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Die Tochter der Schlange von Evelyne Okonnek

Rezension von Carmen Huber

 

Vor langer Zeit stürzten in Lehanar, einem Land, in dem es nie ganz dunkel wird, machtgierige Herrscher durch ihre endlosen Kriege ganze Reiche ins Verderben, so lange, bis sie sich schließlich selbst vernichteten. Damals erhob sich eine junge Frau aus einer alten Familie von Magiern und setzte ihre Magie ein, um das zerstörte Land zu heilen und alles wieder aufzubauen. Die Menschen vergaben ihr daraufhin das Amt der „Hüterin des Volkes“. Dieses Amt ist stets nur Frauen vorbehalten – denn wer Leben hervorbringt, der wird es auch schützen – und wird nur über die weibliche Linie vererbt. Generation für Generation wachen diese Frauen über die Geschicke des Volkes und setzten ihre magischen Fähigkeiten zum Wohle aller ein.

 

Seit ihre Eltern bei einem tragischen Unglück vor drei Jahren ums Leben kamen, ist nun Liahnee die neue Hüterin. Doch während ihr Bruder Minohem stets voller Eifer und Begeisterung seine magischen Fähigkeiten auskostete, war Liahnee nie besonders gut im Umgang mit der Magie, auch wenn ihr eigentlich nur das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten fehlt. Inzwischen ist sie völlig überzeugt, überhaupt keine magische Begabung zu besitzen, und bei allen öffentlichen Zuschaustellungen ihrer Kräfte muss sie sich stets auf ihren Bruder verlassen, der ihr dann immer heimlich hilft. Das Amt einer Hüterin wollte sie nie haben, denn es ist ihr mit viel zu viel Macht und Verantwortung verbunden. Doch von ihrer Bestimmung kann sie sich nicht drücken, denn sie ist die einzige weibliche Nachkommin ihrer Mutter. Doch die Lüge, die sie und Minohem einem ganzen Volk vorspielen, quält sie.

 

Dann beginnt sich Minohem immer mehr zurückzuziehen. In einem modrigen Turm brütet er Tag und Nacht über alten Zauberbüchern, und verändert sich dabei immer mehr – so sehr, dass Liahnee ihn kaum noch wieder erkennt. Doch schon bald hat die Hüterin andere Sorgen: Unerklärliche Übergriffe auf ihr Volk beginnen, und verzweifelt bittet die junge Frau ihren Bruder um Hilfe. Denn sie selbst mag zwar das Amt der Hüterin inne haben, doch ist sie machtlos gegen diese Geschöpfe – oder ist zumindest davon überzeugt. Dann begeht Minohem plötzlich einen furchtbaren Verrat an ihr – und Liahnee landet plötzlich in einer fremden Welt, wo es nie ganz hell wird, ohne Erinnerungen an ihr früheres Leben ...

 

 

Eine interessante Welt, die die junge Autorin in ihrem Erstlingsroman da kreiert hat, interessant und voller Kontraste: Da wäre die eine Seite, auf der Liahnee aufwächst und auf der es nie dunkel wird, wo die Menschen ein Leben im Wohlstand genießen können und jeder ein überzeugter Vegetarier ist. Und dann ist da noch die andere Seite, auf der sich Liahnee dann ganz plötzlich ohne Erinnerung wieder findet: Dort wird es nie richtig hell, die Menschen müssen hart um ihr Überleben kämpfen – nicht nur, weil es schwer ist, Nahrung zu finden, sondern auch gegen die Kälte und bösartige Räuber. Und auf beiden Seite erwartet die junge Frau auch ein komplett anderes Leben: Von der von allen verehrten und geachteten Hüterin bis hin zu der anfangs teils doch recht unerwünschten Fremden. Doch es ist interessant zu lesen, wie die junge Frau langsam ihrem Weg findet und sich zu behaupten lernt. Überhaupt sind die Figuren der Autorin gut gelungen, sie machen interessante Entwicklungen durch, wirken authentisch und lebendig.

 

Auch die Geschichte selbst ist spannend erzählt. Durch den abrupten Wechsel nach dem ersten Drittel des Buches, wo Liahnee sich plötzlich in einer völlig anderen Umgebung wiederfindet, kann man auch als Leser seine Umgebung wieder neu entdecken. So wird es nie langweilig. Unaufhaltsam arbeitet sich die Autorin auf einen bewegenden Höhepunkt zu, den man als Leser schon bald erahnen kann, auch wenn die Auflösung selbst noch ein paar Überraschungen bereit hält. Wissenswert ist außerdem noch, dass Evelyne Okonnek mit ihrem Manuskript zu „Die Tochter der Schlange“ den Wolfgang-Hohlbein-Preis des Ueberreuter-Verlages gewann - handelt es sich bei diesem immerhin um den höchstdotiertesten Kinder- und Jugendbuchpreis im deutschsprachigen Raum. Wie auch die anderen Bücher, die Ueberreuter in seiner Reihe „Meister der Fantasy“ bisher herausbrachte, besticht auch dieses wieder mit einer gelungen Aufmachung – dicke Hardcoverausgabe mit schönem, passendem Cover.

 

Fazit: Ein gelungenes Debütwerk, das zu Recht den Wolfgang-Hohlbein-Preis gewann.

 

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Buch:

Die Tochter der Schlange

Autor: Evelyne Okonnek

Gebundene Ausgabe - 347 Seiten - Ueberreuter

Erscheinungsdatum: Januar 2006

ISBN: 3800052210

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 24.04.2006, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53