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Leseprobe: Genotype, Bd. 1: Die Herde

Genotype, Bd. 1: Die Herde

Genotype, Bd. 1: Die Herde

Autor: Martin Hoyer

Homepage: webprojekt.org

Der Roman kann hier bezogen werden: Atlantis Verlag

 

Disclaimer:

Freigabe zur Weiterveröffentlichung der Leseprobe besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur für "FantasyGuide.de". Für alle weiteren Veröffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.

 

 

Leseprobe:

Aaron Mitchell schnippte den kläglichen Rest seiner Zigarette in das gelbliche Gras am Rand des Weges. Sein Blick folgte der Kippe nur kurz, um dann über die Umgebung zu schweifen.

Er gab sich keine Mühe, seinen Mißmut zu verbergen und seine Augen schienen das eingeschossige Gebäude durchleuchten zu wollen, welches zu einer Häuserreihe von Wohnblöcken aus der Zeit vor dem Ausbruch gehörte. Die Bauten in den Randbereichen des Habitat 4 hatten keine Sanierung erfahren, womit große Teile des ehemaligen Stadtgebiets von London noch aus halben Ruinen bestanden.

Aaron haßte Einsätze in der Downtown. Zu den üblichen Gefahren ihres Einsatzes gesellte sich stets die reale Chance, mit einbrechenden Fußböden im Keller zu verschwinden. Er hob den Kopf und schaute zu den Türmen aus Glas und Stahl, die sich über den Wohnruinen erhoben, als würden sie ihre urbane Vormacht dadurch zusätzlich behaupten müssen.

Sein Kollege Jon Zaati stand an der Hecktür ihres Dienstwagens und blickte nachdenklich in den Laderaum des Kleintransporters. „Hier ist nichts an seinem Platz“, knurrte er.

„Laß den Kram“, rief Aaron. „Die Ausrüstung wird uns da drin nur behindern.“

„Und wenn er schon ...“ Eine unzweideutige Geste beendete den Satz und ein besorgter Blick tat Jons Bedenken kund.

„Die Meldung ging vor 20 Minuten in der Zentrale ein. Was glaubst du?“

„Okay.“ Jon schlug demonstrativ die Heckklappe zu. „Gehen wir rein.“

 

Das Innere des Hauses war nicht so schlimm, wie das Äußere hatte vermuten lassen. Es war schlimmer.

Aaron strich mit dem Fuß über die Türschwelle, um den durchgeweichten Zeitungsfetzen von seiner Sohle zu lösen. Beiläufig registrierte er den restlichen Abfall, der den Flur im Erdgeschoß bedeckte. Der durchdringende Gestank legte nahe, daß bereits irgendwelche Tiere diesen Flur genutzt hatten, um ihre Verdauungsrückstände zu hinterlassen und eventuell auch gleich das Zeitliche zu segnen. Die Treppe in den 1. Stock machte keinen zuverlässigen Eindruck, ebensowenig das Geländer. Er vermeinte förmlich zu spüren, wie sich die Holzwürmer angesichts der Erwartung ins Fäustchen lachten, irgend jemand würde so lebensmüde sein, auch nur den Fuß auf die Treppe zu setzen.

Dieser Jemand war Jon, der sich an Aaron vorbeischob und mit fatalistischer Ergebenheit durch den vermodernden Abfall watete. Prüfend belastete er die erste Stufe, dann die zweite, dann die dritte. „Scheint zu halten“, meinte er dann leise, zog seine USP 40 und prüfte kurz den Zustand der Waffe. „Wir müssen nach oben, oder?“

„Hm-hm“, bestätigte Aaron und tat es seinem Kollegen gleich. Vorsichtig sichernd und ständig darauf bedacht, niemals die gleichen Stellen der Treppe zu belasten, erreichten sie wohlbehalten das erste Stockwerk. Das langsame Vorgehen wurde nur zum Teil durch die Bausubstanz bestimmt, vielmehr war generell Vorsicht geboten. Es war zwar eher die Ausnahme als die Regel, daß ihre Fälle in irgendeiner Form durchdrehten, aber wenn sie es taten, dann um so gründlicher. Und wenn sie bereits einen gewissen Punkt überschritten hatten, dann ...

Neben ihm aktivierte Jon das LAS seiner Waffe und der rote Lichtfaden des Visierlasers tanzte über den Flur, um schließlich auf einer der Türen zu verharren. „Wohnung 11“, murmelte Jon. „Er ist wirklich der einzige Bewohner?“

„Er ist der Eigentümer, soweit ich weiß“, korrigierte Aaron. „Aber er wird keine Dummen gefunden haben; die ganze Häuserreihe ist ohne Mieter.“

„Abriß und Neubau wäre sinnvoller.“

„Ich vermute, alle Reihenhäuser an den Kanälen stehen unter Denkmalschutz.“ Mit wenigen Schritten war er bei der Tür und positionierte sich rechts davon. „Fragt sich nur, wer uns vor den Denkmälern schützt“, ergänzte er tonlos, in dem Wissen, daß Jon den Kommentar von seinen Lippen ablesen konnte.

