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Die Steinerne Pforte von Guillaume Prévost

Rezension von Carsten Kuhr

 

Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit dem vierzehnjährigen Sam. Erst verunglückt seine Mutter tödlich, dann verfällt sein Vater in Depressionen. Sie verkaufen ihr Haus in einer Upper-Class Gegend Kanadas, und ziehen in ein Viertel, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ein altes, verfluchtes Haus wir zum neuen Heim der Beiden. Doch es kommt noch schlimmer. Sams Vater, einst ein angesehener Archäologe, eröffnet ein Antiquariat für seltene Bücher, und verschwindet immer wieder einmal ohne Ankündigung für Tage. Sam findet bei seinen Grosseltern ein neues Heim. Doch dass sein Vater seinen Geburtstag vergisst, dass er nicht einmal eine SMS schickt, das kann er nicht glauben. Er kehrt in sein altes Zuhause zurück um nochmals nach einer Spur seines Vaters zu suchen. Im Keller, geschickt verborgen hinter einer falschen Wand findet er einen alten Stein mit einer Sonnengravur und einer Münze mit einem Loch. Als er die Münze in die Aussparung des Steines einfügt beginnt das Abenteuer – durch Raum und Zeit geht die Reise.

Zunächst verschlägt es ihn auf eine Irische Insel, kurz vor der Invasion durch die Wikinger, dann ins Ägypten der XX. Dynastie, anschließend nach Verdun während des I. Weltkriegs, bevor es ihn ins 13. Jahrhundert nach Brügge transportiert. Bei all den Abenteuern findet er aber keine Spur des Verschollenen. Nur das »Buch der Zeit« hält einen Hinweis bereit. Die Spur führt nach Transsylvanien zu Vlad Tepes genannt der Pfähler....

 

 

Der erste Band der Trilogie um das Buch der Zeit hält einen bunten Strauss gängiger phantastischer Versatzstücke für den Leser bereit.

Die Idee seinen Helden durch Raum und Zeit an fremde Orte zu versetzen ist nun nicht eben neu.

Und Sam, unser Protagonist entspricht so ziemlich jedem Klischee, das man sich nur vorstellen kann. Aufgrund seines Schicksals haben seine schulischen Leistungen nachgelassen, Freunde hat er keine, ein größerer Raufbold hat sich zudem auf seine Fersen geheftet. Damit noch nicht genug versucht der Lebensgefährte seiner Tante seine nicht vorhandenen pädagogischen Fähigkeiten an ihm zu erproben. Die Sympathien der Leser sind ihm bei diesem Schicksal gewiss.

 

Bei seinen Reisen in die Vergangenheit fällt er vom Regen in die Traufe. Ein ums andere Mal irrt er ohne Ziel und Plan in der ungewohnten Umgebung umher. Hier ist einmal nicht ein Übermensch unterwegs, der locker mit allen Situationen umzugehen versteht, sondern ein Kind, das ängstlich und verstört auf die Veränderungen reagiert. Dieser Part ist recht anschaulich und gekonnt ausgearbeitet.

 

Dennoch bleibt der Text hinter seinen Möglichkeiten zurück.

 

Die Darstellung der Lebensumstände der Vergangenheit bleibt zu oberflächlich, ohne wirkliche Tiefe. Der Autor präsentiert uns hier das Abziehbild einer typisierten historischen Situation, vermag es aber nicht die jeweilige Welt wirklich mit Leben zu füllen.

Prévost arbeitet zu sehr mit stereotypen Figuren die fast schon schablonenhaft die vorgegebene Rolle ausfüllen. Der irische Abt, der seine Kunstschätze vor den Wikingern in Sicherheit bringt, der verräterische Schreiber, der seinen Vorgesetzten meucheln will, der Alchimist der den Vater seiner Angebeteten unter Druck setzt, das haben wir so oder so ähnlich schon oft, und meist mitreißender gelesen. Zu kurz sind die entsprechenden Kapitel angelegt, als dass wirklich Atmosphäre aufkommen könnte.

 

Trotz der vorbildlichen äußeren Gestaltung des Buches mit Prägedruck also ein eher durchschnittliches Werk, das sich zwar flüssig auf einen Rutsch durchliest, und für die Zielgruppe einen menschlichen Helden bereit hält, das aber die Vergangenheit nicht zum Leben erwecken vermag.

Eure Meinung:


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Buch:

Die Steinerne Pforte

Autor: Guillaume Prévost

Reihe: Das Buch der Zeit 1

Original: Le Livre du Temps

Übersetzerin: Anke Knefel

Titelgestaltung: Christian Broutin

Arena Verlag 2007

Gebundene Ausgabe, 297 Seiten

ISBN-10: 3401060708

ISBN-13: 978-3401060705

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weitere Infos:


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Erstellt: 15.04.2007, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06