu Spielbällen einer großen Intrige. Trotzdem kommt keine Langeweile auf, und die Geschichte bleibt durchweg spannend. Gerade gegen Ende des Buches konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, weil ich endlich des Rätsels Lösung erfahren wollte. Ob der Leser dann mit dieser auch zufrieden ist, steht woanders geschrieben.

Mir persönlich hat das Bild vom Werwolf, welches Hohlbein in „Der Todesstoss“ vertritt, überhaupt nicht gefallen. Das liegt aber sicher an meiner Voreingenommenheit. Zu sehr habe ich die Gestaltwandler des Rollenspielsystems „Werwolf – Die Apokalypse“ vom Verlag White Wolf schätzen gelernt. Dort sind die Werwölfe edle und zugleich tödliche Killermaschinen, die einen ausweglosen Kampf um die Erhaltung der Mutter Natur kämpfen. Also nicht zu vergleichen mit dem traurigen Bild, welches sie in diesem Roman abgeben. Der unvoreingenommene Leser, der Hohlbein im allgemeinen mag oder erfahren will, wie die Geschichte um Andrej weiter geht, wird aber sicher auch an diesem Buch gefallen finden.

Die Beschreibung der Orte ist Hohlbein wieder einmal gelungen. Der Leser kann förmlich die Schauplätze der Geschichte vor dem geistigen Auge sehen, ohne dass er sich durch seitenlange Beschreibungen ohne Handlung arbeiten muß.

Für den Roman „Der Todesstoss“ muß man nicht unbedingt die bisher erschienenen Bände der Chronik kennen. Mit dem Wissen aus z.B. dieser Rezension ist man weitgehend gewappnet, die Vorgänge im Buch zu verstehen. Trotzdem empfiehlt es sich, Band eins und zwei der Chronik vorher zu lesen, weil man dadurch einen chronologischen Überblick über die Handlung erhält.

 

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Eure Meinung:

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Diana
Sonntag, 12. Februar 2006 13:00 Uhr
cooles buch, hab ich schon gelsen...echt interessant und fesselnd!

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Titel: Der Todesstoß

Autor: Wolfgang Hohlbein

Reihe: Die Chronik der Unsterblichen, Bd.3

geb. Ausgabe - 406 Seiten - VGS-Verlagsgesellschaft

ISBN: 3-8025-2771-2

Erscheinungsdatum: 2001

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 11.11.2005, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57