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Die Macht der Finsternis von Hugh Walker

Rezension von Ramona Schroller

 

Klappentext:

"Finsternis, das mag für alles Leben der dunkle Kosmos jenseits der Sterne sein. Aber ich sage: Finsternis droht in jedem Einzelnen von uns."

 

Glauben Sie an Magie?

 

Für die Bewohner der Welt MAGIRA ist Magie ein Teil ihrer Wirklichkeit. Für Thorich, den Abenteurer aus Tanilorn, ist sie eine Kraft, die nach seinem Leben greift und der er zu entfliehen sucht. Für Bruss, den jungen wolsischen Edlen, ist sie ein Teil seines Erbes: denn in seinen Adern fließt das Blut der Mythanen, jenes zaubermächtigen Volkes, das einst mit den Mitteln der Finsternis die Welt beherrschte. Für Ilara, Priesterin der Götting Äope, ist sie das vorbestimmt Schicksal. Und für den Schöpfer MAGIRAs ist Magie die Macht seiner eigenen Fantasie.

 

Inhalt:

Thorich, der Abenteurer aus Tanilorn, wurde von seinen Gefährten getrennt. Auf der Suche nach ihnen wird er von den Gisha aus E'lil gefangengenommen und in die ewige Stadt gebracht. Dort soll er helfen herauszufinden, was im Tempel Äopes vor sich geht, denn die Priester scheinen plötzlich gar nicht mehr so erpicht auf ihre geflohene Priesterin zu sein. Thorich sieht sich selbst schon als Menschenopfer auf dem Altar enden - etwas, was auch ungefähr so eintrifft - , doch er findet auch etwas heraus - leider zu den Ungunsten I'lils: Die Priester haben Kontakt mit einem Mythanen aufgenommen, und der will die Finsternis zurückbringen nach MAGIRA - was gründlich mißlingt.

 

Ilara und Bruss, die mit dem Turm verschwanden, finden sich unversehens in einer unwirtlichen Welt wieder und werden kurz darauf getrennt. Bruss, den die Seelen der Gefangenen seines Onkels Daran begleiten, wird bald darauf auf ein gewaltiges Schiff gerettet und erfährt, wo er sich überhaupt befindet: In der Welt der Ewigen Schlacht! Die Krieger des Lebens benutzen ihn, um genug Kraft für einen erneuten Vorstoß gegen die Finsternis zu erhalten, da tauchen vier Reiter am Himmel auf, um den jungen Edlen zu entführen ...

 

Thorich hat sich inzwischen nach Kanzanai abgesetzt, um dem Krieg zuvorzukommen, den der Kaiser plant. Ein Händler bittet ihn um Hilfe, denn seine Tochter sitzt im Turm des Fürsten und soll dort dem Ritual der ersten Nacht nachkommen - dumm nur, daß sie keine Jungfrau mehr ist. Thorich willigt ein und plant die Entführung des Mädchens. Und kurz darauf taucht auch der Magier wieder auf, dem er bereits in I'lil begegnet ist ...

 

Rezension:

Das waren noch Zeiten ... Mannomann! Heute will man das kaum noch glauben, aber es ist wahr. Selbst wenn ich zu denen gehöre, die die Entwicklung der Fantasy in den letzten dreißig Jahren für negativ halten, muß ich doch zugeben, wir haben heute wesentlich mehr Auswahl, was wir denn nun lesen wollen, als es in den 70ern und 80ern der Fall war.

 

Meine erste Begegnung mit MAGIRA verlief leider nicht ganz so harmonisch wie Kai Meyer die seine im Nachwort schildert. Mag daran liegen, daß wir hier in meiner Heimatstadt keine schmuddeligen kleinen Läden hatten zu dieser Zeit. Aber auch ich fand im zarten Alter von 13 mal eins dieser Bücher, damals noch wesentlich schmalbrüstiger, von Pabel. Der Unterschied war: Ich durfte es nicht kaufen, da ich mit meinen Eltern unterwegs war und ihnen das Cover ... nun ja, sagen wir, es sagte ihnen nicht zu. Als ich das nächste Mal in die Nähe des Ladens kam, war das Buch *natürlich* schon weg und ich guckte in die Röhre.

