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Die Stadt der fallenden Engel von John Berendt

Rezension von Katrin Kress

 

Eigentlich kann man über Venedig nichts mehr sagen, was nicht schon gesagt worden wäre. Falsch. Der Amerikaner John Berendt hat es geschafft die Stadt von einer ganze anderen Seite zu beleuchten. Aber er hatte auch einen besonderen Anlass: den Brand, der 1996 das historische Opernhaus der Stadt vernichtete, und seine Folgen für Venedig. "Die Stadt der fallenden Engel" nennt Berendt das Ergebnis seiner Recherchen.

 

Am Abend des 29. Januar 1996 wird das „Teatro Fenice“ das berühmte Operhaus von Venedigt zerstört:

"Plötzlich erschütterte ein weiteres ohrenbetäubendes Krachen den Erdboden. Die Böden im Eingangsflügel waren eingestürzt, einer auf den anderen. Leute, die am Campo standen, sprangen zurück, als das Dach des Eingangsflügels einbrach, wodurch Flammen und brennende Trümmer hoch in die Luft geschleudert wurden. Binnen weniger Minuten stürzte das Dach des Zuschauerraumes mit donnerndem Dröhnen ein, begleitet von einem vulkanischen Ausbruch".

Als der amerikanische Autor John Berendt drei Tage später zu einem seit langem geplanten Besuch eintrifft trifft er eine Stadt unter Schock an. Dass das historische, von den Venezianern heiß geliebte Teatro ein Opfer der Flammen geworden ist, nichts von ihm blieb als ein paar Ruß geschwärzte Mauern, kann kaum jemand begreifen. Dabei hatte Venedig noch Glück: etwas mehr Wind, aus einer anderen Richtung - und das Feuer hätte die ganze Stadt zerstören können. Tröstlich ist aber eins: das Fenice wird wieder aufgebaut. Und John Berendt hat ein neues Projekt:

"Ich beschloss, in einem Apartment zu wohnen, nicht in einem Hotel. Ich würde mit einem Notizbuch durch die Stadt wandern und gelegentlich mit einem kleinen Tonbandgerät. Ich würde kein festes Programm haben, aber ich würde mein Augenmerk mehr auf die Menschen richten, die in Venedig wohnen, als auf die elf Millionen Touristen, die jährlich hindurchliefen."

Dieses Buch wird nicht nur ein Bericht über den Wiederaufbau des Opernhauses, es wird ein Porträt des modernen Venedig. Doch John Berendt, bekannt für seine eigenwilligen, wie Romane aufgebauten Sachbücher, taucht noch einmal ein in die Stadt, in ihre Geschichte und Gegenwart, Intrigen und Skandale.

Etwas verwirrend ist jedoch der Umschlagstext, erwartet man nach dessen Studie eher einen Kriminalroman, wird man enttäuscht. Bei diesem Buch handelt es sich eher um ein Sachbuch in Romanform über das mystische und teilweise dunkle Venedig und seine Einwohner.

 

Fazit:

Mal ein etwas anderer Bericht über Venedig, der wirklich unter die Haut geht. Nicht nur als Reisevorbereitung. Man kann den Kanale Grande fast riechen, die Geräusche der Gassen hören und den Wind auf dem Sankt Markus Platz spüren.

Für alle Venedigliebhaber ist die Reise durch Venedig mit John Berendt ein absolutes Muss.

 

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Die Stadt der fallenden Engel

Autor: John Berendt

Taschenbuch, 463 Seiten

Verlag: Heyne,

Erscheinungsdatum: Januar 2008

ISBN: 978-3-453-81172-0

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.02.2008, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27