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Die Ambler-Warnung von Robert Ludlum

Rezension von Ralf Strohbach

 

Der mittlerweile verstorbene Thriller-Autor Robert Ludlum schaffte es bereits zu Lebzeiten mehrfach auf die Bestsellerliste der New York Times. In der Vergangenheit sind bereits mehrere Romane mithilfe diverser Co-Autoren posthum veröffentlicht worden. Bei "Die Ambler-Warnung" wurde auf die Nennung eines Co-Autoren verzichtet, was die Vermutung nahe legt, dass der Verlag bereits das komplette Werk vorliegen hatte und eine nachträgliche Arbeit eines anderen Autoren nicht mehr nötig war. Somit handelt es sich bei dem gewohnt umfangreichen Buch tatsächlich um einen echten Ludlum ...

 

Hal Ambler hat ein Problem: er sitzt in einer Zelle, bekommt täglich eine ganze Ladung Medikamente und jeder der ihm begegnet, behandelt ihn wie einen psychisch Kranken. Zugegeben, durch die Psychopharmaka redet er etwas wirr und die Motorik setzt hin und wieder mal aus, aber Ambler ist sich sicher, dass er noch ganz richtig tickt. Seine Erinnerungen sind stellenweise sehr vage und undifferenziert aber in den wenigen Momenten der Klarheit überkommt ihn die Erkenntnis, dass er früher ein sogenannter Stab-Boy, ein Auftragskiller in Regierungsdiensten, war. Nur warum hat man ihn eingesperrt? Dieser Frage kann Ambler nur nachgehen, wenn es ihm irgendwie gelingt, aus seiner Isolation auszubrechen ...

Mithilfe der attraktiven Pflegerin Laurel schafft es der ehemalige Agent tatsächlich aus der streng geheimen Anstalt zu entfliehen, doch es stellen sich sofort neue, noch drängendere Fragen. Es hat den Anschein, als habe die Person Hal Ambler nie existiert. Stetiger Zweifel nagt an dem ehemaligen Auftragskiller; wer ist er und was liegt in den Schatten seiner Vergangenheit?

 

Mit "Die Ambler-Warnung" legte Robert Ludlum noch einmal einen rasanten Roman in bester Tradition der Jason Bourne-Romane vor. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Der Geheimagent mit Erinnerungslücken, seine attraktive und überaus intelligente Helferin und ein weltumspannendes Komplott - das kommt einem schon hinlänglich bekannt vor ...

Doch auch wenn die Grundzüge schon bekannt sind, sollte bei diesem Plot doch ausreichend Stoff für einen soliden, actiongeladenen Thriller gegeben sein. Leider verzettelt sich der Autor in seiner Detailverliebtheit und verwirrt den Leser anfangs mit einer Vielzahl von Abkürzungen und Namen. Im Verlauf der Handlung verlagert er seinen erzählerischen Schwerpunkt. Gelegentlich kommt sogar Langeweile auf, wenn Ludlum sich einmal mehr der Innenausstattung einiger Räume zuwendet - ohne das dies für die Handlung von Belang wäre ...

Die Geschichte plätschert jedoch über weite Strecken munter vor sich hin, vermag auch zu fesseln - wirklich mitreißen und packen kann die Handlung den versierten Thrillerfan dann aber doch nicht. Zu viele Handlungsorte, Organisationen und Personen bevölkern den annähernd 650 Seiten umfassenden Roman, sodass die dichte Atmosphäre immer wieder gestört wird. Das Ende ist etwas lieblos in den Handlungsrahmen gezimmert und wirkt nicht sehr plausibel. Hier hätte man entweder stringent kürzen müssen oder dem Roman noch ein paar Seiten mehr einräumen müssen. Ludlum hat versucht alle Register zu ziehen; wollte die Geschichte auf mehreren Ebenen erzählen und die Handlung von zwei Seiten beleuchten. Schade, dass ihm irgendwann die Puste ausgegangen ist.

 

Sofern man noch nicht zu viele Ludlum-Romane gelesen hat, erhält man mit dem vorliegenden Agententhriller einen spannenden Roman, der jedoch bestenfalls als solide Thrillerkost durchgeht. Freunden der Bourne-Trilogie wird vieles bekannt vorkommen - hier muss jeder für sich die Entscheidung treffen, ob ihm dieses Wiederkäuen derselben Handlung 9,95 Euro wert ist.

 

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Die Ambler-Warnung

Autor: Robert Ludlum

Übersetzer: Wulf Bergner

Broschiert: 638 Seiten

Verlag: Heyne TB (April 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453432916

ISBN-13: 978-3453432918

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.05.2008, zuletzt aktualisiert: 22.10.2019 14:35