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Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts von Wieland Freund

Rezension von Bine Endruteit

 

Rezension:

Jonas Nichts lebt auf einem Gasthof und kümmert sich dort um die Tiere. Doch er weiß, dass er dort nur lebt, weil ihn vor zwölf Jahren jemand als Baby dort abgegeben hat. Seine Eltern kennt er nicht und er weiß auch nicht, woher er kommt. Eines Tages fährt eine Kutsche beim Gasthof ein. Jonas ist erschrocken, aber auch neugierig, als er sieht, was für ein feiner Herr dort aussteigt und mit seinem Ziehvater ins Haus geht. Nachdem die beiden ihr Gespräch beendet haben, ist klar, dass der Junge von nun an nicht mehr auf dem Hof leben wird, denn er hat ein Haus geerbt. Zwar kennt er weder den Advokaten, der ihn abholt, noch die Verstorbene, aber aus irgendeinem Grund wurde ihm das Anwesen Wunderlich vermacht.

 

Schweren Herzens verabschiedet sich Jonas von seinem bisherigen Leben und steigt in die Kutsche, die ihn zu seinem neuen Heim bringen wird. Den Kutscher erkennt er als den Mann, der ihn als Baby gebracht hat, er ist nämlich stumm, was ihm sein Ziehvater erzählt hat. Dieser steckt ihm einen Zettel zu, auf dem steht „Egal, wer dich fragt! Du bist nicht 12. Du bist 13!“ Zwar versteht Jonas nicht, was es mit dieser mysteriösen Warnung auf sich hat, aber trotzdem sagt ihm sein Gefühl, dass er sich an diese Anweisung halten sollte.

 

Im Haus Wunderlich fühlt sich Jonas gar nicht wohl, denn die Schwester der Verstorbenen, Alma, ist eine keifende Frau, die ihn am liebsten aus dem Weg haben würde. Als bei der Verlesung des Testaments klar wird, dass tatsächlich Jonas alles geerbt hat und nicht sie selbst, ist sie vor Wut kaum noch zur Ruhe zu bringen. Und dann ist da auch noch der Geistliche Irmingast, der schrecklich lange Zähne hat und auf Jonas sehr bedrohlich wirkt. Nur zu Ruben, dem stummen Diener, der ihm den Zettel zugesteckt hat, und zur Köchen Tabbi hat er Vertrauen. Als plötzlich auf ihn geschossen wird, schickt Ruben ihn in einen Schrank im so genannten Spielzimmer, das er eigentlich nicht betreten darf. Und dort startet das größte Abenteuer seines Lebens, denn er landet in einem grünen und warmen Land, das sich Kanarien nennt. Aber auch hier ist er in Gefahr, denn die Kaiserin verbietet alles, was unwahrscheinlich ist, und soll von einem Zwölfjährigen gestürzt werden.

 

„Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts“ von Wieland Freund ist ein fantastisches Jugendbuch, in dem es um Freundschaft, Macht und die Kraft der Imagination geht. In Kanarien existieren Dinge, von denen Jonas immer gedacht hatte, dass es sie nicht geben würde. Da sind Wichte und Basilisken, ein riesiger Hirte und ein geheimnisvoller Spinnenpalast. Alles Dinge, von denen er glaubte, dass ihre Existenz extrem unwahrscheinlich sei. Aber auch der Junge selbst hat etwas ganz und gar Unwahrscheinliches an sich: Er besitzt ein grünes und ein blaues Auge. Und solche Dinge werden in Kanarien gar nicht gerne gesehen…

 

Wieland Freunds Erzählweise ist eher ruhig. Er nimmt sich Zeit, um seine Figuren gut auszubauen. Besonders Jonas wächst einem von der ersten Seite an ans Herz. Es ist interessant, seine Entwicklung von einem verschüchterten Jungen zu einer starken Persönlichkeit mitzuverfolgen. Aber auch die anderen Charaktere sind sehr plastisch dargestellt. Da wären zum Beispiel der Diener Ruben, der in Kanarien noch eine besondere Rolle spielt wird, und der Advokat Aber, der scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Die ganz großen Actionszenen sucht man in diesem Buch vergeblich, trotzdem weiß es seine Leser zu fesseln und ist extrem spannend. Die Welt, in die Jonas eintaucht, ist einzigartig und ja, auch unwahrscheinlich. Was es mit Kanarien und Jonas wirklich auf sich hat, sollte aber jeder Leser selbst entdecken.

 

„Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts“ liest sich wie ein modernes Märchen. Man findet leichte Anklänge an die „Narnia“-Bücher oder auch Michael Endes „Unendliche Geschichte“, wobei das Buch trotzdem völlig eigenständig ist und mit eigenen Ideen glänzen kann. Ein interessantes Lesevergnügen für Jugendliche und Erwachsene.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

marie
Freitag, 30. September 2011 08:26 Uhr
Ich liebe dieses Buch man kann es immer und immer wieder lesen, es wird nie langweilig. Das Beste ist die oben erwähnte ruhige schreibweise, so kriegt man kein herzkammerflimmern. :P

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Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts

Autor: Wieland Freund

Beltz; 2007

Gebundene Ausgabe: 520 Seiten

ISBN-10: 340779925X

ISBN-13: 978-3407799258

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.09.2007, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06