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Die Anklage von D. M. Cornish

Monster Blood Tattoo

Rezension von Bine Endruteit

 

Inhalt:

Endlich in Winstermill angekommen, kann Rosamund die Ausbildung zum Laternenanzünder antreten. Aufgrund einiger Zwischenfälle bei seiner Reise vom Waisenhaus hierher ist er eine Woche zu spät angekommen, trotzdem fügt er sich schnell in den Tagesablauf ein, der für die Lehrlinge vorgesehen ist. Im Umgang mit Schusswaffen ist er zwar nicht der Geschickteste, dafür hat er ein Talent für Chemikalien und Tinkturen. Somit bekommt er das Salumanticum anvertraut, eine Tasche, in der sich nicht nur Medizin zur Behandlung von Wunden befindet, sondern auch Mittel zur Monsterabwehr.

 

Tatsächlich stößt seine Gruppe gleich bei ihrer ersten Tour auf eine Gruppe von Monstern, die eine Kutsche überfallen haben. Nur mit Mühe gelingt es den Passagieren des Gefährts mit Unterstützung der Laterner, den Angriff trotz tragischer Verluste für sich zu entscheiden. In der Kutsche reiste Threnody, ein Mädchen in Rosamunds Alter, welches auch unbedingt die Ausbildung zum Laternenanzünder absolvieren möchte, was angesichts ihres Geschlechts und ihres hohen Rangs zwar äußerst ungewöhnlich ist, aber trotzdem durchgesetzt wird.

 

Rosamund und Threnody freunden sich auf ihre Art an, auch wenn der Junge eher zurückhaltend und das Mädchen etwas hochnäsig und unberechenbar ist. Ein wenig Rückhalt kann Rosamund in seinem Leben aber wirklich gut gebrauchen, schließlich hat er immer wieder mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen. Nicht nur immer mehr Monster scheinen seine Welt unsicher zu machen, auch in den eigenen Reihen passieren merkwürdige Dinge. Kann Rosamung wirklich jedem in Winstermill vertrauen? Leider scheint es nicht so zu sein und Verrat und Misstrauen werden zu seinen täglichen Begleitern.

 

Rezension:

Mit "Die Anklage" geht die Serie "Monster Blood Tattoo" in die zweite Runde. Den ersten Band "Der Findling" sollte man unbedingt kennen, damit einem die Zusammenhänge klar sind. Außerdem hätte man sonst Schwierigkeiten sich in die komplexe und neu erdachte Welt, die der Autor D.M. Cornish hier erschaffen hat, einzufinden. Auf den ersten Blick erscheint es so, als würde man lediglich einen Sprung in ein längst vergangenes Jahrhundert machen, in dem die Männer noch einen Dreispitz und einen Gehrock trugen, aber schnell wird klar, dass sich der Autor nur oberflächlich an dieser Zeit orientiert. Vielmehr ist sein Universum so komplex, dass es eine eigene Landkarte und sogar einen eigenen Kalender hat. In einem ausführlichen Anhang werden außerdem zahlreiche seiner Wortkreationen erklärt. Durch diese Detailverliebtheit gelingt es D.M. Cornish, die Leser schnell in seinen Bann zu ziehen. Der Halbkontinent, auf dem Rosamunds Geschichte spielt, wird in unseren Köpfen lebendig, er gewinnt an Substanz und scheint mit jeder Seite realer zu werden. Ein solches Kunststück verstehen nur wenige Autoren zu vollbringen.

 

Tatsächlich lernt man als Leser die Welt so kennen, wie sie sich dem Protagonisten Rosamund zeigt, aus dessen Sicht die Handlung geschildert wird. Somit wird man nicht von vornherein mit einer Vielzahl an Informationen überschüttet, sondern entdeckt den Halbkontinent nach und nach mit ihm gemeinsam, denn auch für Rosamund ist vieles neu, nachdem er das Waisenhaus verlassen hat. So sind Menschen zum Beispiel zu Monsterjägern geworden, indem sie sich mittels chirurgischer Eingriffe verändern ließen. Auf diese Art sind zahlreiche fantastisch anmutende Wesen entstanden, die farbige Augen haben, Blitze schleudern können oder den Gegner mittels Gedankenkraft zu schwächen vermögen.

 

Im Gegensatz zum ersten Band, nimmt die Spannung deutlich zu. Was sich einem aufmerksamen Leser bereits in "Der Findling" andeutete, wird hier nach und nach zur Gewissheit und führt zu einem nicht komplett überraschenden, aber fulminanten Ende des zweiten Teils, das einen atemlos und mit Spannung auf die Fortsetzung wartend zurücklässt.

 

"Monster Blood Tattoo" zeichnet sich nicht nur durch seine Tiefe in der Erzählung, sondern auch durch die gewählte und edel wirkende Sprache aus. Sie wirkt leicht altertümlich, ist aber trotzdem modern und leicht verständlich. Mit seinen eigenen Wortkreationen gelingt es dem Autor, sie auf ihre Art außerdem etwas fremdartig erscheinen zu lassen.

 

Fazit:

Weit ab von klischeebeladenen Fantasywelten voller Drachen, Feen, Elfen, Orks und Kobolden und erst recht ganz ohne Vampire ist es D.M. Cornish gelungen, eine eine Welt zu erschaffen, die ungewöhnlich und spannend zu entdecken ist. Zwar gibt es hier Monster, (sie bilden den noch verschwommen wirkenden Gegner, aber auch das Geheimnisvolle, das für Rosamund einen hohen Reiz ausübt), sie sind aber nicht stereotyp und man man wird immer wieder davon überrascht, wie vielfältig sie erdacht wurden.. Hier wird bewiesen, dass es immer noch möglich ist, spannende Fantasy-Romane zu verfassen, die sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen gelesen werden können, und absolut einzigartig sind. Die "Monster Blood Tattoo"-Reihe ist eine absolute Empfehlung und "Die Anklage" die vielleicht bemerkenswerteste Neuveröffentlichung auf dem Deutschen Markt des Genres im Jahr 2010.

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MEDIUM: Roman

Die Anklage

Serie: Monster Blood Tattoo

Original: Lamplighter

Autor: D. M. Cornish

Übersetzer: Reiner Pfleiderer

Gebundene Ausgabe: 752 Seiten

Hanser, 6. September 2010

ISBN-10: 3446209840

ISBN-13: 978-3446209848

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.01.2011, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53