Dieser ging links in Position, blickte Aaron fragend an und klopfte dann zweimal kräftig gegen die Tür.

„CiPol, öffnen Sie!“, rief Aaron. Es gab keine Antwort und Aaron wiederholte seine Aufforderung.

Jon verzog das Gesicht. „Wenn er und wir Glück haben, hat ihn eine letale Variante vor der Metamorphose erwischt“, murmelte er. „Wenn nicht, dürfen wir wieder diese kleinen Mistviecher jagen.“

Unwillkürlich starrte Aaron in den Korridor. Durch das trübe Flurfenster fiel nur wenig Licht und das Ende des Flurs verschwand in ungewisser Dämmerung.

„Taktischer Rückzug und Equipment holen?“, murmelte Jon.

„Gute Idee“, erwiderte Aaron und huschte an der Tür vorbei.

Er konnte seine Bewegung nicht zu Ende bringen. Ein wuchtiger Aufprall sprengte die Tür aus den Angeln und schleuderte sie gegen Aaron, der mit brutaler Gewalt an die gegenüberliegende Wand gepreßt wurde. Das Geräusch zerreißendes Körpergewebes war viel leiser als das vorherige Splittern der Tür, hallte jedoch ungleich eindringlicher durch den Korridor.

Für einen unsäglich langen Augenblick stand Jon einfach nur reglos auf der Stelle, dann geschah das, von dem er gehofft hatte, es hinter sich gelassen zu haben. Das Rauschen des Blutes in seinen Ohren verstärkte sich und das Hämmern seines Herzens wurde zu einem dröhnenden Pochen, welches sich wie der Schlag einer gewaltigen Kirchenglocke einen Weg durch seine Knochen bahnte. Die zeitlichen Abläufe schienen sich zu verlangsamen, gewannen an Zähigkeit, wurden zu einer gallertartigen Masse, die alle Definitionen und Konventionen, die Menschen ihr auferlegt hatten, unter sich begrub.

Mit überdeutlicher Klarheit nahm Jon die Details wahr, die ihn eigentlich hätten erschrecken müssen: Die zerborstene Tür, die seinen Kollegen halb verdeckte, der starre Blick Mitchells und schließlich eine der dolchartigen Extremitäten der Kreatur, welche die Tür noch während des Ansturms durchbohrt und Aaron an die Wand genagelt hatte.

Seine Sicht verengte sich zu einem schmalen Tunnel, der seinen toten Kollegen und den Korridor ausschloß und nur Raum für das Wesen ließ. Stück für Stück sortierte ein ihm fremder Teil seines Unterbewußtseins diese Information und löste Schicht um Schicht von der Kreatur. Mit der graubraunen Haut, den Verwachsungen, den langen Zähnen und Fängen, dem seelenlosen Blick aus winzig kleinen Knopfaugen verschwand auch jeglicher Schrecken. Zurück blieb eine Silhouette, ein bloßer Schemen ... Und der rote Lichtfaden des Visierlasers, der sich auf die Kreatur fixierte.

Jon begann zu feuern, während er rückwärts auf die Treppe zuhastete. Er fiel mehr, als er lief, dennoch verließ Schuß um Schuß die Waffe und die Projektile fraßen sich mit irrealer Präzision in das kaum erkennbare Gesicht der Bestie, saßen punktgenau zwischen den entsetzlichen Augen, zertrümmerten Teile des gefletschten Gebisses. Gewebeteile, Blut und Knochsplitter sprühten unter schier unmöglichem Druck durch den Gang. Sie erreichten Jon nicht, anders jedoch der Schrei der Kreatur. Die Gewalt des enthemmten Brüllens, mehr von Wut als Schmerz erfüllt, schien ihn noch schneller zurückzutreiben.

Als er den Absatz der Treppe erreichte und mit dem Rücken an das Geländer stieß, endete die Irrealität des Augenblicks. Alle Emotionen, die für die letzten Augenblicke zurückgedrängt worden waren, prasselten auf einmal auf ihn ein. Die Waffe entfiel ihm, seine zitternden Hände hatten keine Kraft mehr, sie zu halten. Wie ein gehetztes Tier fuhr er herum und stürmte die Treppe hinunter, keinen Gedanken mehr auf deren Stabilität verschwendend.

Nach einem Drittel des Weges glitt er auf den feuchten Stufen aus und stürzte. Das Hochreißen der Arme um den Kopf zu schützen war ein reiner Reflex, unkoordiniert, aber ausreichend. Der Aufprall am Fuß der Treppe war härter, als er angesichts der Abfälle dort vermutet hätte, wäre er bei klaren Verstand gewesen. Den Schmerz realisierte er nicht, er rappelte sich auf und lief halb gebückt auf die Haustür zu. Sie war nur angelehnt und der Lichtstrahl, der auf den dämmrigen Flur fiel, schien ihm wie das rettende Signal eines Leuchtturms vor unbekannter Küste.

