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Die Beichte von Meg Gardiner

Rezension von Christel Scheja

 

„Die Beichte“ ist Meg Gardiners erster Roman, der auch in Deutschland als Hardcover erscheint. Diesmal geht es nicht um ihre abgebrühte Heldin und Anwältin Evan Delaney, die immer wieder mit privaten und persönlichen Problemen zu kämpfen hat, sondern um eine ganz neue Heldin.

 

Jo Beckett ist forensische Psychaterin und Spezialistin für ungeklärte Todesfälle in der Stadt San Francisco. Man sollte meinen, dass es nichts Ungewöhnliches ist, wenn sich Menschen in der Millionenstadt umbringen, Gründe dafür gibt es sehr viele. Allerdings horcht die Öffentlichkeit auf, wenn der Selbstmord auch noch andere Menschen mitreißt und dann noch durch ein prominentes Mitglied der städtischen Gemeinschaft verübt wird.

Nach einer wilden Verfolgungsjagd mit der Polizei ist ein Wagen, der schon vorher durch überhöhte Geschwindigkeit aufgefallen ist, durch ein Brückengeländer gebrochen und auf die darunter liegende Straße gestürzt, so dass auch noch ein anderer Wagen zu Schaden kam. Vier Menschen sterben, darunter auch die junge aufstrebende Bundesanwältin Callie Harding.

Jo wird an den Unfallort gerufen, weil einer der Beamten schwört, dass die Juristin den Wagen absichtlich in die Tiefe gelenkt hat. Bei genauerem Überlegen gibt es noch andere Unstimmigkeiten, so dass für die forensische Psychaterin bald eines klar ist – auch wenn es wie Suizid aussieht, es könnte viel eher ein organisierter Amoklauf sein oder vielleicht sogar sogar Mord, weil jegliche Bremsspuren fehlen, und die junge Frau auch keinen Grund hat, sich umzubringen, weil in ihrer Karriere und in ihrem Leben eigentlich alles sehr gut lief.

Sie untersucht den Fall genauer und entdeckt Parallelen zu mysteriösen Todesfällen in anderen Bezirken der Stadt, die ebenfalls nicht lange zurück liegen. Als exakt 48 Stunden nach dem Unfall eine weitere bekannte Persönlichkeit stirbt – ist sie sich sicher – sie hat es mit einer Mordserie zu tun.

Schon bald stößt sie auf die Verbindung zwischen allen betroffenen Personen – eine ziemlich geheime elitäre Verbindung, deren Mitglieder eines gemeinsam haben: Ein kleines, schmutziges Geheimnis, das bereits einmal vertuscht wurde und ihnen in ihrem jetzigen Leben das Genick brechen könnten. Als es Jo nicht gelingt, einen jungen College-Football-Star vor dem Sprung von der Golden Gate Bridge zu retten, hat sie erstmals eine heiße Spur, bringt sich damit aber auch selbst in tödliche Gefahr.

 

„Die Beichte“ kann zwar durch interessante Figuren und ein äußerst lebendig geschildertes Setting punkten, liest sich aber äußerst zäh an, da der Leser genau so wie die Protagonisten lange Zeit nicht weiß, was eigentlich los ist und die Verbindung zwischen allen erst in den letzten fünfzig Seiten zum Tragen kommt. Vorher erzeugt die Autorin Ambiente und beschäftigt sich ausgiebig mit dem Privatleben der Heldin, ohne jedoch dabei wirklich in die Tiefe zu gehen und eine emotionale Verbindung zum Leser zu schaffen. Daher muss man schon etwas Geduld haben, wenn man wissen will, wie es mit dem Fall eigentlich weiter geht, da er nicht immer im Vordergrund steht. Hat man erst einmal die stellenweise doch erheblichen Längen der ersten Hälfte überstanden nimmt der Roman wenigstens an Fahrt und Spannung auf, ehe er in einem rasant geschriebenen Finale endet. Die Figur der Jo Beckett ähnelt übrigens ein wenig Evan Delaney.

Wie diese steht sie im Leben ihren Mann und erscheint zunächst als sehr selbstbewusst, hat aber auch emotionale und psychische Schwächen, die auf dunkle Flecken in ihrer Vergangenheit zurückgehen und die sie versucht durch eine besonders sarkastische Ader zu überspielen. Und auch sie muss sich zum Ende des Romans hin ihren Ängsten stellen.

 

Das macht „Die Beichte“ zu einem routiniert verfassten Kriminalroman und Thriller, der zwar weitestgehend spannend und unterhaltsam geschrieben ist, aber gerade in der ersten Hälfte auch seine Länge hat, weil die Geschichte durch zu viele Probleme der Heldin nicht wirklich voran kommt.

 

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Die Beichte

Original: The Dirty Secret’s Club, GB/USA 2008

Autorin: Meg Gardiner

gebunden, 495 Seiten

Heyne Verlag, erschienen August 2008

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader

Titelbildgestaltung von yellofarm GmbH, S. Freischem, Foto von panoramic images/ gettyimages

ISBN-10: 3453265939

ISBN-13: 978-3453265936

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 20.10.2008, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27