 

Trotzdem ging so eine Art Faszination von den MAGIRA-Büchern auf mich über. Aber, wenn wir schon über den Fluch der Veröffentlichungen sprechen, sprechen wir auch über meinen persönlichen Fluch: Ich habe bis 2005 nie wieder eins in Händen gehalten. Es begann so etwas wie meine persönliche Gralssuche, denn nirgendwas mußte doch einfach an den Dingern sein, daß sie mir einfach immer wieder durch die Hände flutschten. Seit über 20 Jahren also suchte ich verzweifelt, bis Bastei-Lübbe dem ganzen letztes Jahr ein abruptes Ende setzte, quasi mit der Fliegenklatsche erschlugen sie meinen persönlichen Mythos und bringen jetzt die MAGIRA-Bände neu und überarbeitet wieder heraus - kaufbar für jedermann und mit Covern, die sogar meinen Eltern zugesagt hätten. Muß ich wirklich erwähnen, daß bei mir irgendwie der Reiz weg war?

 

Jetzt also kan ich endlich das seinerzeit so verschmähte Buch doch noch in den Händen halten, und irgendwie kommt Nostalgie in mir auf. Nostalgie auf eine Zeit, in der ich händeringend nach Lesefutter suchte, den ich noch nicht kannte. Nostalgie nach der Zeit, in der ich der Buchhändlerin in unserem Dorf wohl tierisch auf die Nerven gefallen sein muß, wenn ich immer wieder nach genau der und der Neuerscheinung fragte, die dann doch wieder verschoben, oder, im schlimmsten Fall, in der die Reihe komplett eingestellt wurde. Nur nach einem kommt irgendwie keine Nostalgie auf: Nach den Covern der damaligen Bücher.

 

Insofern hat Bastei mir einen großen Gefallen getan, indem man neue Cover wählte. Aber da kann man bekanntlich anderer Meinung sein. Nur, selbst wenn ich heute noch ein Buch aus der früheren Zeit aus dem Karton nehme, überkommt mich meist ein grausiges Gefühl. Brrr, da sind heute die meisten Bücher doch schöner - zumindest von außen.

 

Aber zurück aus der Vergangenheit, hinein in die Vergangenheit. Hugh Walker ist wieder da - und diesmal soll MAGIRA erstmals ganz veröffentlicht werden. Wollen wir es hoffen, damit die Sammler und Fans endlich vollkommen auf ihre Kosten kommen.

 

Aber was erwartet den heutigen Leser, wenn er ein MAGIRA-Buch aufschlägt? Antwort: Nostalgie. Walker mag die Bücher überarbeitet haben, ich weiß es nicht, da ich die alten nicht kenne, dennoch ist noch genug von der alten Fantasy übrig, um sie zu erkennen. Damals als die Helden noch Helden waren und Frauen schöne und begehrenswerte Frauen ...

 

Nein, so einfach ist es denn doch nicht. Der Autor setzt seine Geschichte in eine klassische Fantasy-Handlung (Held, Gefährten, Abenteuer), doch seine Welt ist vielschichtiger als eine einfache Ebene. Am ehesten ließe sich hier ein Vergleich zu Moorcocks "Ewigem Helden" ziehen, was dann aber doch wieder ganz anders ist.

 

Walkers Charaktere bestehen gerade durch ihre Einfachheit. Der Held ist ein Held, da gibt's nichts dran zu rütteln. Düstere Geheimnisse dürfen da nur die Magier - äh, die Mythanen - haben. Und die sind dann so undurchsichtig, daß man sich als Leser fragt, ob der Autor sich mit ihnen auskennt oder ob er die Geschichte so laufen läßt. Ich mag das nicht beurteilen. Doch wenn ich Walkers Vorwort lese, bin ich versucht zu glauben, daß er diese Figuren einfach sich selbst überließ und sagte: "Nun macht mal, Jungs!"

 

Nein, sonderlich anspruchsvoll ist MAGIRA nicht, dafür aber eine entspannende, teilweise witzige Lektüre, die Kurzweil aufkommen läßt. Und natürlich den Hauch Nostalgie nicht zu vergessen, der diesen Büchern anhaftet. Leute, wenn ihr lesen wollt, was eure Eltern schon gelesen haben, dann greift bei diesem Zyklus zu. Und Ältere werden ins Schwärmen geraten, wie schön einfach die Welt doch vor 30 Jahren noch war. Jaja, das waren noch Zeiten ...

 

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Die Macht der Finsternis

Autor: Hugh Walker

Broschiert - 347 Seiten - Lübbe

Erscheinungsdatum: Dezember 2005

ISBN: 3404205251

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.02.2006, zuletzt aktualisiert: 18.07.2019 19:45