Kurz vor dem rettenden Licht stürzte er erneut, das Klatschen seines Aufpralls wurde von einem sehr viel lauteren Geräusch übertönt, mit dem ein schwerer Körper am Fuße der Treppe landete. Die Erkenntnis dieses Umstandes gab Jon einen erneuten Adrenalinschub. Halb stieß er sich mit den Füßen ab, halb zog er sich mit verkrampften Fingern über die Schwelle. Auf der flachen Treppe fanden seine Schuhe wieder Halt und er sprintete weg von der Tür und dem, was dahinter anstürmte.

Er hielt nicht inne, bevor er beim Wagen war. Viel zu schnell atmend lehnt er sich gegen die Seitenwand des Transporters und rang mit geschlossenen Augen nach Luft, die jedoch irgendwo auf dem Weg zwischen Rachen und Lunge spurlos zu verschwinden schien. Ein harter Schlag mit dem Hinterkopf gegen den Wagen bescherte ihm einen Moment der Klarheit und er hörte auf zu hyperventilieren. Zur Sicherheit hielt er einen Moment den Atem komplett an und genoß die Ruhe, die sich über seine aufgewühlten Gedanken legte. Allmählich bekam er auch einen davon zu fassen und hielt ihn fest, öffnete die Augen und warf einen Blick zurück.

Beruhigt stellte er fest, daß die Kreatur ihm nicht gefolgt war. Bisherige Fälle hatten gezeigt, daß sie ihr Nest nicht verlassen würde, bevor die Umwandlung komplett abgeschlossen war. Die Besinnung auf bestehende und verinnerlichte Kenntnisse hatte eine ordnende Wirkung auf seinen Geist, er verdrängte jeden Gedanken an den Tod seines Kollegen, der sich in unfaßbarer Schnelligkeit vollzogen hatte. Jetzt waren andere Dinge zu tun, um den Zwischenfall nicht zur Katastrophe auswachsen zu lassen.

Er langte durch das offene Seitenfenster nach dem Funktelefon. „Zentrale, hier Zaati. Einsatz fehlgeschlagen, Mitchell ist tot. Wir haben hier eine Variante der E-Generation. Mindestens.“

Ein kurzes Prasseln drang aus dem Off. „Verstärkung ist bereits unterwegs“, meldete dann eine sachliche Stimme, „das Gelände wird in Kürze abgeriegelt. Alles klar mit Ihnen?“ Der Kollege, der irgendwo in einer Kommunikationszentrale der City Police saß, war Jon unbekannt, aber er erkannte aufrichtig wirkende Besorgnis in den Worten.

Er bemerkte nun selbst, wie seine Stimme zitterte und er riß sich zusammen. „Danke, mit mir ist alles in Ordnung“, beantwortet er die Frage, die Wahrheit mehr als nur ein wenig strapazierend. Die leichte Heiserkeit des noch nicht ganz abgeflauten Schocks konnte er nicht verbergen, selbst wenn er es gewollt hätte. Aber die Konzentration auf ein konkretes Problem war hilfreich, wie er feststellte. „Ich kann nur die Frontseite überwachen, es wäre also gut, wenn Sie jemanden vom Luftkommando vorbeischicken können, der das Gebäude bis zum Eintreffen der Verstärkung im Auge behält.“

„Ist auf dem Weg. Ende.“

„Ende, Zentrale. Und danke.“

Die folgenden zwei Minuten wurden zu einer halben Ewigkeit, doch dann kündigte ein dumpfes Flattern das Herannahen seiner ersten Verstärkung an. Das gleichmäßige Geräusch schwoll von einem Moment auf den nächsten an, als der Helikopter des Luftkommandos mit röhrenden Motoren hinter der Häuserreihe auftauchte.

Die kantige Maschine produzierte einen ohrenbetäubenden Lärm, als sie in geringem Abstand zum parkenden Fahrzeug langsam bis auf drei Meter über den Boden absank. Die Rohre des Geschützes in der Nase des Helikopters schienen sich in den Boden bohren zu wollen; der von den Rotoren erzeugte Wind zerrte an Jons Wettermantel. Hinter dem getönten Glas der Kanzel war nur die behelmte Silhouette des Piloten zu erkennen, der die gehobene Hand mit gespreizten Fingern hin und her drehte. Die Geste war eindeutig. „Alles klar bei Ihnen?“

Jons erhobener Daumen signalisierte eine Bestätigung, dann malte er über seinem Kopf einen großen Kreis in die Luft und deutete auf das Haus. „Alles okay, überwachen Sie dieses Gebäude.“

Der Pilot nickte knapp, zog die Maschine wieder hoch und nahm eine Position über dem Gebäude ein. In einiger Entfernung ertönten die Sirenen des sich nähernden Einsatzkommandos.

