Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Farbe Blau von Jörg Kastner

Rezension von Martin Weber

 

Inhalt

Cornelis Suythof arbeitet im Amsterdam des Jahres 1669 als Aufseher im Gefängnis. Doch diese Beschäftigung ist nur der Brotberuf des jungen Mannes, denn seine wahre Berufung ist die Malerei, mit der er allerdings kaum Geld verdient. Eines Tages begeht sein bester Freund und Arbeitskollege Ossel einen brutalen Mord. Suythof kann das Motiv für dieses Verbrechen nicht verstehen, da Ossel nie den Anschein erweckte, ein gewalttätiger Mensch zu sein. Höchst merkwürdig erscheint ihm, dass Ossel zum Zeitpunkt der Tat ein Gemälde in seiner Wohnung aufbewahrte, das bereits bei zwei weiteren Morden eine Rolle spielte. Dieses Bild zeigt eine gewöhnliche Familienszene und ist im typischen Stil Rembrandts gefertigt; allerdings kam dabei die Farbe Blau zum Einsatz, die dieser Meister absolut nie verwendet. Der ohne Zweifel schuldige Ossel wird für sein Verbrechen verurteilt und hingerichtet.

 

Für Suythof ist die Angelegenheit damit nicht erledigt; sie lässt ihm keine Ruhe und er schwört sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch vorerst führen seine Anstrengungen bloß dazu, dass er seine Stelle als Gefängniswärter verliert. Nahezu mittellos erhält er ein verführerisches Angebot – er soll für einen bekannten Kunsthändler Porträts junger Damen anfertigen. Selbst als sich herausstellt, dass diese Porträts delikater Natur sind, kann Suythof wegen seiner Geldnot nicht Nein sagen. Der damit erzielte Verdienst gestattet es ihm, beim Altmeister selbst - bei Rembrandt - als Schüler anzuheuern.

 

Neben der Ausbildung treibt er seine Ermittlungen weiter voran, und im Zuge seiner Nachforschungen wird der Held fast ertränkt, mehrfach überfallen und zusammengeschlagen, eingekerkert, wird zum Einbrecher, verliebt sich ... und kommt schließlich einem Komplott von gigantischen Ausmaßen auf die Spur. Einer ganz speziellen Farbe Blau kommt dabei die zentrale Bedeutung zu. Haben die Verschwörer Erfolg, dann drohen die Grundfesten des jungen niederländischen Staates erschüttert zu werden ...

 

 

Kommentar

Was sollte man von diesem Buch erwarten und was nicht? Zunächst mal sei allen Freunden der Malkunst gesagt, dass es sich bei >Die Farbe Blau< um keinen Roman handelt, in dem die Malerei selbst im Mittelpunkt steht - die Person Rembrandts und die Sache mit den angeblich todbringenden Gemälden dient nur als Aufhänger für einen Krimi bzw. Verschwörungsthriller. Wer sich also elegisch-feinsinnige Ausführungen über die Malerei, Meister Rembrandt oder den niederländischen Kunstbetrieb im 17.Jahrhundert erwartet, wird enttäuscht werden.

 

Wer hingegen mehr Wert auf spannende Unterhaltung legt, ist hier an der richtigen Adresse. Allerdings sollte auch dann die Bereitschaft vorhanden sein, über manche nicht ganz so plausible Zusammenhänge und Ereignisse hinwegzusehen. Das hängt damit zusammen, dass Jörg Kastner zwar ein geborener Geschichtenerzähler ist, aber an der „Berufskrankheit“ laboriert, manchmal ein gar zu arges Garn zu spinnen. Deswegen lässt der Plausibilitätsgrad mancher seiner Werke zu wünschen übrig. Wenn er jedoch seine zum Wildwuchs neigende Fabulierlust ausreichend im Zaum hält, dann sind seine Bücher verlässlicher Garant für kurzweilige Zerstreuung. Auch >Die Farbe Blau< wird keinen Preis für Realitätsnähe gewinnen können, bleibt aber meiner Meinung nach diesseits der Grenze zum Abstrusem (natürlich ist sehr subjektiv, wo man diese Grenze zieht).

 

Der Plot ist flott inszeniert und arrangiert; die Sprache erweist sich – obwohl in einem pseudohistorischen Stil gehalten – als angenehm lesbar. Der als Ich-Erzähler in Erscheinung tretende und im Lauf des Geschehens arg gebeutelte Held hat sympathische Züge; alle anderen Figuren sind eher simpel und gerade so viel charakterisiert, wie für die Geschichte nötig ist.

 

Als Pluspunkt kommt hinzu, dass die Verpackung und die Zutaten stimmen: das vom Motiv äußerst einfache, aber ästhetisch ansprechend umgesetzte Titelbild sowie der Stadtplan von Amsterdam und ein alter Kupferstich des Zuchthauses sind hier zu nennen. Zudem hat es den Anschein, als wäre thematisch passend der Druckerschwärze ein Hauch von Blau beigemischt worden (in diesem Punkt kann ich mich freilich leicht irren, denn mir wird des Öfteren vorgehalten, farbenblind zu sein).

 

 

Fazit

Unter der Voraussetzung, man wertet das Kriterium Spannung höher als das Kriterium Realismus, sollte >Die Farbe Blau< einige vergnügliche Lesestunden garantierten.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Titel: Die Farbe Blau

Autor: Jörg Kastner

Buchtyp: Hardcover

Verlag: Knaur, München

Erscheinungsdatum: Februar 2005

ISBN: 3426661691

Umfang: 414 Seiten

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 21.08.2005, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57