Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Schwestern von Jack Ketchum

Rezension von Christel Scheja

 

Jack Ketchum ist eigentlich das Pseudonym des 1946 geborenen DallasMayr, der in seinem Leben schon als Lehrer, Schauspieler, Literaturagent und Holzverkäufer gearbeitet hat, ehe er sich dem Schreiben zuwandte. In Deutschland ist er vor allem durch seine preisgekrönten Horror-Thriller, die bei Heyne erschienen, bekannt. In der Novelle „Die Schwestern“ wendet er sich einem etwas anderen Genre zu.

 

„Die Schwestern“ spielt kurz nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg. Der abgehalfterte Journalist Marion T. Bell reist auf der Suche nach einer guten Story durch das staubige Arizona und reitet eine Weile zusammen mit dem Revolverhelden John Charles Har und dem raubeinigen Mother Knuckles durch die Wüste.

Eines Tages stolpert die zu Tode erschöpfte und mit sichtbaren Spuren von Misshandlungen bedeckte Elena zwischen ihre Pferde. Die drei Männer nehmen sich der jungen Frau an und päppeln sie ein wenig auf, während sie ihre Geschichte erfahren, die es in sich hat, denn sie berichtet von der brutalen Entführung in ein Sklavenlager jenseits des Flusses, dem Missbrauch durch zahllose Männer und von der grausamen Herrschaft der Valenzura-Schwestern, die auch 300 Jahre nach dem Untergang des Aztekenreiches noch immer deren alte, blutige Götter verehren und die grausamen Riten durchführen.

Auch wenn die hartgesottenen Kerle schaudern, so sind sie doch nicht mehr dazu bereit, die junge Frau aus den Augen zu lassen. Denn Elena scheint unerschrockener als sie, will sie doch wieder an den Ort ihrer Qual zurück, um auch ihre Schwester Celine zu retten...

 

Jack Ketchum ist kein Mann der feinfühligen und zurückhaltenden Beschreibungen, sondern ähnlich rau, bodenständig und direkt wie seine Protagonisten. Man merkt an der Darstellung der drei Protagonisten, dass er die amerikanischen Spätwestern liebt, in denen kaltschnäuzige und zynische Helden das Ruder in der Hand hatten und durch die Italo-Western ein viel schmutzigeres und dreckigeres Bild des davor eher glorifizierten Wilden Westens gezeichnet wurde. Deshalb passt auch die Beschreibung des Lagers inmitten der Wüste, in dem nicht nur Mädchenhändler ihr Unwesen treiben, sondern auch drei alte Hexen, sehr gut in die Atmosphäre.

Allerdings liebt er es auch Gewalt und Perversion zu zelebrieren. Genüsslich wird der Tod in Szene gesetzt, Vergewaltigungen, die es in sich haben, werden beschrieben und auch sonst nimmt er kein Blatt vor den Mund. Das ist etwas, wo sich vermutlich die Geister scheiden werden, denn was die einen als stimmiges Detail erachten, ist für andere bereits plakative Effekthascherei. Deshalb sollten Leser auch nicht all zu zartbesaitet sein.

Ansonsten wird die Geschichte sehr geradlinig und konsequent erzählt. Nur die ersten Seiten wirken etwas holprig, da der Autor hier ein wenig zu sehr abschweift und ohne Trennung in Gegenwart und Vergangenheit hin und her springt.

 

Alles in allem verbindet die Novelle Western und Horror sehr interessant miteinander, auch wenn Gewalt und Perversion nicht die Sache jedes Lesers sein dürfte.

 

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Die Schwestern

Autor: Jack Ketchum

Atlantis, Januar 2011

broschiert, 98 Seiten

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Ben Sonntag

Titelbild von Timo Kümmel

ISBN-10: 3941258249

ISBN-13: 978-3941258242

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 24.07.2011, zuletzt aktualisiert: 10.08.2020 18:25