 

„Variante der E-Generation, hm? – Verdammt, Zaati, das ist doch gequirlte Scheiße, was Sie mir da erzählen!“

Captain Heymann ließ die flache Hand auf das Dach des Wagens sausen und schreckte damit zwei Leute des Quarantänetrupps aus ihren Überlegungen, die bis dahin über den Analysewerten der Bodenproben von Zaatis Schuhen meditiert hatten.

Heymann ließ sich von den vorwurfsvollen Blicken nicht stören, statt dessen musterte er das Gebäude, welches inzwischen von einem Einsatzkommando umstellt war. „Was Sie da beschrieben haben, ist mehr als nur stark deformiert“, präzisierte er seine vorherige Meinungsäußerung, die er nach kurzer Überlegung als höchstens auf emotionaler Ebene ausreichend empfand.

Jon hielt eine Erklärung für angebracht. „Ich weiß, es war unverantwortlich, da ohne Schutzanzug reinzugehen, aber glauben Sie mir ... Er hätte Mitchell nichts genutzt.“

„Was ich glaube, interessiert kein Aas, Zaati! Sie haben mal wieder Mist gebaut und zwar richtig. Es wird eine Untersuchung geben, aber diesmal kommen Sie nicht durch, das verspreche ich Ihnen! Ich hatte nur Ärger, seit Sie und Mitchell in meinem Distrikt tätig wurden.“

Jon zuckte zusammen und zog scharf Luft ein. Für einen Moment spielte er ernsthaft mit dem Gedanken, seinen Vorgesetzten über den Platz zu prügeln und sich anschließend auf den Schock zu berufen. Angesichts der Tatsache, daß seine Laufbahn bei der City Police ohnehin bereits zu Ende war, erschien es ihm als befriedigende Variante, dies mit Stil zu tun.

Es war weniger die nicht vorhandene Sympathie für Heymann, die ihn darauf verzichten ließ, sondern vielmehr seine eigenen, zahlreichen Prellungen. Die Schmerzen bei jeder Bewegung hatten zwar in den letzten Minuten nachgelassen, aber er war sich sicher, daß er trotz körperlicher Überlegenheit in diesem Moment keine gute Figur gegen Heymann machen würde.

„Wenn Sie bei der Gelegenheit auch prüfen könnten“, meinte er statt dessen ruhig, „wer die Meldung über diesen Ausbruch bearbeitet und Mitchell und mich ahnungslos in die Brutstätte von so einem Drecksvieh geschickt hat ... Nur zu.“

„Ich kenne das Problem“, zischte Heymann, „also versuchen Sie nicht, mir die Schuld zuzuschieben. Seit zwei Monaten bekniee ich den Chef und dieser wiederum die Bürgermeisterin und den Stadtrat, endlich anzuerkennen, daß wir inzwischen ganz neue Fälle von Virusausbrüchen haben. Aber die wollen sich nicht weiter aus dem Fenster lehnen, und von selbst kommen die Knallchargen von CEENEL doch nicht auf den Trichter, daß wir mehr Personal und bessere Ausrüstung brauchen. Diese Flachwichser sind ...“

Er brach ab, als Jon warnend die Hand auf Bauchhöhe hob und Heymann durch ein Nicken bedeutete, sich umzudrehen.

Dieser wandte sich um und bemerkte, wie ein Wagen mit Elektroantrieb genauso lautlos stoppte, wie er sich zuvor genähert hatte. Das Auto sah nach Geld aus und wirkte in dieser Gegend genauso deplaziert wie die Polizeikräfte, die sich um ein unscheinbares Abrißhaus formiert hatten. Heymann zögerte keinen Moment, auf den Aussteigenden zuzugehen. „Einen guten Tag, Mr. Daniels. Wir haben gerade von Ihnen gesprochen.“

Unter anderen Bedingungen hätte sich Jon vermutlich nur schwer ein Grinsen verkneifen können. Er hatte den Captain lediglich gewarnt, weil er wußte, daß Ärger mit Daniels auch für andere, ihm eher sympathische Kollegen Konsequenzen haben konnte. Es fiel ihm leicht, ein todernstes Gesicht zu präsentieren, als Daniels in Richtung Captain Heymanns jovial zurückgrüßte.

Daniels hatte recht gute Gründe, sich überlegen zu fühlen; als Vermittler zwischen der CEENEL Inc. und dem Habitat 4 war er in beinahe göttliche Sphären erhoben, jedenfalls aus Sicht jedes Beamten der City Police. Auch wenn die Kräfte der CiPol durch die Habitatsverwaltung und somit seitens der Regierung festgelegt wurden, unterschrieb CEENEL die Gehaltsschecks fast aller öffentlichen Dienste der Stadt. Der Konzern bestimmte, was gemacht wurde, wie es gemacht wurde, wann und für wen. CEENEL gehörte praktisch die Stadt, lediglich die Verwaltung selbst unterlag der EU und Zaati war überzeugt, daß sich die meisten Leute im Vorstand von CEENEL einen Scheißdreck für Politik interessierten, solange sie nur bekamen, was sie wollten. Nach dem Ausbruch hatten die Reste wirtschaftlicher Strukturen besser funktioniert als die Überreste staatlicher Organisationen; aus dieser Tatsache resultierte die Rolle von Konzernen wie CEENEL für viele Habitate weltweit.

