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Die Insel des Dr. Moreau von H. G. Wells

Rezension von Christel Scheja

 

Viele Leser kennen H. G. Wells als Verfasser von „Die Zeitmaschine“ oder „Krieg der Welten“ und einen der Väter der Science Fiction. Weniger bekannt ist sein mehr dem Horror zugeneigtes Buch „Die Insel des Dr. Moreau“, in der er plastisch vor Augen führt, in welche Abgründe menschlicher Forscherdrang führen kann. Auch dieser Klassiker erscheint nun im Rahmen der neuen Reihe mit Schauerliteratur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts von DTV.

 

Edward Prendick erleidet nach der Kollision seines Schiffes mit einen havarierten Frachter Schiffbruch und ist über Monate verschwunden. Als er auftaucht ist er alleine und bringt die Kunde von schrecklichen Ereignissen auf einer abgelegenen Insel mit.

Zusammen mit einigen Matrosen strandet er dort und findet erst einmal freundliche Aufnahme. Da er intellektuell mithalten kann, freundet er sich mit dem exzentrischen Dr. Moreau, der dort zurückgezogen lebt.

Doch schon bald findet er heraus, dass sein Gastgeber auch eine ganz andere Seite hat. In seinem Wahn, Tiere menschlich zu machen, hat er die Eingeborenen, die bisher friedlich auf der Insel lebten, in Kreaturen verwandelt, die beides und nichts sind.

Und dieses Schicksal scheint nun auch Edward zu drohen. Dem jungen Engländer bleibt letztendlich nur noch die Flucht.

 

Auch wenn der Roman bereits aus dem Jahr 1896 stammt, so sind doch einige seiner Aussagen immer noch aktuell. Zwar würden Wissenschaftler heute nicht mehr nur mit dem Skalpell arbeiten, sondern auch genetische Methoden verwenden, um Wesen zu verändern und die Intelligenz von Tieren zu steigern, aber die ethische Frage ist immer noch die gleiche – darf der Mensch so einschneidend in die Natur eingreifen und dabei moralische Grenzen überschreiben.

Der Roman ist vielleicht nicht lang – Wells konzentriert sich auf das Wesentliche – aber er bringt die Dinge, die der Autor vermitteln will, zielstrebig auf den Punkt. Dabei sind die Figuren nur Mittler zwischen der Handlung und dem Leser – was man daran merkt, dass weder der Ich-Erzähler noch sein finsterer Gegenspieler einen besonderen Charakter entwickeln – sie sind schlichte Archetypen.

Man darf natürlich keine ekligen und brutalen Horrorszenarien erwarten wie bei modernen Autoren, aber das angedeutete Grauen reicht bereits aus, um dem Leser einen kalten Schauer über den Rücken rinnen zu lassen.

Zu dem Roman kommt auch noch ein Essay von Jorge Louis Borges, der Wells und Verne, miteinander vergleicht und die gravierenden Unterschiede zwischen den beiden herausarbeitet. Das liest sich auch sehr interessant.

 

Alles in allem ist „Die Insel des Dr. Moreau“ durchaus einen Blick wert, ist er doch einer der eher vergessenen Klassiker der Schauerliteratur und spricht Themen an, die auch heute noch sehr aktuell sind.

 

Eure Meinung:


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Die Insel des Dr. Moreau

Autor: H. G. Wells

DTV, erschienen Januar 2012

broschiert, 188 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Felix Paul Greve

ISBN-10: 3423140739

ISBN-13: 978-3423140737

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.01.2012, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57