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Die Virus-Waffe von James Barrington

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Der kretische Taucher Spiros Aristides entdeckt in der Nähe zweier kleiner Inseln das Wrack eines Learjets, in dem sich nebst drei Leichen auch ein merkwürdiger Aktenkoffer befindet. Gemeinsam mit seinem Neffen Nico öffnet er das Behältnis und stößt dabei auf einige Dokumente sowie vier kleine, unverhältnismäßig leichte Flaschen, von der sie noch die erste am selben Abend zwecks Analyse öffnen. Zwölf Stunden später werden die grässlich entstellten Leichen der beiden Männer gefunden, nach ersten Untersuchungen von den Folgen eines bislang unbekannten, aggressiven Virus’ dahingerichtet.

Unterdessen reisen einige Spezialisten vom amerikanischen Geheimdienst nach Kreta, um die Sache zu untersuchen, ahnen jedoch noch nichts von der großen Verschwörung, die nach dem Auftauchen des Aktenkoffers in Gang gesetzt wird. Bis in die höchsten Kreise der CIA reicht die Spur, die von den Ermittlern aufgenommen werden, unter ihnen auch ein Agent, der direkt in Langley nach Spuren sucht, allerdings noch nicht ahnt, was tatsächlich hinter dem Decknamen CAIP, den die Mission des Learjets damals trug, verborgen ist. Unterstützt wird das Team vom skrupellosen britischen Agenten Paul Richter, der unfreiwillig in die Sache hineingerät und nach erster Begutachtung der Fälle sofort seinen Gerechtigkeitssinn walten lässt. Noch vor Ort spürt er das Säuberungsteam der Agency auf und macht sich an dessen Verfolgung.

Derweil schwitzt ein gewisser John Nicholson in der Zentrale in Langley ganz gewaltig. Seine Vertuschungsversuche auf Kreta scheinen fehlzuschlagen und der Coup vom damals an die Öffentlichkeit zu kommen. Ihm bleibt schließlich nur eine Möglichkeit: Jeder, der nunmehr in die Sache eingeweiht ist, muss aus dem Weg geräumt werden. Doch als Nicholson diesen Plan verfasst, ahnt er noch nichts vom erbarmungslosen Briten Richter.

 

 

Rezension:

„Die Virus-Waffe“ ist auf der einen Seite sicher ein unheimlich packender Thriller mit etlichen, schier unfassbaren Inhalten und einer sehr weit ausgeholten Storyline, erlebt aber gleichzeitig auch so ziemlich alle Höhen und Tiefen, die eine solche Publikation nur erfahren kann. So gestalten sich vor allem die ersten 100 Seiten trotz des gehobenen Erzähltempos als recht zähes Stückwerk, dem es stellenweise an der erforderlichen Dynamik mangelt. Dies geschieht einerseits, weil Autor Barrington beinahe im Seitentakt die Szenerie wechselt und sich zunächst kein fester Hauptplot manifestieren kann, andererseits aber auch, weil die Hintergründe der Story bereits offen dargelegt werden und sich somit der Spannungsaufbau aufgrund fehlender, versteckter Inhalte enorm verzögert.

Erst mit und mit verschwimmen die verschiedenen Rahmenhandlungen schließlich zu einer konzentrierten Erzählung, in der sich die Puzzlestücke nahtlos zusammenfügen. Die Rollen der vielen Beteiligten werden klarer ausgeführt, aber auch die Verschwörung, die hinter und über allem steht, gewinnt plötzlich an rätselhafter Brisanz und entwickelt sich fortwährend zu einem echten Mysterium, von dem die Entwicklung der Spannung am Ende doch noch merklich zehren kann.

Sprachlich wiederum begibt sich Barrington von der ersten Seite an auf einen schmalen Grat zwischen militärischer Fachsprache und dynamischer Thriller-Linguistik. Und auch hier zeigen sich anfänglich leichte Diskrepanzen, da der Autor sein Fachwissen ziemlich deutlich zur Schau stellt und den Einstieg in die Story deutlich erschwert. Etwas mehr Feingefühl für den Aufbau des Romans hätte der Geschichte gerade hier gut getan, zumal sich die einleitenden Szenarien eh nicht wirklich gut anlassen.

Eine Kehrtwende erfolgt indes, nachdem die Rollenverteilung endlich transparent ist und der Plot im Zuge dessen zielstrebiger voranschreitet. Mit einem Mal sind auch die raschen Szenenwechsel wünschenswert, nicht zuletzt weil Barrington immer wieder spannungsgeladene Cliffhanger ans Ende der Kapitel setzt und die zunächst noch vermisste Spannung kontinuierlich gen Siedepunkt treibt. Hier und dort sind manche Zufälle zwar ein wenig unglaubwürdig, doch da sich das Tempo und auch der Nervenkitzel hiermit weiter steigern lassen, nimmt man dies gerne in Kauf. Doch noch während der Plot hier über zwei Drittel der Distanz massiv floriert, wird einem schon vorzeitig klar, dass das Ende der Geschichte nicht vollständig zufrieden stellend sein kann. Zu gewagt die Inhalte, zu krass die durchaus realistisch anmutenden Verbindungen. Und so beschließt ein halbwegs akzeptables, aber eben nicht ganz so glückliches Ende das ständige Auf und Ab in „Die Virus-Waffe“, soll aber schlussendlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Commander James Barrington hier einen alles in allem sehr ordentlichen, phasenweise richtig starken Roman konzipiert hat.

 

 

Fazit:

Verschwörungen bis in die höchsten politischen Kreise sind in der Regel das Metier von Tom Clancy, der an dieser Stelle mal als Referenz angeführt sei. Barrington bietet mit „Die Virus-Waffe“ allerdings eine würdige Alternative zu den besseren Werken des zuletzt schwächelnden Polit-Thriller-Autors und landet nach „Operation Overkill“ einen weiteren Treffer auf dem Bestseller-Markt.

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Die Virus-Waffe

Autor: James Barrington

Broschiert: 590 Seiten

Verlag: Blanvalet (August 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442369967

ISBN-13: 978-3442369966

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.09.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18