„Gibt es Fortschritte in dieser Sache, Mr. Heymann?“, hörte er Daniels in diesem Moment fragen.

Jon schob seine Überlegungen beiseite, wandte sich in Richtung der beiden Leute, und musterte besonders den Neuankömmling. Daniels erfüllte nicht das Klischee des Schreibtischtäters, der er sicherlich war. Seinen maßgeschneiderter Anzug füllte zwar eine gehörige Körpermasse, aber seine Bewegungen ließen nicht darauf schließen, daß allzu viel davon überflüssiges Fett war. Auch überragte er Captain Heymann um mindestens eine Haupteshöhe, was seine sonstige Überlegenheit noch zu unterstreichen schien. Seine dunkle Hautfarbe und die Gesichtszüge ließen darauf schließen, daß die Wiegen seiner fernen Vorfahren auf dem afrikanischen Kontinent geschaukelt worden waren.

Heymann dagegen war ein eher schmuddelig erscheinender Typ, der bei der Wahl seiner Krawatten das Zufallsprinzip bevorzugte. In Kombination mit seiner untersetzten Gestalt, dem hohen Haaransatz sowie von seinem Wesen hätte er sicher besser hinter den Verkaufsstand eines Gebrauchtwagenhandels als hinter den Schreibtisch einer Bezirksabteilung der CiPol gepaßt. Der äußere Schein täuschte nur in sofern, als daß Heymann in seinem Bereich mindestens genauso kompetent wie Daniels auftrat. Darüber, daß er ansonsten tatsächlich ein unangenehmer Zeitgenosse war, trog der Eindruck keineswegs. Sollte Heymann je während seiner Dienstzeit ums Leben kommen, würde die Trauerfeier seiner Abteilung vermutlich in der nächstbesten Kneipe mit viel Konfetti stattfinden.

Heymann selbst wußte das sicher auch ... Nur das es ihn nicht im Geringsten interessierte, was die Leute von ihm hielten, solange sie seine Autorität nicht offen in Frage stellten. Das wiederum hatten in jüngster Zeit nur zwei Leute getan; einer davon war vor einer Dreiviertelstunde gestorben, wie Jon als der andere mit einem erneuten Anflug von Bitterkeit feststellte.

„... aber er wird sicherlich nicht mehr lange für die CiPol tätig sein.“

„Dem stimme ich zu, Mr. Heymann.“

Jon nahm berechtigterweise an, daß es um ihn ging und begrüßte diesen Grund, die trüben Gedanken abschütteln zu können. Ohne großes Nachdenken trat er zu den Beiden. „Da sich die Herren über das Bauernopfer für diesen Mist hier einig sind“, meinte er, „könnten wir ja vor der öffentlichen Verbrennung meiner Person noch damit anfangen, ihn wegzuräumen. Oder sieht Ihr Plan vor zu warten, bis das Problem an Langeweile stirbt?“

Daniels hob abwehrend die Hand, als Heymann zu einer Antwort ansetzte. „Ihre erfrischend direkte Art gefällt mir, Mr. Zaati“, meinte er, „und Ihr Mangel an Geduld ist zumindest für den Augenblick erheiternd. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß Sie die Kreatur erledigen wollen, die ihren Partner erwischt hat und bin sicher, Captain Heymann wird nichts dagegen haben, wenn Sie Gelegenheit dazu erhalten.“ Sein Blick wanderte zu Heymann. „Nicht wahr, Captain?“

Zaatis Vorgesetztem war anzusehen, daß er ziemlich viel dagegen hatte. Ebenso offenkundig wagte er es jedoch nicht, Daniels zu widersprechen.

Dieser konzentrierte sich wieder auf Jon. „Unsere Verstärkung wird jedem Moment eintreffen, Mr. Zaati. Sie werden der einzige Mensch sein, der dieses Gebäude vor der Ausschaltung der Kreatur betreten darf, wenn Sie denn möchten.“ Er griff in die Innentasche seines Jacketts, zog ein kleines Notizbuch hervor, entnahm umständlich eine Visitenkarte und reichte sie Zaati. „Es wird definitiv Ihr letzter Einsatz sein. Wenn Sie ihn überleben, sollten Sie darüber nachdenken, mit mir Kontakt aufzunehmen.“

Jon nahm die Karte unschlüssig entgegen. „Wie darf ich das verstehen?“

„So, wie ich sagte.“ Daniels nickte knapp und blickte dann über seine Schulter, als erneut Motorengeräusch das Eintreffen eines Fahrzeugs ankündigte.

