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Die Ratten in den Wänden von Howard Philips Lovecraft

Hörspiel

Reihe: Gruselkabinett Folge 138

 

Rezension von Cronn

 

Es gibt Werke der phantastischen Literatur, die weisen über sich selbst hinaus. Sie zeigen, dass sie mehr sind als reine Unterhaltung, deuten mit Hilfe von Symbolen und Metaphern auf Vorgänge der psychischen Innenwelt von Charakteren und bieten auf diese Weise bildhafte Umsetzungen der Psyche an.

Eines dieser Werke ist Die Ratten im Gemäuer von Howard Philips Lovecraft. Der amerikanische Autor lebte zu Beginn des 20ten Jahrhunderts, starb in den 30er Jahren und hinterließ ein umfangreiches Werk, das nun nach über 70 Jahren für Veröffentlichungen frei zugänglich ist. Seine Inhalte sind häufig dem Cthulhu-Mythos zuzuordnen, einer Vorstellung, bei der Wesen aus dem All die Erde einst beherrschten und die nun schlafend verborgen sind.

Der Cthulhu-Mythos ist heute schon zu einem popkulturellen Phänomen geworden. Dank Rollenspielen, Videogames und dergleichen mehr ist er in aller Munde (auch wenn viele ihn auf Tentakelmonster-greifen-an simplifizieren).

Die renommierte Reihe Gruselkabinett hat schon so manchen Lovecraft-Text in ein Hörspiel überführt. Marc Gruppe hat hierbei die Aufgabe der Adaption übernommen. Nun haben sich Gruppe und Tonmeister Stephan Bosenius der Erzählung »Die Ratten im Gemäuer« angenommen. Herausgekommen ist dabei die Nummer 138 der Reihe mit dem Titel Die Ratten in den Wänden.

 

Verlagsinfo:

Der Amerikaner Delapore entschließt sich im Jahr 1918, den Stammsitz seiner Familie in Südengland zurückzukaufen und aufwendig zu restaurieren. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts ist dort, bis auf ein Familienmitglied, unter mysteriösen Umständen die gesamte Familie zu Tode gekommen …

 

Der offizielle Klappentext ist etwas wenig aussagekräftig, daher soll er etwas ergänzt werden: Auf dem Stammsitz kommt es zu merkwürdigen Vorkommnissen. Delapore hört ein Heer von Ratten, das in den Wänden sich bewegt. Auch die Katzen benehmen sich seltsam. Mit Hilfe des Freundes seines verstorbenen Sohnes macht sich Delapore daran, das Geheimnis der Ratten und damit auch seiner Familie aufzuspüren.

 

Kritik:

Eine Adaption muss nicht sklavisch Wort für Wort einer literarischen Vorlage nacharbeiten. Die große Kunst der Adaption in ein anderes Medium ist es, die Stärken des Mediums zu kennen und gleichzeitig die stärksten und aussagekräftigsten Passagen der Vorlage zu erfassen und in die Adaption lebendig umzusetzen, sodass der Geist der Vorlage, die Intention und Aussage, erhalten bleibt. Das ist bei »Die Ratten in den Wänden« nicht vollauf geglückt.

Zum Positiven: Die bekannten Stimmen von Hans Bayer, Jonas Baeck, Marc Gruppe und den Hörspiel-Legenden Dagmar von Kurmin und Horst Naumann tragen das Hörspiel über die gesamte Laufzeit. Alle sind mit Leidenschaft dabei und machen diese Seite der Adaption zu einem gelungenen Erlebnis.

 

Auch die Soundseite ist wiederum zumeist stimmig und atmosphärisch dicht. Einzig der Soundeffekt der Ratten klingt weniger nach in den Wänden umherhuschenden Nagetieren, sondern durch das Zwitschern mehr nach einem Käfig voller Kanarienvögel. Schade, hier geht Atmosphäre verloren.

 

Vorsicht: der nächste Absatz enthält Spoiler!

 

Was dem Hörspiel als Lovecraft-Adaption aber abgeht, sind Teile der Originalbedeutung. Ohne allzusehr zu spoilern muss dennoch angemerkt werden, dass im Hörspiel einige Aspekte im Finale weggelassen wurden, welche eine Bedeutungsveränderung nach sich ziehen. So haben die Ratten in den Wänden im Originaltext eine starke Symbolkraft, sind nicht als faktische Wesen zu sehen und sind dadurch Stellvertreter für die Familienprobleme der Delapores. Auch fehlen Details der Funde in der Höhle, wodurch die Tiefe und Bedeutungsschwere der Erzählung abgeschwächt werden, wenn nicht sogar verloren gehen. Gerade das Element der archaischen Zeit, seit dem die Problematik besteht, wird kaum klar.

 

Fazit:

»Die Ratten in den Wänden« ist eine Adaption, die formal und von der Technik her gelungen ist, aber den Geist des Originalwerks nur unzureichend widerspiegelt. So bleibt als Schlussbemerkung festzustellen, dass das Hörspiel lediglich eine noch recht befriedigend gelungene Umsetzung darstellt.

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Eure Meinung:

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Hörspiel:

Die Ratten in den Wänden

Reihe: Gruselkabinett Folge 138

Original: The Rats in the Walls, 1923

Autor: Howard Philips Lovecraft

Buch: Marc Gruppe

Produktion und Regie: Stephan Bosenius und Marc Gruppe

Gemischt von Kazuya c/o Bionic Beats

Mastering: Michael Schwabe, Monoposto

Cover-Illustration: Ertugrul Edirne

Layout: Doreen Enderlein

Titania Medien, 31.08.2018

Dauer: 59.22 Minuten

Umfang: 1CD

 

ASIN: 3785757182

 

Erhältlich bei: Amazon

SprecherInnen:

  • Mr. Delapore: Hans Bayer
  • Captain Edward Norrys: Jonas Baeck
  • Alfred Delapore: Marc Gruppe
  • Diener: Horst Naumann
  • Köchin: Dagmar von Kurmin

Serienguide:

Alles zur Reihe Gruselkabinett

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.09.2018, zuletzt aktualisiert: 24.05.2019 09:22