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Die Zeitmaschine von H. G. Wells

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

113 Jahre alt ist dieser Klassiker der Science Fiction, mit dem Herbert G. Wells Generationen von Lesern und Autoren inspirierte. Die Zeitmaschine ist nicht nur als Zukunftsvision auch heute noch faszinierend, auch von der Konzeption einer Zeitreise her, bedachte Wells schon sehr viele jener Dinge, die auch heutige Autoren beschäftigen, inklusive des berühmten Zeit-Paradoxon. Sicherlich gibt es einige Details, denen man das Alter des Romans anmerkt, etwa die rein mechanische Funktionsweise der Maschine, aber da Wells seinen Zeitreisenden in die aberwitzig ferne Zukunft von 802.701 Jahren geraten lässt, ist der rein technische Fortschritt bedeutungslos.

Aus der Beobachtung seiner Umgebung heraus, dem Zeitalter ständig zunehmender Industrialisierung bei dreister Ausbeutung der niederen Bevölkerungsschichten durch eine schnell immer reicher werdende Oberschicht, gemischt aus Adel und Bürgertum, entwickelt Wells die These von einer Menschheit, die zunächst tatsächlich auch räumlich in Ober- und Unterschicht zerfällt. Während die produzierenden Diener in die Tiefen verschwinden, wo ihre dreckigen Maschinen Tag und Nacht arbeiten, leben die Herren und Besitzer an der Oberfläche und verfallen nach und Nach durch den Mangel an Not, der ein starker Antrieb zur Weiterentwicklung ist, in eine gesellschaftliche Starre, die bis zu jenem Niedergang führt, den der Zeitreisende anhand der nur noch menschenähnlichen Morlocken und Eloi selbst erlebt.

Dabei muss er seine Theorien über das Wesen der menschlichen Gesellschaft mehrfach revidieren, vom anfänglichen Goldenen Zeitalter zum Ende der Zivilisation.

Dabei vergisst Wells nicht, dem Leser eine spannende Erzählung zu bieten. So ist der Zeitreisende nicht nur gezwungen, seine Zeitmaschine wieder zu beschaffen, die die Morlocken entwendeten, er lernt auch eine Eloi-Frau kennen. Durch Weena lernt er das Leben auf der zukünftigen Erde besser zu verstehen, erkennt ihre vergehende Lebensweise als eher animalische Existenz - was den Zeitreisenden durchaus nicht daran hindert, sich mit Weena zu vergnügen, auch wenn Wells das nicht explizit erwähnt. Da Wells aber in dieser Hinsicht kein Kostverächter war und er in einer Zeit konservativer Wertvorstellungen lebte, muss man hier vielleicht tatsächlich von prickelnder Erotik sprechen.

Aber letztlich bleibt der Zeitreisende nicht in dieser Epoche, die ihm, einen tatkräftigen Mann eines neugierigen Jahrhunderts, einfach nicht genug reizen kann. Das Paradies ist etwas für Faulenzer, auch wenn es vielleicht gar keinen Sinn hat, voranzuschreiten. Dieser Skeptizismus, was die menschliche Zukunft anbelangt, mag für Wells charakteristisch gewesen sein, dennoch ist die Zeitmaschine mit Sicherheit kein düsterer Roman. Vielmehr besticht er durch eine gelungene Verbindung von Abenteuer und Kritik an den herrschenden Zuständen, eher eine Warnung als eine Prophezeiung.

 

Der dtv ergänzt das Buch wie gewohnt um eine kurze Betrachtung, deren Autor unerwähnt bleibt und um eine Zeittafel zum Leben Wells.

 

Fazit:

Die schnörkellose Taschenbuchausgabe der „Zeitmaschine“ bietet einen wohl faszinierendsten Klassiker der Literatur zu einen fairen Preis an. Wer das Buch bisher noch nicht in seiner Sammlung hatte, kann hier getrost zugreifen. Der Roman ist es allemal wert.

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Buch:

Die Zeitmaschine

Autor: Herbert George Wells

Original: The Time Machine, 1895

Übersetzerinnen: Annie Reney und Alexandra Auer

dtv, 2008

Paperback, 158 Seiten

 

ISBN-10: 3423191236

ISBN-13: 978-3423191234

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.08.2008, zuletzt aktualisiert: 16.04.2019 09:45