Diesmal war es ein schwerer Mannschaftstransporter, ein Modell ähnlich denen, welche bei der CiPol zum Einsatz kam, jedoch ohne die üblichen behördlichen Abzeichen. Auf dem schwarzen Blech stand lediglich der schmucklose Schriftzug CEENEL in weißen Lettern. Das Fahrzeug hielt innerhalb der Sperrlinie, den die CiPol um das Gebäude gezogen hatten.

„Sie entschuldigen?“, meinte Daniels und schob sich an den zwei Beamten vorbei, ohne eine Antwort abzuwarten. Erst vier Meter hinter dem Heck des Fahrzeugs blieb er stehen und wartete geduldig ab, bis sich die Heckklappe mit einem gedämpften Surren zur Gänze geöffnet hatte.

„Aufstellung“, befahl er. „Schnell.“

Ein Paar Uniformierter sprangen aus dem Wagen, dahinter von zwei weiteren, denen wieder zwei auf dem Fuße folgten. Es waren insgesamt acht Leute, die mit automatenhafter Präzision, kurzläufige Automatikwaffen eng an die Brust gedrückt, den Laderaum des Wagens verließen und vor Daniels eine Reihe bildeten.

Heymann und Jon traten hinter Daniels. Der Captain schwieg, als er erkannte, was Daniels an den Einsatzort hatte bringen lassen.

Jon stellte sich neben Daniels. „Nett“, knurrte er. „Wo haben Sie die ausgebrütet? Und wozu?“

„Für Situationen wie diese hier“, antwortete Daniels, den die Respektlosigkeit des Lieutenant nicht zu stören schien. „Was den Produktionsort angeht, bezweifle ich, daß Sie dieser zu interessieren hat.“

„Hm“, meinte Jon. Er wußte, daß CEENEL die Lizenz zur Fertigung einer bestimmten Anzahl kampftauglicher Synorgs hatte, aber es war etwas anderes, davon zu wissen, als in die ausdruckslosen Gesichter der organischen Maschinen zu blicken. Wie bei den meisten Synorgs hatte man die menschliche Form beibehalten und auf überflüssige Details der Chassis verzichtet. Die Gesichter waren absolut identisch, die unbedeckte Haut an den Händen ohne jede Struktur und von der gleichen Blässe wie die leeren Augen. „Ich werfe mich in Schale“, meinte er dann und ging zu seinem eigenen Wagen.

Im Kofferraum des kleineren Transporters lagen ordentlich aufgereiht die Teile der Schutzausrüstung. Der aktuelle Standard der CiPol bestand aus einem zweiteiligen Körperpanzer und Vollhelm mit integriertem Funk und Nachtsichtsystem. Die Ausrüstung war gut gegen direkte Treffer an Kopf und Torso, half jedoch gar nichts, wenn Hals, Unterleib, Arme oder Beine betroffen waren. Aber sie war preisgünstig, und deshalb hatte die CiPol diese Ausrüstung in großen Stückzahlen bezogen. Mit routinierten Handgriffen legte Jon die Ausrüstung an, griff zuletzt zu dem Karabiner vom Typ HK53 und prüfte die Waffe, während zur Absperrung zurückging.

Dort angekommen registrierte er verärgert, daß Daniels bereits vier seiner Synorgs losgeschickt hatte, eben verschwand der Letzte im Gebäude. – „Ihr Mangel an Geduld erheitert mich keineswegs, Mr. Daniels“, bemerkte er sarkastisch.

„Sie werden mir noch dankbar sein, daß Sie nicht mit der ersten Welle aufgebrochen sind. Sie wissen doch, was Revierverhalten ist ... Sie und Mitchell haben die Ruhe der Kreatur gestört, jetzt ist sie vermutlich auf 180.“ Er hob den Finger. „Hören Sie?“

Aus dem Haus drang der Lärm abgehackter Feuerstöße, irgendwo im ersten Stock splitterte eine Fensterscheibe.

Die Umstehenden suchten Deckung hinter den Fahrzeugen, doch es folgten keine weiteren Irrläufer nach draußen. Statt dessen schoß ein undefinierbarer Klumpen durch die Überreste eines der Fensters und schlug in einem Regen von Holz und Glassplittern auf dem Boden auf.

Es war der Torso eines der Synorgs, der Kopf fehlte ebenso wie der rechte Arm und beide Beine. Aus den Rißstellen sickerte eine farblose Flüssigkeit, die sich bei Kontakt mit der Luft zu einer harzigen Masse verhärtete.

„Ihre Spielzeuge scheinen mit der Situation nicht fertig zu werden“, stellte Jon fest. „Ich mache das selbst.“ – Bevor ihn Daniels oder jemand anders zurückhalten konnte, hatte er im geduckten Lauf die wenigen Meter bis zum Eingang überwunden, den Karabiner im Anschlag preßte er sich kurz neben der offen stehenden Tür gegen die Wand. Als es dahinter keine Reaktion gab, huschte er durch die Tür und verharrte sichernd im Flur.

