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Die Pythagoras-Morde von Guillermo Martinez

Rezension von Christel Scheja

 

Mystery-Thriller müssen andere Wege gehen, wenn sich nicht die x-te Variation von „Sakrileg“ oder „Illuminati“ erzählen wollen. So kommen findige Autoren schließlich auf die Idee, auch einmal ganz andere Bereiche zu wählen, in denen sie sich austoben können. Besonders praktisch ist es, wenn man sich dann auch noch ein wenig in der Materie auskennt und weiß, auf was man achten muss. Der promovierte Mathematiker Gulliermo Martinez bewegt sich daher auf sicherem Eis, wenn er sich mit Formeln und Zeichen beschäftigt, die durchaus etwas mit seinem Fach zu tun haben. Und er kann viele von seinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen einfließen lassen.

 

Ein argentinischer Mathematikstudent tritt stolz sein Stipendium in Oxford an, wohl wissend, dass er hier mehr lernen kann als an jeden anderen Ort der Welt. Begeistert stürzt er sich in sein Studium.

Nur mit einem rechnet er ganz und gar nicht. Schon kurz nach seiner Ankunft geschieht ein Mord. Und dann noch einer.

Eine ganze Serie reiht sich innerhalb von kürzester Zeit aneinander. Eines ist dabei auffällig: So unterschiedlich die Opfer von Geschlecht, Herkunft, Alter und Beruf her auch sein mögen, ob nun alte Frau oder jugendlicher Student, sie haben eine Sache gemeinsam: Der Mörder hinterlässt bei oder an ihnen seltsame Zeichen, die Laien Rätsel aufgeben, wenn sie sie überhaupt sehen, aber für jeden Mathematiker leicht zu verstehen sind. Sie hängen mit Pythagoras, dem griechischen Vater der Mathematik, zusammen.

Der junge Mann wird aufmerksam, denn die Verbrechen, die teilweise sogar nur wie Unfälle oder natürliche Todesursachen aussehen scheinen einer gewissen Logik zu folgen. Und so versucht er gemeinsam mit dem zum Freund gewordenen Mathematik-Professor Arthur Seldom das Rätsel hinter den Morden zu lösen und den Täter zu entlarven.

Aber je tiefer sie sich mit der Materie beschäftigen, desto deutlicher wird ihnen bewusst, das die Antwort die sie suchen, grausamer und heimtückischer sein könnte, als sie sich jemals vorgestellt haben.

 

Anders als viele vergleichbare Werke konzentriert sich „Die Pythagoras-Morde“ nur auf den reinen Kriminalfall und schmückt die Geschichte nicht auch noch mit einer Parallelhandlung um die privaten Probleme und Liebesaffären des Helden und seiner engsten Freunde mit aus, wie es heute üblich ist.

Seine Helden ergeben sich auf den nur 206 Seiten des Buches ganz den Hinweisen, die der Mörder ihnen hinterlässt und entwickeln dabei nicht wirklich eine Persönlichkeit. Sie – vor allem der aus seiner Sicht erzählende Student – bleiben schemenhaft und sind eigentlich nur Mittel zum Zweck, um das vom Autor logisch konstruierte Geheimnis nach und nach vor den staunenden Augen des Leser zu entfalten und später eine Lösung zu präsentieren, die logisch aber doch überraschend zugleich ist. Das gelingt recht gut, allerdings bleibt man beim Lesen auch auf Distanz und fiebert nicht wirklich mit, denn selbst der Stil von Martinez bleibt kalt und analytisch.

 

Heraus kommt ein interessantes Buch, dass vor allem für die Leser interessant ist, die sich weniger auf die Personen als auf den Plot konzentrieren und eine anspruchsvoll konstruierte Geschichte mögen.

 

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Die Pythagoras-Morde

Autor: Gulliermo Martinez

broschiert - 206 Seiten

Heyne, erschienen Juni 2008

ISBN 978-3-453-50375-5

Übersetzung aus dem Englischen von Angelica Ammar

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 29.07.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18