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Die Hexengräfin von Karla Weigand

Rezension von Christel Scheja

 

Im 17. Jahrhundert stürzen die immer noch schwelenden Auseinandersetzungen zwischen den Katholischen und den Reformierten Europa in ein Chaos. Die Folge ist unter anderem auch der Dreißigjährige Krieg, in dem nicht nur die Religion, sondern auch konkrete Machtinteressen eine Rolle spielen. Eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens entsteht, idealer Nährboden für Aberglauben, Furcht und Hass, der sich oft genug gegen Unschuldige entlädt. In keiner Zeit werden mehr Menschen als Hexen verbrannt, als in dieser. Wo eigentlich Vernunft und Mitgefühl regieren sollten, herrschen Fanatismus und die Lust auf Grausamkeit.

 

Auch wenn sie noch nicht in dem Maße von den Kriegswirren berührt werden. so breitet sich die düstere Atmosphäre auch über die Ortenau aus und schlägt grausam zu. Wie aus heiterem Himmel wird Helene, die Tochter des Schultheißen von Hexenjägern verhaftet und eingesperrt. Während die Familie des jungen Mädchens unter schock steht, versucht deren adlige Freundin Adelheid von Ruhfeld alles, um sie wieder frei zu bekommen. Aber vergeblich.

Weder Maximilian Veigt noch der oberste Richter Bertold Munzinger sind bereit Gnade zu zeigen, denn sie wollen nicht das Gesicht verlieren. So muss Helene die damals üblichen Verhöre, Folter und schließlich auch Demütigungen und Vergewaltigungen durch ihre Peiniger ertragen. Erst wenn sie bereit ist zu gestehen, will man damit aufhören, doch dann wird man sie auch gleich dem Feuertod überantworten.

Derweil fasst Adelheid einen verwegenen Plan. Sie will mit Freunden und ihrem Bruder die freunden befreien und weit fort bringen, damit sie niemand mehr behelligen kann. Sie will in das nahe Frankreich fliehen, zu einem Onkel, der selbst ein Kirchenmann ist...

Vielleicht kennt der einen Ort - vielleicht ein Kloster, in dem Helene wieder an Geist und Seele genesen kann, wenn dies überhaupt noch möglich ist...

 

„Die Hexengräfin“ ist ein interessanter Roman. Einerseits beschäftigt sich das Buch mit einem derzeit sehr beliebten Thema: Der Schilderung eines dramatischen Frauenschicksals vor historischer Kulisse, andererseits spielen aber Liebesgeschichten eher eine untergeordnete und zweitrangige Rolle.

In erster Linie interessiert die Autorin wie die beiden jungen Frauen mit den Wendungen des Schicksals zurecht kommen. Sie beschreibt Helenes Leidensweg ebenso eindringlich, wie das Leben in einem französischen Kloster, das sich die beiden jungen deutschen Frauen auch ganz anders vorgestellt haben.

Sowohl Helene als auch Adelheid wirken dabei sehr modern, bleiben aber für ihre Zeit trotzdem glaubwürdig, da sie im Verhalten nicht all zu sehr aus den vorgeschriebenen Normen fallen.. Auch wenn beide letztendlich ihr Glück und ihren Frieden in der Familie finden, so bleiben sie doch bis zum Ende ihren Prinzipien treu und tun das, was sie für richtig halten. Das macht sie wie auch den Rest der sympathischen Figuren recht lebendig. Anders sieht es mit den Gegenspielern aus, die durchweg negativ und dabei leider auch recht eindimensional geschildert werden.

Immer wieder lässt die Autorin auch die historischen Entwicklungen einfließen. Teils erleben die Heldinnen sie hautnah mit, teils erleben sie die Auswirkungen davon.

 

„Die Hexengräfin“ bricht zwar nicht all zu sehr aus den heute gängigen Klischees des Historienromans aus, bietet aber eine interessante Variation des alten Themas um Liebe, Drama und Hexenschicksal.

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Die Hexengräfin

Autorin: Karla Weigand

broschiert, – 589 Seiten

Heyne, erschienen Mai 2007

ISBN 978-3-453-47079-8

Titelbild von Corbis

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.06.2007, zuletzt aktualisiert: 03.08.2020 15:37