Dieser hatte sich in der Zwischenzeit nicht verändert, sah man von den Einschüssen im obersten sichtbaren Bereich des Geländers und einem weiteren regungslosen Synorg ab, der auf dem mittleren Absatz der Treppe lag. Mit aller gebotenen Vorsicht und nach oben sichernd begab sich Jon zum zweiten Mal an diesem Tag in den ersten Stock.

Daniels hatte Jons Aktion mit einem Stirnrunzeln verfolgt, nun winkte er seine vier verbleibenden Synorgs heran. „Der Mann in dem Gebäude muß auf jeden Fall beschützt werden“, ordnete er an. „Zugriff.“

 

Unter dem Helm hörte Jon seinen eigenen Atem seltsam verzerrt, während er wie in Zeitlupe die letzten Stufen der Treppe überwand. Hätte ihn jemand gefragt, warum er noch einmal in dieses Haus zurückging, hätte er zu diesem Zeitpunkt keine eindeutige Antwort darauf gewußt. Vielleicht war es der Drang nach Vergeltung, möglicherweise auch der unterbewußte Wunsch, die eingebildete Schande seines vorherigen Rückzuges auszumerzen, eventuell auch das Gefühl, nichts zu verlieren zu haben. Vielleicht war es ein wenig von allem.

Während er erneut den Hauptkorridor des ersten Stocks betrat, kam ihm durchaus zu Bewußtsein, daß es Wahnsinn war, was er hier tat: Mit unzureichender Ausrüstung gegen eine gereizte Kreatur vorzugehen, die mehrere direkte Kopftreffer ohne erkennbare Wirkung weggesteckt und es danach geschafft hatte, zwei sicherlich hochwertig gezüchtete Kampf-Synorgs in handliche Bestandteile zu zerlegen.

Dieses Wissen zusammen mit dem Anblick von Mitchells Leiche hätte ihn vermutlich zurückgehalten, aber als er den Wohnungseingang erreichte, fand er dort nur die Trümmer der Tür sowie unzweideutige rote Flecken an der Wand und eine getrocknete Blutlache am Boden darunter. Jon kamen Zweifel, aber diese hielten in der angespannten Atmosphäre der Bedrohung nur einen Sekundenbruchteil. Er machte den Job lange genug, um sagen zu können, durch welche Einwirkung jemand eindeutig starb; ein Stich durch Solarplexus, Herz und eventuell sogar eine Verletzung des Rückenmarks gehörten dazu. Aaron war tot und der Verbleib seiner Leiche war nicht annähernd so wichtig wie der Aufenthaltsort der Kreatur, die ihn getötet hatte.

Im Stockwerk über ihm ertönte erneut das trockene Knattern aus zwei Waffen und verriet sowohl den Aufenthaltsort der Kreatur als auch den der zwei verbleibenden Synorgs. Weißer Staub rieselte von der Decke, als ein schwerer Körper über die verputzen Bretter lief, die gleichzeitig den Boden des 2. Stocks bildeten.

Wieder ertönten Schüsse und schräg über Jons Kopf bildete sich eine unregelmäßige Linie von Einschußlöchern, durch die das flackernde Licht des Mündungsfeuers fiel. Einige der Projektile frästen sich dicht neben Jons Füßen in die Dielen und er beeilte sich, aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu kommen. Die angrenzende Wohnung war das naheliegende Ziel seines Ausweichens und er erreichte es keinen Augenblick zu früh. Weitere Geschosse ließen kleine Fontänen von Schmutz auf dem Flur vor der Tür tanzen, dann folgten Splitter, dann Bretter und schließlich brach die ganze Decke nach unten weg. Der polternde Lärm wurde von einer Wolke aus Staub begleitet, die den Flur füllte und durch die Tür wallte.

Allerdings war Jons Sicht nicht stark genug eingeschränkt, daß er die Bewegung auf dem Korridor nicht bemerkt hätte. Ein animalischer Schrei, eine Mischung aus Brüllen und Kreischen, tat sein Übriges um ihn wissen zu lassen, daß nicht allein wurmstichiges Holz und Putz heruntergekommen waren. Das durch ein gewaltiges Loch in der Außenwand hinter ihm fallende Licht war hilfreich; und er wartete gerade lange genug, um sicher zu gehen, daß er nicht versehentlich auf einen der Synorgs zielte. Dann eröffnete er das Feuer auf den Schemen vor der Tür; die Schüsse hallten in dem nahezu leeren Raum beinahe schmerzhaft wieder. Der Geräuschfilter in Jons Helm reagierte zuverlässig und hüllte das kleine Inferno in unheimliche Stille, nur Sekundenbruchteile, nachdem es eingesetzt hatte.

Die mehrfach getroffene Kreatur richtete ihre Aufmerksamkeit auf den neuen Gegner. Der Kalkstaub hatte sich schnell gelegt und so war Jon dem auf ihn fixierten Blick schutzlos ausgeliefert. Das erschreckende Äußere der Bestie hatte keine Wirkung mehr auf ihn, während er den Blick erwiderte. Lediglich kleiner Teil seines Unterbewußtseins registrierte die kalte Intelligenz in den schwarzen Knopfaugen des Wesens, aber es war nicht der Teil, der in dieser Situation die Kontrolle hatte. Erneut eröffnete er das Feuer.

