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Die Prophezeiung der Schwestern von Michelle Zink

Rezension von Christel Scheja

 

In den letzten Jahren erscheinen vermehrt romantische Mystery-Romane, die junge Mädchen in den Mittelpunkt einer unheimlichen Handlung stellen. Hin und wieder geht es dabei nicht unbedingt um eine Liebesgeschichte, sondern eher ein düsteres Vermächtnis, mit dem die Heldin plötzlich und unerwartet konfrontiert wird, das aber schon immer ihr Schicksal war.

Das ist auch in „Die Prophezeiung der Schwestern“, dem Debütroman der in Südkalifornien geborenen und heute in New York lebenden Michelle Zink der Fall.

 

Im Winter 1890 ereignen sich zwei Dinge, die das Leben der Zwillingsschwestern Amelia und Alice erschüttern. Die Töchter aus gutem Hause müssen ihren Vater zur Ruhe betten und fast gleichzeitig erscheinen seltsame Zeichen auf der Haut ihrer Handgelenke, die sie voreinander verbergen.

Vor allem Amelia, die von allen nur Lia genannt wird, weiß nicht, was sie davon halten soll, da sie von nun an auch unheimliche Träume quälen, die sie nicht richtig deuten kann. So verbirgt sie das Mal, das einer Schlange gleicht, die sich um ein „C“ windet erst einmal. Sie beginnt auch Misstrauen gegenüber ihrer Zwillingsschwester zu entwickeln, da sich diese, seltsamer als sonst zu verhalten beginnt. Warum führt Alice jetzt plötzlich spiritistische Rituale in ihrem Zimmer aus, und was verbirgt sie vor Lia?

Die Furcht vor der eigenen Schwester wird noch größer, als dem Mädchen eines Tages durch ihren Freund James in der Bibliothek ein Buch in die Hände fällt, das einen lateinischen Titel trägt – „Librum Maleficii et Disordinae“, auch „Das Buch des Bösen und des Chaos“. Zentraler Inhalt ist eine Prophezeiung, in der von Zwillingsschwestern die Rede ist, die das Schicksal der Welt in den Händen halten.

Die eine ist das „Tor“ durch die die verlorenen Seelen in die Welt zurückkehren können, um an der Seite von Samael, dem gefallenen Racheengel der zum Urbösen wurde, gegen Gott zu kämpfen und dabei die Erde zu einem Schlachtfeld der Engelheere zu machen, die andere die Wächterin, die das alles verhindern soll. Die Rede ist auch von vier Schlüsseln, die das Tor erst öffnen können.

Doch wer von ihnen ist die Wächterin – und wer der Schlüssel? Lia entdeckt nur, dass Luisa, ein Mädchen aus der Schule und Sonia, eine Hellseherin, die seit kurzem in der Stadt leben, ähnliche Zeichen an ihrem Handgelenk tragen.

Nach und nach – auch mit Hilfe ihrer Tante Victoria und die Visionen, die nicht viel anderes als Reisen in die Astralwelten sind - erkennt Lia das volle Ausmaß des Grauens, denn Alice hat sich längst von ihrem Pfad abgewendet und mit dem Teufel verbündet und ist damit zu ihrer ärgsten Feindin geworden.

 

Erstaunlich nüchtern und distanziert erzählt Michelle Zink aus der Sicht von Lia, wie sich langsam aber sicher das Grauen und die Geheimnisse in ihr Leben einschleichen und die noch immer trauernden Mädchen erfahren, warum sich ihre Mutter das Leben genommen hat und nun auch ihr Vater gestorben ist.

Mit Lia zusammen enthüllt der Leser schrittweise das düstere Geheimnis, das ihre Familie und Blutlinie umgibt. Gemeinsam enträtselt man die Hintergründe des Ganzen und die Folgen, die es für die Mädchen und die Welt haben kann. Dabei werden einmal wieder jüdisch-christliche Mythen um die gefallenen Engel und ihre Sünde, sich mit menschlichen Frauen einzulassen, bemüht, was zwar nicht sonderlich neu ist, aber in dieser Form noch nicht so vorgekommen ist.

Die Geschichte entwickelt sich durch die strenge Sicht stetig und spannend, aber der Funke will doch nicht so recht überspringen, da man nicht recht mit Lia warm wird. Sie ist zwar sehr menschlich geschildert, wirkt aber stellenweise durch ihre Verdächtigungen und Wut gegenüber der Schwester nicht sehr sympathisch. Zudem bleiben alle anderen Figuren recht blass, da man durch Lias Augen nicht wirklich etwas über sie erfährt.

Genauso wenig kommen Alices Motive für die Hinwendung zum Bösen wirklich ans Licht, aber das sich die Autorin auch für kommende Bände aufgehoben haben. Denn auch wenn die Geschichte mit einem Paukenschlag endet, so ist sie doch noch lange nicht zu Ende. Sicherlich macht die Geschichte neugierig auf mehr, aber nicht so sehr, dass man unbedingt wissen muss, was los ist.

Alles in allem tut sich die Autorin etwas schwer, Dialoge wirken immer wieder sehr hölzern und der Hintergrund bleibt sehr schwammig – fast so blass wie die Figuren. Was dem Buch vor allem fehlt ist vor allem eine mitreißende und dramatische Stimmung, die vieles wettmachen würde.

Angenehm fällt nur ins Gewicht, dass sich die Autorin bis jetzt die Liebesgeschichte spart und sich dafür lieber auf ihre Heldin und die Geheimnisse, die sie und ihre Schwester umgeben, konzentriert.

 

„Die Prophezeiung der Schwester“ hat einen interessanten Hintergrund und eine dazu passend durchdachte Handlung, aber dem Buch fehlt doch noch so einiges bei der Figurenzeichnung und der Atmosphäre, so dass die ungewöhnliche Geschichte weniger mitreißend ist, als sie sein könnte.

 

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Die Prophezeiung der Schwestern

Autorin: Michelle Zink

gebunden, 414 Seiten

cbj, erschienen August 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Alexandra Ernst

Titelbild von Hauptmann & Kompanie

ISBN-10: 357013721X

ISBN-13: 978-3570137215

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.10.2009, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53