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Die Bancroft-Strategie von Robert Ludlum

Rezension von Björn Backes

 

Beim Namen Robert Ludlum erstarren leidenschaftlich Thriller-Liebhaber aus größtem Respekt vor dem vielfachen Bestseller-Autor immer wieder vor Ehrfurcht. Mit Klassikern wie „Der Hades-Faktor“ erlangte er seiner Zeit höchsten Ruhm, bevor dann seine „Bourne-Trilogie“ den Namen Ludlum endgültig unsterblich machte. Seither wird gerade der Bourne-Titel gnadenlos ausgeschlachtet, um das Vermächtnis des Autors auch Jahre nach seinem Tod in Ehren zu halten. Langsam scheint der Fundus jedoch ausgereizt, und noch in diesem Jahr könnte der Zeitpunkt anrücken, an dem das letzte verschollene Manuskript ausgewertet und veröffentlicht wird. Mit „Die Bancroft-Strategie“ folgt im finalen Abschnitt noch einmal ein kontroverser Roman, der neben einer spannenden Thriller-Story auch einige moralische Themen aufwirft. Doch Foren für reichhaltige Diskussionen ist man von Ludlum inzwischen ja schon gewohnt.

 

Inhalt:

Verkehrte Welt für den amerikanischen Agenten Todd Belknap. In den letzten Zügen, die Wohnung des jemenitischen Waffenhändlers Chalil Anari zu verwanzen, wird er von dessen plötzlicher Rückkehr überrascht. Aus seinem provisorischen Versteck im Wandschrank beobachtet er dann das Unfassbare: Das Dienstmädchen des Gangsters vergiftet Anari und bringt Belknap in die Bredouille. Kurze Zeit später wird der Agent von den Leibwächtern des Ermoderten gefasst. Mit letzter Kraft flieht er aus der drohenden Folter, zahlt dafür aber einen hohen Preis. Belknap ist gezwungen, seinen Auftraggeber zu verraten, und wird postwendend entlassen.

Wenige Tage später erfährt er schließlich von der Entführung seines langjährigen Partners Jared Rinehard, der von einer libanesischen Terror-Gruppierung verschleppt wurde. Belknap, der vor langer Zeit selber von Rinehard vor dem sicheren Tod bewahrt wurde, fühlt sich verpflichtet, die Spur seines Freundes aufzunehmen. Dabei stößt er auf die Bancroft Foundation, die seit geraumer Zeit von Andrea Bancroft geleitet wird, der einzigen Erbin des ehemaligen Firmenleiters Ralph. Anscheinend steht das Unternehmen unmittelbar mit Jareds Verschwinden in Verbindung. Auch Andrea wird bald skeptisch; ihre Stiftung scheint in einen finsteren Komplott verwickelt zu sein, der ihr in all den Jahren verborgen blieb. Je weiter schließlich auch Belknap in die Machenschaften der Bancroft Foundation eindringt, desto offensichtlicher scheint ihm die Gewissheit, dass er in ein Puzzle ungeahnten Ausmaßes verstrickt wurde, das ihn zurück an den Anfang seines jüngsten Auftrages führt.

 

Rezension:

Gewohnte Ludlum-Kost! So scheint es jedenfalls zum Anfang von „Die Bancroft-Strategie“, einem Roman, der zunächst sehr schematisch aufgebaut ist, sich später aber doch vom klassischen Stoff des Autors ein Stückweit distanziert. Dabei ist der Ausflug ins Agenten-Genre phasenweise von einigen Klischees überschattet, die unwiderruflichen die drei Ziffern 007 in den Fokus rücken. Nicht selten orientiert sich Ludlum beim Großmeister der Spionage, vor allem was das gewagte Vorgehen seiner selten rational agierenden Protagonisten betrifft. Dass der Autor bei der Auswahl seiner Hauptakteure besonders großen Wert auf Individualität und Eigenständigkeit gelegt hat, kann man daher im Fall von „Die Bancroft-Strategie“ sicher nicht sagen.

 

Die Geschichte als solche ist allerdings gewohnt spannend und vor allem dank der rasch wechselnden Schauplätze abwechslungsreich und voller plötzlicher Wendungen. Dabei ist gerade der Kampf gegen die Terrorverbände aus den nahen Osten sehr gut aufgearbeitet und recherchiert. Der Autor kreiert ein ausgeklügeltes Netzwerk, dessen logische Komplexität zu beeindrucken weiß, welches trotz der vielen fiktiven Einsprengsel aber auch überraschend authentisch und glaubwürdig erscheint. Auch wenn hier der schwarze Peter recht vorhersehbar hin und her geschoben wird, verlässt sich Ludlum nicht auf abgedroschene Entwicklungen und vorhersehbare Strukturen. Der Überraschungseffekt ist immer wieder auf Seiten des Autors, der bis zum erstaunlich knappen Finale viele neue Elemente in den Plot einbringt und das Ganze, wenn auch manchmal mit gewagten Schritten, sehr lebendig hält.

Gewagt sind dabei vor allem die vielen moralischen Fragen, die Ludlum anschneidet und indirekt auch hinterfragt. Im Vordergrund steht dabei in den letzten Zügen der Handlung vor allem das unheimlich harte Thema, inwiefern es legitim ist, Menschenleben für einen höheren Zweck zu opfern bzw. Opfer zu bringen, um weitaus Schlimmeres abzuwenden. Zwar ist dies nicht der Grundinhalt des Buches, aber ein grundlegender Aspekt, der abseits des Agenten-Plots noch verschärften Tiefgang in die Story bringt – und das bis auf weiteres erwartungsgemäß gekonnt.

Doch während sich die Puzzlestücke langsam zusammensetzen und auch der moralische Teil auf seinen Höhepunkt zusteuert, bricht „Die Bancroft-Strategie“ plötzlich ein. Das lange aufgeschobene Finale ist letzten Endes ein mittelschweres Fiasko mit einem unbefriedigenden Ende und inhaltlichen Mängeln. Nach all der guten Vorarbeit geht das gesamte Potenzial des Themenkomplexes flöten – und führt die Handlung gewissermaßen ad absurdum. Keine Frage, die Geschichte hat was und lohnt auch die stundenlangen Mühen, doch was ihr fehlt, ist ein runder Abschluss. Und das ist für einen Ludlum-Thriller wirklich sehr, sehr ungewöhnlich, hier aber bittere Realität.

 

Fazit:

Der Schwanengesang Ludlums entpuppt sich auch in „Die Bancroft-Strategie“ als investitionswerte Sache mit enorm hohem Spannungsanteil und schlüssigem Puzzlekomplex. Lediglich im Abschluss verschenkt der Altmeister viel zu viel Boden und bremst die Euphorie enttäuschenderweise wieder aus. „Die Bancroft-Strategie“ hätte ein starker Moment zum Schluss von Ludlums Laufbahn sein können; insgesamt ist es jedoch nur ein solider Moment, jedoch mit vielen kurzen Highlights.

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Die Bancroft-Strategie

Autor: Robert Ludlum

Broschiert: 650 Seiten

Verlag: Heyne (1. Februar 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453433645

ISBN-13: 978-3453433649

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.03.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57