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Die Klinge aus Feuer von Stuart Hill

Reihe:Eismark-Zyklus, Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

Mit dem Roman „Die Herrscherin der Eismark“ gelang dem britischen Autor Stuart Hill ein Überraschungserfolg. Das in sich geschlossene Buch verband phantastische und historische Elemente in einer sehr eigenwilligen Mischung aus. Erwachsene wie Kinder konnten sich daran erfreuen. War den älteren schnell klar, an welchen Epochen und Völkern er sich orientierte blieb für die jungen Leser das magische Abenteuer mit Wermenschen, Vampiren und einem Schuss Magie.

Zwanzig Jahre ist es nun her, seit Thirrin Freya Starker Arm Lindenschild als Fünfzehnjährige nach dem Schlachtentod ihres Vaters den Thron übernahm und ihr Land gegen den eroberungswütigen polypontischen Feldherren Scipio Bellorum verteidigte. Damals gelang es ihr mit einem Bündnis zwischen den menschlichen und magischen Völkern des Nordens, die Invasion aufzuhalten und zurückzuschlagen. Die Polypontier und ihr kriegslüsterner Feldherr mussten sich letztendlich geschlagen geben und die Eismark verlassen.

 

Der Mut und die Entschlossenheit des kleinen nordischen Landes sorgte in den kommenden Jahren für viel Unruhe im Süden. Andere unterjochte Länder rebellierten und versuchten die Oberherrschaft der Polypontier abzuschütteln. Das brachte der Eismark eine lange Zeit des Friedens.

Thirrin hat diese Zeit genutzt, um mit Oskan Hexensohn eine Familie zu gründen. Die Thronerbin Cressida und die ihre Brüder Cerdic und Eodred wachsen zu wahren Kriegern heran, während die einzelgängerische Medea mehr nach dem Vater schlägt und sich ganz in ihre magischen Studien vergräbt. Und in den Glauben, dass ein anderer ihr die Liebe der Eltern gestohlen habe.

Denn Thirrins jüngster Sohn Charlemagne, genannt Sharley ist bei der Geburt fast gestorben und hat ein verkrüppeltes Bein zurückbehalten. Da er lange umsorgt werden mussten, hat er die meiste Aufmerksamkeit der Eltern genossen.

Und nun erkennt der Vater durch eine Vision auch noch, dass Sharley in nicht all zu ferner Zukunft ein großes Schicksal erwartet.

Doch dann überschattet eine nur all zu bekannte Bedrohung das Leben in der Eismark und in der königlichen Familie. Den Polypontiern ist es gelungen, die Aufstände im Reich nieder zu schlagen und ihre Macht zu festigen. Nun haben sie wieder Zeit, sich der Eismark zuzuwenden. Unter der Führung des immer noch nach Rache dürstenden Scipio Bellorum und seiner Söhne setzt sich eine Kriegsmaschinerie in Gang, der Thrirrin trotz der Bündnisse nicht viel entgegen setzen kann.

So schickt sie Sharley zusammen mit den Zivilisten der südlichen Städte in das Exil, damit wenigstens ein Teil ihres Volkes überlebt. Doch damit begünstigt sie nur die Prophezeiung ihres Gemahls. Denn der jüngste Sohn ist niemand, der die Hände in den Schoß legt und abwartet. Weil er auch etwas tun möchte, sucht er nach Verbündeten und findet sie in den Bewohnern eines Wüstenlandes, die ihm auch einen Weg zeigen, wie er selbst zu einem Krieger werden kann.

 

Auch hier das Rezept von Stuart Hill wieder. Bewusst spinnt er die Ereignisse des ersten Bandes weiter und beschreibt mit dem polypontischen Reich das zerfallende römische Imperium, das noch einmal versucht die Macht im Norden zu sichern, mit der Eismark, die germanischen Stämme, die sich nicht erobern ließen. Dazu kommen diesmal noch ein Wüstenreich, dass sehr stark an die frühen maurischen und arabischen Reiche Nordafrikas erinnert und ein Stadtstaat, der eindeutig als Venedig zu erkennen ist.

Allein die Waffen, die von den Polypontiern eingesetzt werden wirken auf den ersten Blick anachronistisch, man denke an die Luftschiffe und Kanonen – aber sie passen in der Technik zum Entwicklungsstand der Reiche und sind wie die Vampire, Werwölfe und die diesmal intensiver eingesetzte Magie der Fantasy-Aspekt des Buches.

Auch wenn er im Grunde Teile des Befreiungskampfes aus dem ersten Roman wiederholt, wird das Buch nicht langweilig, da einerseits einige Entwicklungen konsequent sind, andererseits andere Aspekte in den Vordergrund rücken. Auch die königliche Familie bleibt nicht ohne Verluste, und Oskan, der im ersten Band eher zurückhaltend und harmlos wirkte, zeigt diesmal auch seine dunklen Seiten.

Die größte Entwicklung macht allerdings Charlemagne durch, der sich von einem mürrischen Krüppel in einen tatkräftigen Krieger verwandelt. Wie Thirrin wird er innerhalb kürzester Zeit erwachsen und von den Göttern Begünstigter. Zwar trägt Stuart Hill bei ihm etwas mehr auf, als bei seiner jungen Königin, die Beschreibungen sind allerdings immer noch weit genug vom Kitsch entfernt.

Insgesamt lebt „Die Klinge aus Feuer“ von den abwechslungsreichen Beschreibungen und der spannenden Handlung, die sich dramatisch entwickelt und wie der erste Band auf eine langwierige Schlacht hinarbeitet, in der sich alles entscheidet. Offene Handlungsfäden aus dem ersten Band werden zusammen geführt, die neuen Helden mit Leben erfüllt. Aber neben vielen neuen Figuren erhalten auch noch die aus dem ersten Band bekannten Raum und sinken nicht gänzlich zu Statisten herab.

Alles in allem macht der Autor dem Fantasy-Abenteuerroman alle Ehre. Er entführt in exotische Kulturkreise, würzt alles mit einem Hauch von Pathos und spart nicht an Action. Die Helden bleiben ausgesprochen menschlich und wissen immer wieder zu überraschen.

 

Zwar ist „Die Klinge aus Feuer“ etwas vorhersehbarer als „Die Herrscherin der Eismark“, weil aber trotzdem mit einer abwechslungsreichen Geschichte zu gefallen in dem Action, Drama und Magie reichlich vorkommen und jung wie alt durch eine spannende Handlung in den Bann schlagen kann.

 

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Buch:

Die Klinge aus Feuer

Reihe: Eismark-Zyklus, Bd. 2

Autor: Stuart Hill

Broschiert, 649 Seiten

dtv, erschienen Septemver 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Wolfram Ströhle

Titelbildgestaltung von Ian Butterworth nach einer Illustration von Mark Edwards und Carol Lawson

ISBN-10: 3423623640

ISBN-13: 978-3423623643

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 24.09.2008, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49