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Die Botschaft des Feuers von Katherine Neville

Rezension von Ingo Gatzer

 

Mit ihrem Roman "Die Botschaft des Feuers" setzt die US-Autorin Katherine Neville ihren Bestseller "Das Montglane-Spiel" fort. Die Kenntnis des ersten Buches ist nicht unbedingt notwendig, wenngleich hilfreich. Kann Katherine Nevilles Mixtur aus Abenteuer- und Historienroman überzeugen?

 

Auch "Die Botschaft des Feuers" dreht sich um das fiktive Montglane-Spiel. Dieses sagenumwobene Schachspiel wurde angeblich vor mehr als einem Jahrtausend von einem arabischen Gelehrten hergestellt und besteht aus Gold, Silber sowie wertvollen Edelsteinen. Doch noch viel wertvoller als der materielle Wert dieses Spiels soll das machtvolle Geheimnis sein, welches verschlüsselt in ihm verborgen wurde. In einem Spiel um Macht und Wissen nehmen Menschen die Rolle von Schachfiguren ein, um das Geheimnis zu erlangen. Irgendwann wurden die Figuren versteckt, damit sie nicht in falsche Hände geraten. Als Alexandra, die einst als Schach-Wunderkind galt, zur Geburtstagsfeier ihrer Mutter kommt und dort merkwürdige Rätsel findet, wird schnell klar, dass eine neue Partie begonnen hat. Schon bald weiß Alexandra nicht mehr, wem sie trauen kann. Bei einer lebensgefährlichen Jagd muss sie ihr Leben riskieren.

 

Katherine Neville mutet ihren Rezipienten einiges zu. Bereits nach hundert Seiten gibt es mehrere Handlungsstränge, die im Russland des 20. Jahrhunderts, im Albanien des Jahres 1822, in der Vereinigten Staaten im Jahre 2003, sowie im 19. Jahrhundert in Italien spielen.

Zu allem Überfluss werden immer wieder Binnengeschichten eingeschoben. Es ist zu befürchten, dass einige Leser - gerade wegen der Anzahl der Personen - Probleme haben werden, sich in Katherine Nevilles Fiktion zurecht zu finden. Bereits "Das Montglane-Spiel" wies 64 handelnde Figuren - wahrscheinlich als Analogie zur Anzahl der Felder eines Schachspiels - auf. "Die Botschaft des Feuers" ist hier nicht schlechter bestückt. Unter den handelnden Personen befinden sich so illustre Charaktere wie Lord Byron oder Ali Pascha. Leider ist Neville wegen dieser Unzahl nicht in der Lage ihre Figuren - abgesehen von ihrer Protagonistin Alexandra - glaubhaft und ausführlich darzustellen. Hier wäre sicher weniger mehr gewesen.

 

Gelungen sind der Autorin die Darstellungen der exotischen Schauplätze und - mit Abstrichen - eine spannende Story, was sie durch immer neue Andeutungen und Geheimnisse erreicht. Irgendwann ist der Leser allerdings von immer neuen Mysterien und Hinweisen sowie den wiederkehrenden Rekapitulationen der Protagonistin - die durch den komplexen Aufbau bedingt sind - ermüdet. Wer warum gerade welche Schachfigur verkörpert ist dem Rezipienten irgendwann fast egal, zumal der Leser nichts darüber erfährt, wie solch eine Rolle erlangt wird und welche Funktionen damit verbunden sind.

 

Interessant sind die immer wieder dargestellten Analogien der Handlung mit Themenkomplexen wie Schach, Alchemie oder anderen Bereichen. Deshalb möge aber bitte niemand auf die Idee kommen Katherine Neville mit Umberto Eco auf eine Stufe zu stellen, wie es bei Besprechungen zum Roman "Das Montglane-Spiel" geschehen ist. Nevilles Anspielungen sind zwar meistens durchaus gelungen, ihnen fehlt aber Ecos Tiefe und Brillanz.

 

Wegen Nevilles Vorliebe für Geheimnisse und Geheimgesellschaften wurde und wird sie auch gerne mit dem Bestsellerautor Dan Brown verglichen. Sie selbst erklärt, auf die Unterschiede zu diesem Schriftsteller angesprochen, dass in ihren Büchern Frauen die Rätsel lösen und am Ende die tollsten Männer abbekommen. Tatsächlich aber gelingt es dem Verfasser von "Illuminati" oder "Sakrileg" durchweg elegantere Rätsel zu erfinden, während die von Neville meistens konstruiert wirken, wobei ihre Auflösung für den Leser auch nicht immer vollkommen nachvollziehbar ist. Zudem gehen Neville leider Browns charismatische Bösewichte ab.

 

Katherine Neville gelingt ein interessanter Roman mit überzeugend dargestellten exotischen Schauplätzen. Kürzungen, eine Reduktion der handelnden Personen und elegantere Rätsel hätten dem Roman aber fraglos gut getan. Ingesamt wirkt "Die Botschaft des Feuers" leider zu überfrachtet und seicht, als dass es das in der Alchemie so berühmte "große Werk" (Opus Magnum) sein könnte.

 

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MEDIUM:

Die Botschaft des Feuers

Originaltitel: The Fire

Autor: Katherine Neville

Verlag: Diana Verlag

Format: Hardcover

Übersetzer: Charlotte Breuer und Norbert Möllemann

Seitenzahl: 640

Erscheinungsdatum: 17. August 2009

ISBN-10: 3453290828

ISBN-13: 978-3453290822

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.09.2009, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27