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Die Stimmen der Nacht von Stephen Woodworth

Rezension von Carina Schöning

 

„Die Stimmen der Nacht ist der zweite Roman von Stephen Woodworth rund um die „Violetten“ und spielt sechs Jahre nach den Geschehnissen in „Das Flüstern der Toten“.

Natalie Lindstrom hat nun nach vielen Jahren Dienst in der Nordamerikanischen Gesellschaft für Jenseitskommunikation, kurz NAGJK ihren Job gekündigt und arbeitet nur noch für private Auftraggeber. Schon als kleines Kind wurde sie mehr oder weniger aus der Familie gerissen und musste in einer gesonderten Schule der NAGJK lernen, wie sie ihre Gabe kontrollieren und zu deren Vorteil und Gewinn einsetzen kann. Denn Natalie ist genauso wie ihre Mutter Nora und ihre Tochter Callie eine „Violette“. Diese besonderen Menschen können über private Objekte den Kontakt zu Toten herstellen und nach einem Aufsagen eines Schutzmantras ihren Geist mit dem der Verstorbenen teilen. Die NAGJK sieht darin einen großen Nutzen und hat sich die staatlichen Rechte gesichert jeden „Violetten“ - auch gegen seinen Willen – einzusammeln und ihn für ihre Zwecke zu halten. Sie werden in einer extra Schule gründlich von der Außenwelt und den normalen Menschen abgetrennt und gewinnbringend ausgebildet. Selbstverständlich dringen diese Vorgehensweisen und Machenschaften nie an die Oberfläche. Die normalen Menschen halten die NAGJK für eine harmlose staatliche Institution, die nützlich ist bei Verbrechensbekämpfung oder wenn man mit einem Verstorbenen sprechen möchte.

Natalie hat es geschafft sich von der NAGJK zu lösen, doch nun sind sie hinter ihrer sechsjährigen Tochter her. Rund um die Uhr werden beide von drei unterschiedlichen Agenten beschattet und verfolgt. Sie warten alle nur auf einen Fehler von Natalie, um Callie dann in die bekannte „Schutzhaft“ mitnehmen zu können und das ausgesetzte Kopfgeld zu kassieren.

 

Plötzlich wird Natalie von ihrer Freundin Inez Mendoza dringend um Hilfe gebeten. Sie arbeitet zurzeit für die Staatsanwaltschaft im Fall Hyland und obwohl alle Fakten gegen den jungen und verwöhnten Sohn Scott Hyland sprechen, ist der Anwalt der Gegenseite hoch optimistisch, dass jemand ganz anderes das Elternpaar Hyland ermordet hat. Er plant Lyman Pearsall, einen dubiosen Angestellten der NAGJK in den Zeugenstand zu rufen und mit seiner Hilfe die Unschuld von seinem Mandanten zu beweisen. Inez ist sich zwar sicher, dass nur Scott der Täter gewesen sein kann, befürchtet aber, dass sie irgendein wichtiges Detail in der Sache übersehen hat. Natalie soll nun bevor es zu einer Blamage vor Gericht kommt das Ehepaar kontaktieren und sie zu dem wahren Täter befragen.

 

Zur gleichen Zeit häufen sich die Indizien, dass der ursprünglich tote Nadelspitzenmörder Thresher wieder zugeschlagen hat. Natalies Mutter Nora hatte vor zwanzig Jahren in dem Fall ermittelt und der Polizei geholfen, ihn trotz seiner Verkleidung als Frau erfolgreich aufzuspüren. Brutal verstümmelt und getötet, ist sie nun selbst eines seiner Opfer geworden. Anscheinend ist sein verstörter Geist „weitergewandert“.

 

„Die Stimmen der Nacht“ ist eine interessante Mischung aus Gerichtsdrama, Thriller und Mystery-Roman. Anfangs etwas zäh und langatmig geraten, steigert sich aber die Handlung schnell und bleibt dann bis zum großen Showdown in einem heruntergekommenen Landhaus spannend und interessant.

Zuerst steht im Mittelpunkt des Romans der Hyland Fall. Über die Tat an sich erfährt man zuerst gar nichts. Erst im Verlauf der Verhandlung berichten nach und nach die aufgerufenen Zeugen über das was vorgefallen ist und die Beziehungen von den drei Betroffenen untereinander. Der reiche und strenge Vater Prescott senior, der vergeblich versucht seinem verzogenen Sohn Anstand und Moral beizubringen, Elisabeth oder auch Betsy, die immer zwischen Vater und Sohn schlichten will und Prescott junior, das verwöhnte Einzelkind; materiell reich aber emotional arm. Die Figuren sind zwar altbekannte Stereotypen, handeln aber realistisch und nachvollziehbar.

Danach konzentriert sich der Roman mehr auf Natalie und Callie und wird abwechslungsreicher. Die NAGJK greift ein und auch Thesher und Lyman spielen eine

Rolle in dem Ganzen. Die Frage wer hier eigentlich wen mit welchem Motiv jagt bleibt bis zum Schluss offen.

Nebenbei werden Teile der Vergangenheit von Natalie in eingestreuten Rückblenden näher erläutert und man erhält Einblicke in ihre Sicht der Dinge. Hinzu kommen noch kurze Szenen mit Thresher und Lyman und das spannende Puzzle setzt sich so kapitelweise Stück für Stück zusammen.

Leider hat der Autor viel gutes Potenzial verschenkt. Das interessante Setting rund um die „Violetten“ und NAGJK sowie die langsam entstehenden Konflikte durch die Zwei-Klassengesellschaft werden leider konsequent vernachlässigt und bleiben dadurch eher blass und oberflächlich. Die Frage warum Natalie sich in der Öffentlichkeit versteckt, bleibt genauso unbeantwortet wie die Frage nach der Entstehung der „Violetten“ oder warum ihre Ausbildung wirklich so schlecht war?

 

Insgesamt ist „Die Stimmen der Nacht“ ein spannender und fesselnder Mix aus Thriller und Mystery. Mit einer sympathischen Heldin, einem ungewöhnlichen Setting und einen interessanten Serienmörder kann der Roman trotz der kleinen Abstriche durchaus überzeugen und gefallen.

 

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Die Stimmen der Nacht

Autor: Stephen Woodworth

Broschiert: 379 Seiten

Verlag: Heyne (Oktober 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 345340372X

ISBN-13: 978-3453403727

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 23.10.2007, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57