Die Kreatur wurde von den Treffern im eigenen Angriffsprung erwischt, taumelte trotz seiner gewaltigen Körpermasse zurück und brüllte ihre Frustration über den mißlungenen Gegenangriff hinaus.

Jon bemerkte die zahlreichen Wunden und wie wenig diese die Bestie zu stören schienen; allerdings schien sein Kontingent an Panikhormonen bereits bei seiner Flucht aus dem Gebäude aufgebraucht worden zu sein. Er nahm den Finger erst vom Abzug, als die fest im Hüftanschlag gehaltene Waffe aufhörte zu zucken und das Rattern der Schüsse verstummte. Für ein Nachladen war keine Zeit, er ließ die nutzlose Waffe fallen, zog seine Pistole und legte an.

Er mußte kein Genie sein um zu erkennen, daß er sich in eine Sackgasse manövriert hatte. Das Apartment hatte keinen zweiten Ausgang und auch das Loch hinter ihm würde ihm nur einen Sturz aus dem ersten Stock einbringen. Dies war einer direkten Konfrontation vermutlich vorzuziehen, aber Jon erinnerte sich, daß direkt hinter dem Haus einer der stillgelegten Kanäle lag, welche die Altstadt von der City trennten. Um diese Jahreszeit würde es dort kein Wasser geben, seinen Sturz zu bremsen.

Sein Zeigefinger berührte den Abzug ... Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß er nicht nur vor einem Tier stand, hätte er ihn in diesem Moment erhalten. Die Kreatur stützte sich auf die verwachsenen Vorderläufe, senkte den unförmigen Schädel und fixierte Jon mit einem Blick, der dem vorigen in seiner Bedrohlichkeit in nichts nachstand. Allerdings verzichtete es auf einen Angriff und Jon erkannte, daß die Aufmerksamkeit diesmal nicht ihm galt. Sie war auf die Waffe gerichtet und es schien, als warte die Kreatur darauf, daß ihm der Arm einschlief und sie ihre Chance bekam.

Jon begriff die plötzliche Vorsicht nicht. Hatte sein letzter Angriff das Faß zum Überlaufen gebracht, die Widerstandskraft der Kreatur an ihre Grenzen getrieben? Wirkte sich nun doch der Blutverlust aus? Hatte er zufällig ein wichtiges Organ getroffen?

Erst die automatische Abschaltung des Geräuschfilters brachte die Erklärung: Die heruntergekommene Wohnung war vom dumpfen Flattern nunmehr lärmreduzierter Rotoren erfüllt, ein Geräusch, welches aufgrund der Nähe hinter ihm in gewisser Weise eine ähnliche Bedrohlichkeit ausstrahlte wie die Kreatur vor ihm. Im Empfangsteil seines Helmfunkgerätes knackte es und eine Stimme sagte etwas, das zu stark verzerrt war, als daß er sich einen Reim darauf hätte machen können. Die Meldung wurde erneut gesendet, erneut undeutlich, aber Jon mußte das Wort nicht verstehen, als er das anschwellende Summen eines Elektromotors hinter sich hörte. Er reagierte beinahe automatisch und ließ sich, die Waffe im Anschlag haltend, nach hinten fallen.

Es war keinen Augenblick zu früh. Ein infernalisches Röhren setzte ein, kaum daß sein Steißbein schmerzhaften Kontakt mit dem Boden machte. Der Geräuschfilter erfüllte erneut seine Schuldigkeit, doch diesmal mußte Jon nichts hören, um zu wissen, was geschah. Die Kreatur wurde gegen die Korridorwand gestoßen, getrieben von Tausenden unsichtbarer Fäuste, deren Schläge das graubraune Gewebe zerfetzten. Ein roter Nebel sprühte durch den Korridor und hinterließ eine feinen roten Film auf den Wänden, dem Boden und auf Jons Kleidung.

Er legte den Kopf nach hinten, damit sein Visier klar blieb und mußte feststellen, daß dies ein sinnloses Unterfangen war. Die Lichtfilter setzten beinahe sofort ein und er konnte nur einen kurzen Blick auf die vom Licht der Sonne umgleißten Konturen des Helikopters werfen, dessen Geschütz tosende Vernichtung durch das Loch in der Mauer spie. Einige der Geschosse streiften die Ränder des Loches und rissen Putz und ganze Ziegelsteine heraus.

Einer dieser Steine wirbelte durch den Raum und schlug gegen Jons Helm. Der Schmerz war nur kurz, die darauffolgende Schwärze jedoch schien für die Ewigkeit gemacht zu sein.

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Erstellt: 25.04.2005, zuletzt aktualisiert: 24.02.2015 12:36